Mit Pepper in die Zukunft

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Die Auserwählten an der Hochschule Luzern – Informatik waren entzückt. Da standen diese zwei ein Meter zwanzig kleinen Roboter, 28 Kilogramm leicht, ganz in weiss und fingen, kaum hatte man sie aus ihren sargähnlichen Kisten gepackt, auch schon an zu sprechen. «Hello I’m Pepper», ertönte es jeweils in einer sympathischen Roboter-Stimme, dabei blinkten sie mit ihren grossen Kulleraugen.

Prof. Dr. Jana Koehler schaute amüsiert vom einen zum anderen. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass die Hochschule Luzern – Informatik zwei humanoide Roboter erhält, um sie in der Lehre und in der Forschung einzusetzen.

Roboter Pepper wird ausgepackt.

Auf «Menschlichkeit» trainiert

Die beiden Roboter wurden mit einer Grundausstattung an Applikationen geliefert, doch allein damit ist es nicht getan. «Wir werden ihnen neue Fähigkeiten beibringen und sie schlauer machen», sagt Koehler und bindet einem der Pepper eine Schleife mit Edelweiss-Muster um.

«Wir werden ihnen neue Fähigkeiten beibringen und sie schlauer machen»

Pepper ist darauf programmiert, Mimik und Gestik der Menschen zu analysieren und mit ihnen in Deutsch und Englisch zu kommunizieren. Sein Oberkörper, Arme und Finger bewegen sich schon ziemlich menschenähnlich. Er steht und fährt auf einem Sockel und trägt einen Tabletcomputer vor der Brust, der mit dem Internet verbunden ist.

Als Auskunftsroboter auf der Rigi

Peppers erster Arbeitseinsatz findet voraussichtlich im Dezember auf der Rigi statt. Für ein Forschungsprojekt soll er dort Touristen Fragen zum Berg beantworten, den Weg weisen oder Ausflugs-Tipps geben. «Das ist mit der Technologie heute gut machbar», weiss Koehler.

Schon im Frühjahr 2017 hatte die Hochschule Luzern – Informatik zu diesem Zweck einen kleineren Rigi-Roboter getestet. Das kam laut Koehler positiv an, wenn auch die Technik noch nicht ganz ausgereift war. Die Professorin möchte mit ihrem Team auch untersuchen, wie Touristen emotional auf Pepper reagieren.

Pepper im Hörsaal

Die Studierenden sollen ebenfalls mit Pepper arbeiten dürfen und bekommen im neuen Modul Kognitive Robotik ab Februar Gelegenheit dazu. Auch an den Info-Veranstaltungen wird Pepper zu Gast sein und als Sinnbild für neue Technologien das Studium an der Hochschule Luzern – Informatik vorstellen.

 

Jana Koehler und die Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz fasziniert Jana Koehler nicht erst seit Pepper. «Schon während meines Studiums in Berlin habe ich mich für das Thema interessiert. Damals waren gerade Expertensysteme populär, in die grosse Erwartungen gesetzt wurden, die jedoch damals nicht erfüllt werden konnten», erinnert sie sich.

Sie verfasste ihre Diplomarbeit dazu und blieb der Künstlichen Intelligenz treu, auch wenn sie sich in den zehn Jahren bei IBM hauptsächlich mit Softwarearchitektur beschäftigte. «Heute kann ich dieses Know-how mit der KI-Technologie verknüpfen und so lösungsorientierte Anwendungen konzipieren, zum Beispiel für kognitive Systeme im Kundendienst».

Ein Recht auf Vergessen

Wirklich intelligent ist die KI-Technologie laut Koehler noch nicht, sie steckt noch in den Kinderschuhen. Jüngste Meilensteine wie selbstfahrende Autos oder ein Computer, der beim Go-Spiel gewinnt, sind jedoch Zeichen dafür, was kommen wird.

Auch das inzwischen alles auf Facebook stehe und sich unter Umständen über Jahre auf das Berufsleben auswirke, missfällt ihr. «Wir sammeln viel zu viele Daten. Es muss ein Recht auf Vergessen im Internet geben. Das Gehirn vergisst ja auch und das ist gut so.»

