Klassenzimmer Wolke – Die Cloud als Lösung für die moderne Schule?

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Während in der Deutschschweiz mit dem Lehrplan 21 der zögerliche Versuch gestartet wurde, die Kinder fit für die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu machen, setzt der indische Bildungswissenschaftler Sugata Mitra mit seinem Konzept des selbstorganisierenden Lernens auf das cloudbasierte Klassenzimmer.

Seit dem Beschluss der Deutschschweizer Erziehungsdirektion im Herbst 2014 steht fest: Der Lehrplan 21 soll in den Kindergärten und Volksschulen der 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone gestaffelt eingeführt werden. Mit dem Ziel die Kinder unter anderem fit für die digitale Zukunft zu machen, rüsten sich die Institutionen für den Wechsel vom wissens- hin zum kompetenzorientierten Unterricht.

«Ist dies der richtige Weg, um die Kinder auf die zukünftigen Berufsbilder vorzubereiten?»
Marc Zibung

Unter dem Schlagwort «Workplace as a Service» treibt der Kanton Zug etwa die Miete von persönlichen Computern und Tablets für die Schülerinnen und Schüler voran. Doch reicht dieser pädagogische Ansatz, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden? Ist dies der richtige Weg, um die Kinder auf die zukünftigen Berufsbilder vorzubereiten?

Die Schule in der Datenwolke

Der indische Bildungswissenschaftler und Informatiker Sugata Mitra, stellt dieses traditionelle Schulkonzept in Frage und will es mit seinem globalen Experiment «The School in the Cloud» auf den Kopf stellen. Seine Grundannahme ist, dass sich interessierte Schülerinnen und Schüler Inhalte selbst beibringen können und wollen.

In der Cloud sieht Mitra dabei die Lösung für die moderne Schule und modelliert mit ihr als Grundlage, das Lernen als ein selbstorganisierendes System. Dabei setzt er auf:

Mitras Konzept basiert auf Breitband-Internet, Kollaboration, Ermutigung und Bewunderung.

Durch diesen – angereichert mit Ermutigung und Bewunderung –  cloudbasierten Ansatz, bei dem sich die Kinder die Materie selbst und im Team beibringen, wird dem Lehrplan sowie der Lehrperson eine komplett neue Aufgabe zugeschrieben.

Die Lehrpersonen fungieren in der Rolle von ermunternden Mentorinnen und Mentoren, welche den Prozess des selbstorganisierten Lernens, durch das Aufwerfen von grossen Fragen, vorantreiben. Grosse Fragen sind interessant und relevant, wecken die Neugier und führen zu einem Entdeckungsprozess. Sie sind offen und schwierig und decken mehrere Bereiche ab. Zum Beispiel: «Was würde mit der Erde passieren, wenn alle Insekten aussterben?» oder «werden Roboter eines Tages ein Bewusstsein haben?»

Video: Ted Talk von Sugata Mitra über seine Vision einer Schule in der Cloud

Die grossen Fragen werden in Teams mit Computer und Internet beantwortet sowie anschliessend präsentiert. Die Schülerinnen und Schüler sollen durch diese Form des Unterrichts lernen, sich kritisch und eigenständig mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen. «Orte des selbstorganisierten Lernens, sind der erste Schritt, um unsere Kinder auf eine Zukunft vorzubereiten, welche wir uns kaum ausmalen können», sagt Sugata Mitra in seinem Ted Talk.

Bereits Mitras erstes Experiment Hole in the Wall überzeugte viele Experten und Pädagogen. Mit seinem Ansatz schaffte er es, Kinder ohne  Bildung aus dem slumähnlichen, indischen Dorf Kallikuppam innerhalb von fünf Monaten in einem Teilgebiet der Biologie auf denselben Bildungsstand, wie eine Referenzgruppe einer reichen Privatschule in Neu-Dehli zu bringen. Das Projekt brachte Sugata Mitra den mit einer Millionen Dollar dotierten TED Prize Award. Er entwickelte ausserdem das Projekt «Granny Cloud», in dem pensionierte Lehrpersonen Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt über Skype unterstützen können.

«Die Idee und die Ergebnisse des «Klassenzimmers Wolke» sind bestechend.»
Marc Zibung

Basierend auf den Erfolgen besitzt die «School in the Cloud» mittlerweile eine beachtliche globale Community. Microsoft und Pencil of Promise sind bereits als Partner eingestiegen. Die Schweiz bleibt aussen vor. Ob und in welcher Form dieses Konzept auch an Schweizer Schulen angewendet wird, bleibt offen. Die Idee und die Ergebnisse des «Klassenzimmers Wolke» mit dem selbstorganisierten Lernen und dem Lehrplan der grossen Fragen sind auf jeden Fall bestechend.

Marc Zibung ist CEO bei der Base-Net IT Services AG und bloggt aus dem Unterricht des CAS Cloud and Platform Manager.

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