Blockchain – «Wenn die Technologie nicht funktioniert, stirbt das ganze System»

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Im Gespräch mit: Dr. Alexander Denzler

Momentan ist ein riesiger Hype um das Thema Blockchain. Wie wird sich dieser entwickeln? Diese und andere Fragen haben wir unserem Experten in Sachen Blockchain am Departement Informatik, Dr. Alexander Denzler, gestellt.

Alexander Denzler, wann kamen Sie erstmals mit dem Thema Blockchain in Berührung?

Das war 2014. Als Doktorand verdiente ich nicht allzu viel Geld, dafür hatte ich ein Büro an der Uni Freiburg mit gratis Strom. Was tut ein Student, der sein Budget aufbessern will? Ich habe in meinem Büro Bitcoins geschürft.

Und jetzt sind Sie ein reicher Mann? 

Reicher an Erfahrung allemal.

Was fasziniert Sie so an der Blockchain?

Der dezentrale Ansatz und damit das Vertrauen innerhalb eines digitalen Kollektives. Das funktioniert ähnlich, wie die Lösungen aus dem Big Data-Bereich: Dort werden komplexe Rechenaufgaben nicht mehr von einem Supercomputer gelöst, sondern durch viele einzelne Rechner innerhalb eines Clusters. Generell, Crowd-basierte Ansätze sind äusserst spannend.

Sie sind in verschiedenste Blockchain-Projekte involviert. Was ist die grösste Herausforderung?

Das Zeitmanagement (lacht). Auf Projektebene ist es anspruchsvoll mit den Firmen zu sprechen, viele sind interessiert und wollen verstehen, worum es geht. Doch die Blockchain bringt, im Gegensatz zu Big Data, meist nur Vorteile für die Endnutzer und es entstehen oft Interessenkonflikte, zumal viele Geschäftsmodelle noch auf zentralisierten Ansätzen beruhen.

«Es ist schade, dass der Fokus zu oft auf Kryptowährungen liegt.»

Ein Problem ist auch, dass der Fokus zu oft auf Kryptowährungen liegt. Das ist schade. Die Blockchain ist und bleibt eine Technologie, die in der jetzigen Fassung noch einiges an Forschung benötigt, damit sie ihr volles Potential entfalten kann. Solange primär daran geforscht wird, wie sich die Währungen verhalten, wird es schwierig, genügend Anwendungsmöglichkeiten für die Technologie zu finden. Dies wiederum wird sich negativ auf den Kurs auswirken. Deshalb steht und fällt alles mit der Weiterentwicklung der Technologie selbst. Davon würden schlussendlich alle profitieren.

Der Fokus auf die finanziellen Aspekte ist ein Problem der Blockchain-Technologie. Gibt es weitere?

Der ökologische Fussabdruck, Bitcoin braucht bald mehr Strom als Nigeria, aber auch die personellen Ressourcen: Weltweit gibt es nur ungefähr 2000 Personen, die ein Blockchain-Protokoll von Grund auf bauen können. Viele Firmen haben Millionen mit ICOs verdient (ein Initial Coin Offering ist eine Finanzierungsform für Kryptowährungsprojekte), doch ihnen fehlt das Personal, um ihre Visionen umzusetzen.

«Die Hochschule Luzern wird im Herbst 2018 einen ersten 14-wöchigen Bachelor-Kurs anbieten, der per Ende Jahr die ersten Blockchain-Entwickler/innen auf den Markt bringt»

Die Hochschule Luzern – Informatik wird im Herbst 2018 einen ersten 14-wöchigen Bachelor-Kurs anbieten mit Fokus auf die Programmierung von Smart Contracts, der per Ende Jahr die ersten Blockchain-Entwickler/innen auf den Markt bringt. Damit sind wir die ersten in der Schweiz.

Geht es im Zuger «Crypto Valley» hauptsächlich um Kryptowährungen oder um die Blockchain-Technologie?

Die Technologie steht im Zentrum, doch das Geld fasziniert natürlich. Die Kapitalisierungsphase ist bei den meisten Start-ups im «Crypto Valley» durch. Jetzt kommt die nächste Phase, Umsetzung! Hier werden wir in naher Zukunft noch von einigen Unternehmen lesen, die viel zu viel versprochen haben und schlussendlich nichts liefern können, leider. Dies wird einen negativen Effekt auf die Reputation der Technologie haben.

Was halten Sie davon, Kryptowährungen zu regulieren?

Solange die Regulationen gut durchdacht sind und einen positiven Effekt auf das Ökosystem haben, sind sie absolut willkommen. Leider gibt es einige dubiose Firmen, die versuchen mit dem Hype schnell Geld zu verdienen. Sollte die Blockchain-Technologie untergehen, dann primär wegen der schlechten Reputation.