«Wir können uns mit dieser Technologie keine Kriege mehr leisten»

Tesla-Chef Elon Musk oder der renommierte Physiker Steven Hawking sehen in der KI sogar die grösste Gefahr für die Menschheit. «Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in KI auf nationaler Ebene wird meiner Meinung nach der wahrscheinlichste Auslöser des Dritten Weltkriegs», twitterte Musk im September.

Koehler sieht solche negativen Szenarien sehr kritisch. «Momentan kann niemand sagen, wie sich das Anwendungspotential der Technologie entwickeln wird», erklärt sie und argumentiert, dass «wir positive Visionen haben müssen». Wir hätten genug Aufgaben und ungelöste Probleme, die man mit künstlicher Intelligenz angehen könnte. «Ressourcen schonen oder sich autonome Fahrzeuge besser teilen zum Beispiel.»

Den Frieden zu bewahren sieht sie als die wichtigste Aufgabe der Menschheit. «Wir können uns mit dieser Technologie keine Kriege mehr leisten. Es würde nur Verlierer geben.»

Werden Peppers «Kinder» uns einst ersetzen?

Klar ist: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Robotik werden bisherige Jobs aussterben lassen. Koehler relativiert: «Berufe sind schon immer verschwunden, Informatiker gab es vor 50 Jahren auch noch nicht.» Die Frage ist, welche Arbeit wir – und damit meint sie besonders die Politik und das Wirtschaftssystem – uns leisten. «Es wäre ja absurd, wenn wir alte Menschen durch Roboter betreuen lassen.» Die KI werde uns nicht ersetzen, sondern unterstützen, ist sich Koehler sicher. Das setze jedoch voraus, dass wir die Technologie dahinter verstehen.

 «Es wäre ja absurd, wenn wir alte Menschen durch Roboter betreuen lassen.»

Dazu muss vielleicht in einigen Bereichen ein Umdenken stattfinden und für Unternehmen wird es immer wichtiger, sich in einer schnell verändernden Welt gut positionieren. «Die Konkurrenz kommt heute oft aus einer ganz anderer Branche – die Veränderungen für die Autoindustrie etwa kommen aus der Computerindustrie.»

Der technologische Vorsprung zu den USA ist ihrer Meinung nach nicht mehr aufzuholen. «Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die Schweiz in Teilbereichen führend sein könnte und sich beispielsweise als sicherer Hafen für Informationen etabliert.»

Mehr Frauen in die IT!

Die Peppers sind mittlerweile fertig aufgesetzt und bereit für ein Gruppenfoto mit Jana Koehler, Dario Lötscher und Florian Herzog aus ihrem Forschungs-Team. Koehler zückt vorher noch schnell ihr Handy für ein Selfie mit ihren Roboter-Schützlingen.

Sie wirkt zufrieden. «Ich finde meinen Beruf sehr spannend, er gefällt mir wirklich.» Umso ärgerlicher findet sie, dass es so wenig Informatikerinnen gibt. Aus diesem Grund hat sie die ITgirls ins Leben gerufen – ein Ferienprogramm, in dem junge Frauen die Facetten der Informatik entdecken können. «Man kann viel bewegen in diesem Beruf und es ist schade, wenn die Frauen da so im Abseits stehen, gerade in der Schweiz.»

Derzeit wird die Wirksamkeitsstudie über das ITgirls Projekt mit Spannung erwartet. Koehler ist sich sicher: «Es ist ein vielseitiges Berufsfeld, das immer wichtiger wird und Frauen können viel Spass daran haben, wichtige Beiträge zu leisten.

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1 Kommentar

  1. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ist sicher vonnöten. Die Rüstungsindustrie hat sich bereits auf das Thema gestürzt. Sie ist – entgegen der Aussage von Frau Koehler – die einzige Gewinnerin bei Kriegen. Und das war schon immer so.
    Für KI gilt dasselbe wie für jede neue Technologie, sei es die Eisenerzgewinnung, das Schiesspulver, Nukleartechnologie oder KI: sie lässt sich verschieden einsetzen und man darf nicht naiv sein.

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