Kreativer Forschen dank offenem Diskurs

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Projekt-Workshops sind Kreativ-Reaktoren: Studierende und Dozierende, Neulinge und alte Hasen treffen auf einem Spielfeld zusammen, kreuzen in einer sicheren Umgebung ihre akademischen Klingen. Das Besondere dabei: Nicht das Dienstalter oder der Titel bestimmen die Runde, sondern das beste Argument. Man diskutiert auf Augenhöhe.

Dass Projekt-Workshops funktionieren, liegt vor allen an zwei Dingen, so Ruedi Arnold: «Bei Projekt-Workshops sind alle offline: Das Abschalten der Computer gibt der Gruppe den nötigen Fokus auf den Kern eines Problems.» Und: Die vielen verschiedenen an einem Projekt beteiligten Akteure bringen viele verschiedene Perspektiven mit. «Diese Vielfalt im Team bedeutet, dass wir Probleme schneller, kreativer und hoffentlich besser lösen.»

Lernen im Team liegt nicht allen

Natürlich ist Team-Arbeit eine Stilfrage: «Es gibt auch an der Hochschule Luzern – Informatik Leute, die lieber alleine arbeiten», sagt Arnold. Das Team um Marc Pouly und Ruedi Arnold hält aber an der kollaborativen Methode fest: «Wir arbeiten vor allem darum zusammen, weil wir Spass an der Zusammenarbeit haben und weil es das bringt.»

Das dynamische Duo hat gleich mehrere Formate revitalisiert, die den Austausch zwischen den Forschenden und fortgeschrittenen Studierenden fördern sollen: In den internen Mindblast-Veranstaltungen präsentiert eine Fachperson ihre Arbeit oder Erkenntnisse. Der Rest des Teams nimmt auf, analysiert, kommentiert, kritisiert. «Diese Art des Diskurses ist eine fantastische Möglichkeit Weiterbildung im Alltag einer Hochschule zu verankern», sagt Co-Organisator Ruedi Arnold.

Begeistert ist er auch vom positiven Einfluss der Projekt-Workshops auf die Forschungsatmosphäre: Gerade für die an den Projekten beteiligten Master-Studierenden und junge Mitarbeitenden ist der Team-Spirit interessant: «Die Projekt-Workshops sind extrem wertvoll für mich: Sie ermöglichen ungezwungene Fach-Diskussionen und schaffen eine kreative Atmosphäre, in der neue Ideen auftauchen», antwortet der Master-Studierende Stefan Schnürle auf die Frage, was ihm denn so ein Workshop bringe.

Lernen, das Gesamte nicht aus den Augen zu verlieren

„Wenn mehrere Personen gleichzeitig an verschiedenen Aspekten eines Problems arbeiten, müsse nicht nur das eigene Problem gelöst, sondern immer auch mitgedacht werden, wie der eigene Code ins Gesamtprojekt passe.“, erläutert Schnürle, der im Rahmen von seinem Teil-Projekt viel programmiert.

Bei seinem aktuellen Projekt, führt Schnürle aus, arbeite er an einer Alternative für einen Algorithmus, der ein neuartiges, präferenz-basierte Suchen und Filtern ermöglichen soll. «Konkret heisst das, dass ich die Ergebnisse des Algorithmus meines Kollegen durch eine Heuristik in denjenigen Fällen zu ersetzen versuche, in denen die vollständige Berechnung seines Algorithmus zu rechenaufwendig wäre». Das sei manchmal wie eine Operation am offenen Herzen:

Während der Kollege am Kern-Algorithmus arbeitet, versucht der Master-Studierende, seine Alternativen in den Code des Kollegen zu integrieren. «Am Anfang war nicht klar, wie wir diese Zusammenarbeit organisieren», räumt Schnürle ein, aber mit der Zeit habe man, auch dank des Feedbacks der erfahreneren Kollegen im Projekt-Team, herausgefunden, wie es am besten funktioniert.

Lernen, was es heisst praxisorientiert zu forschen

Auch fachlich seien die Projekt-Workshops wertvoll, so Schnürle. Als Praktiker sei es für ihn zuerst schwierig gewesen, die theoretischen Forschungspapiere über Algorithmen ohne weiteres nachvollziehen zu können. «Diese Papiere beschreiben Algorithmen oft in sehr dichter, wissenschaftlicher Sprache. Da muss man schon sehr genau lesen, um nichts zu verpassen.»

Auch die Kriterien, die er anwendet, um ein Programm zu bewerten und zu verbessern, sind für ihn neu. «Während des Studiums habe ich mir fundierte theoretische und praktische Skills angeeignet. In der Projekt-Arbeit konnte ich dieses Know-how in aller Ruhe erproben.» Da die Zeit für dieses ausgiebige Testen in der Praxis oft fehlt, ist die Projekt-Arbeit ganz besonders lehrreich.

Bei der Anwendung der Theorie stosse man immer wieder auf Unklarheiten und Ungereimtheiten: «Wenn in der Theorie etwas vergessen geht, mag das nicht direkt auffallen», resümiert der Studierende. Sobald aber Computer ins Spiel kommen, verträgt es keine Ambivalenzen mehr: Die Praxis revidiert die Theorie.

Mehr Lernkultur Made in Lucerne?

So forschen, lehren und arbeiten die Informatik-Cracks der Hochschule Luzern:

Mindblast Workshops: Fünf bis sechs Veranstaltungen pro Semester, an denen Dozierende und Master-Studierende über ihre aktuellen Projekte berichten. Ziel der Veranstaltungen ist der Kompetenz- und Erfahrungsaustausch zwischen Informatik-Experten. Gleichzeitig verankert sie den Lerngedanken im Forschungsalltag.

Projekt-bezogene Workshops: Master-Studierende, Dozierende, und wissenschaftliche Mitarbeitende setzen sich im Rahmen eines Forschungsprojektes intensiv mit einem Thema auseinander. Weil Partner aus der Privatwirtschaft in diesen Projekten direkt involviert sind, führt diese Arbeit sehr schnell zu sehr praktischen Lösungen.

Scratch Workshops: Für junge Menschen, die (noch) nichts mit Informatik am Hut haben. In einer interaktiven Umgebung spielen Schülerinnen und Schüler mit Programmier-Puzzle-Teilchen und erstellen so erste eigene Programme! Ohne sich um Tippfehler und technische Details kümmern zu müssen, lernen Teilnehmende, womit sich Informatiker und Informatikerinnen alltäglich beschäftigen und können sich selber kreativ betätigen.

TIP: Der Theoriekurs Informatik-Praktikum (TIP) bereitet aufs Informatik-Studium vor. Studieninteressierten ohne Berufserfahrung in der Informatik vermittelt der Kurs das notwendige Basiswissen. Die Veranstaltung kann auch aus reinem Interesse an Informatik-Basiswissen besucht werden. Einziger Wermutstropfen: Sie ist kostenpflichtig.

IT-Girls: Im dreitägigen Ferienprogramm ITgirls@hslu entdecken Mädchen (und Jungen) die Facetten der Informatik: Sie setzen erste Animationen zusammen, lernen mehr über die Kuriositäten der Informatik-Geschichte, bauen einen Computer und erfahren, wie der Berufsalltag von Informatikerinnen aussieht.

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