«Sollte die Blockchain-Technologie untergehen, dann primär wegen der schlechten Reputation.»

Regulationen können förderlich sein, denn sie schaffen eine gewisse Sicherheit. Sicherheit wiederum schafft Stabilität und dies ist immer gut. Schlecht wäre, wenn Kryptowährungen automatisch verboten würden. Die Schweiz macht dies hervorragend. Und die EU jetzt eben auch.

Die Hochschule Luzern – Informatik berät die EU neu in Blockchain Fragen. Was heisst das konkret?

Es ist eine Ehre beim «EU Blockchain Observatory and Forum» mitzumachen. Wir spielen eine wichtige Rolle und dürfen der EU Chancen, Risiken und Lösungsansätze der Blockchain-Technologie aufzeigen. Das beeinflusst die Meinung der Politik zum Thema und wirkt sich positiv auf unsere Hochschule aus.

Die Crypto Valley Conference on Blockchain Technology steht vor der Tür. Der CTO der Kryptowährung Ripple (Ripple ist bekannt als die «Blockchain der Banken») hält die Keynote. Hat das eine spezielle Bedeutung?

An der Crypto Valley Konferenz wird es nicht primär um Kryptowährungen gehen, sondern um die Blockchain-Technologie selbst. Wir wollen verstehen, in welche Richtung sich die Technologie entwickelt und wo neue, innovative Lösungen erforscht werden, welche uns helfen gewisse fundamentale Probleme zu lösen, die zweifellos bestehen. Aus diesem Grund haben wir Forscher, Entwicklerinnen aber auch Unternehmerinnen aus aller Welt eingeladen, damit sie uns ihre Sichtweise und Entwicklungen näherbringen. Da Ripple ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems ist, sind wir natürlich interessiert, mehr über ihre Lösungsansätze und Visionen zu erfahren. Deshalb haben wir explizit den CTO und nicht wie bei den meisten anderen Konferenzen den CEO eingeladen.

Die Blockchain löst Hoffnungen aus, wie zuletzt das Internet. Anfangs war dieses dezentral, anarchisch und post-kapitalistisch. Heute kontrollieren wenige Konzerne den Markt. Könnte es der Blockchain ähnlich ergehen?

Natürlich gibt es bereits Blockchain-Lösungen, die klar von einem Unternehmen kontrolliert werden. Das kann unter gewissen Umständen auch ein Vorteil sein. Es stellt sich dann jedoch schnell die Frage, ob damit das Hauptargument für einer Blockchain-basierten Lösung nicht ausgehebelt wird.

Momentan ist ein riesiger Hype um das Thema Blockchain. Wie wird sich dieser entwickeln?

Alles was rauf geht, geht irgendwann wieder runter. Der Hype um die Blockchain wird in den nächsten Jahren sicherlich abnehmen. Das war bei jeder Technologie so. Es braucht Zeit und solide Anwendungsfälle dieser Technologie, damit sie sich längerfristig behaupten kann.

Reinvent Finance Hackathon

Die Hochschule Luzern – Informatik organisiert den Hackathon «Reinvent Finance». Die Teilnehmenden erforschen während drei Tagen innovative Lösungen für die Finanzbranche. Es winkt eine Gesamtpreissumme von CHF 50’000.–.

Crypto Valley Konferenz on Blockchain Technology

Vom 20. bis 22. Juni 2018 treffen sich an der Crypto Valley Conference on Blockchain Technology weltweit führende Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung zum Austausch über den aktuellsten Stand der Forschung und Entwicklung sowie neuer Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie. Auch Studierende der Hochschule Luzern sind willkommen und können von einem vergünstigten Eintritt profitieren. Hauptorganisatorin ist die Crypto Valley Association. Die Hochschule Luzern – Informatik und IEEE Switzerland sind Veranstaltungspartner.

CAS Blockchain

Eine Weiterbildung für alle, die ihre Kompetenzen in Blockchain optimal ausbauen wollen. Im CAS Blockchain werden die Grundlagen der neuen digitalen Welt, die digitalen Geschäftsmodelle sowie die zahlreichen Möglichkeiten (Krypto-Währungen, Smart Contracts, usw.) in Bezug auf die Blockchain-Technologie vermittelt.

Fachkurs Blockchain Technology

Ein Weiterbildungskurs für Führungskräfte und Fachspezialisten, die sich die Grundlagen der Blockchain-Technologie aneignen und deren Anwendungen verstehen möchten.

Blockchain einfach erklärt

Über den Informatik-Blog

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