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Open Science

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Was verbindet sich mit dem Begriff «Open Science», was soll «offene Wissenschaft» sein?

Open Access, Open Educational Ressources und mehr

Zum einen subsumiert man meistens eine Reihe von Initiativen darunter, die die freie Zugänglichkeit der Ergebnisse und Arbeitsmaterialien von wissenschaftlicher Forschung und Hochschullehre fordern und fördern: Open Access, Open Educational Resources oder auch Open Data. Zum Teil wird darunter auch der Einsatz von freier Software, neuen technischen freien Tools wie Blogs, Labortagebüchern und offenen technischen Standards in Bildungsinstitutionen und allgemeiner, in öffentlichen Institutionen verstanden.

Offene Praktiken

Zum anderen verbindet sich mit dem Open Science-Gedanke aber auch die Idee, auf partizipative, dialogische und kooperative Lehr- und Forschungspraktiken zu setzen, wie z.B. auf die Idee des Open Peer Review: Statt eines anonymen Begutachtungsverfahrens und der anschliessend durch Zitationen sichtbar werdenden Rezeption des abgeschlossenen Textes durch FachkollegInnen, versuchen einzelne Zeitschriften den offenen und einsehbaren Begutachtungsprozess als Teil des wissenschaftlichen Austausches zu gestalten, der zu einer fortlaufenden Überprüfung und Veränderung der wissenschaftlichen Ergebnisse und Schlussfolgerungen führt. Das Pendant in der Hochschullehre sind interaktive Lernsettings in denen Lernende wie Lehrende gemeinsam den Lernprozess und die damit verbundenen Materialien gestalten. In diesen Lehr- und Forschungspraktiken werden die Grenzen ausgelotet, was Wissenschaft ist bzw. wer Wissenschaft macht oder ExpertIn ist. Besonders deutlich wird das in den letzten Jahren wieder populär gewordenen Gedanken, der Citizien Science – der Beteiligung von NichtwissenschaftlerInnen an den Ergebnissen und Prozessen der Forschung, wie es z.B. die Stiftung Science et Cité fördert (https://www.science-et-cite.ch/de/profil/) .

Grundsätzlich wird in allen Ansätzen und Initiativen die aktuelle Rolle und Funktionsweise von Wissenschaft zur Debatte gestellt, die sich nicht zuletzt aufgrund von anderen Arbeits- und Kommunikationsmöglichkeiten im digitalen Kontext ergeben haben.

Verschiedene Anliegen

Benedikt Fecher und Sascha Friesike machen in ihrem Aufsatz «Open Science: One Term, Five Schools of Thought» hier fünf verschiedene Vorstellungen zu Open Science und dessen Zweck aus:

  • Demokratische Anliegen
  • Pragmatische Anliegen
  • Infrastrukturaspekte
  • Öffentlichkeitsorientierung
  • Ideen der Forschungsevaluation
Open Science - Denkschulen

Open Science – Denkschulen

Bartling und Friesike möchten mit dieser Auslegeordnung die Spannbreite an Akteuren, Interessen und Erwartungen verdeutlichen, die sich mit Open Science verbinden. Sie schlussfolgern, dass diese Vielfalt auch erklärt, wieso die Etablierung von Open Science keine Selbstverständlichkeit ist: obwohl sich auf Vorteile von Open Science geeinigt werden kann, ist es mit Aufwand und Konflikten verbunden, die immer noch quer zu den möglichen Karrierewegen und Forschungsgegebenheiten in der Wissenschaft stehen.

Einschätzungen

Die aktuelle September-Ausgabe von Horizonte, der Zeitschrift des SNF, widmet sich ebenfalls dem Schwerpunkt Open Science und stellt vier Forschende vor, die sich im Bereich Open Science engagieren. Sie schätzen die Nachvollziehbarkeit von Forschungsprozessen auch noch nach Jahren, für den Forschenden selbst, aber auch für andere Forschende, die Förderung von Transparenz und Selbstreflexion, den Netzwerkcharakter und die effiziente gemeinsame Nutzung von Daten, die Hilfe und Kommentare von KollegInnen in Online-Foren und den leichteren Austausch mit Forschenden und Industrie. Zugleich benennt das gleiche Heft aber auch die bleibenden individuellen Sorgen von Forschenden, gerade aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, dass die freie Verfügbarkeit von Forschungsdaten und – ergebnissen, für sie persönliche Nachteile mit sich bringt oder sie nicht wissen, wie sie ihre Arbeiten offen zugänglich machen können und angesichts der Anforderungen der Forschungsförderer und -institutionen überfordert sind.

Umsichtige organisatorische, personelle und finanzielle Formen der Unterstützung für Forschende, sei es durch die KollegInnen oder die Forschungseinrichtungen, sind nun gefragt, um Open Science weitergehend zu etablieren.

Ihre Einschätzung

Was ist Ihre Einschätzung und Erwartung an Open Science? Welche Beispiele, Links und Tipps möchten Sie ergänzen? Hinterlassen Sie auf der Open Science Pinnwand der HSLU-Mediothek eine Nachricht, die wir dann hier im Blog ergänzen werden: https://padlet.com/Biblio/open_science

 

Literatur und Links

Siehe zur groben historischen Einbettung der aktuellen Entwicklungen:

Sönke Bartling & Sascha Friesike (2014): Towards Another Scientific Revolution. In: Open Science. The Evolving Guide on How the Web is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing. Ed. by Sönke Bartling &  Sacscha Friesike. The Book. doi: 10.1007/978-3-319-00026-8_1

Siehe zu den verschiedenen Positionen bzgl. Open Science: Benedikt Fecher & Sascha Friesike (2014): Open Science: One Term, Five Schools of Thought. In: Open Science. The Evolving Guide on How the Web is Changing Research, Collaboration and Scholarly Publishing. Ed. by Sönke Bartling &  Sacscha Friesike. The Book. doi: 10.1007/978-3-319-00026-8_1

Siehe zum Stand der Citizen Science-Projekte in der Schweiz die Ist-Analyse und Zukunftsvision von Science-et-Cité von 2015: https://www.science-et-cite.ch/docs/projekte/150130_CitizenScienceSchweiz_VersandNetzwerk.pdf

Siehe zu Open Access:

Open Access Net mit Informationen für alle beteiligten Zielgruppen und Fachgebiete im deutschsprachigen Raum

Open Access Seite der Hochschule Luzern

Open Access Seite der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern

Siehe zu Open Educational Ressources

Informationen,  Studien und Plattformen via Transferstelle für Open Educational Ressources

OER in Bibliotheken

Freie Lehrmaterialien, Kontext Schule

Online Ressourcen auf dem Deutschen Bildungsserver des DPIF

SWITCH – Infrastruktur für Lehre und Forschung in Schweizer Hochschulen

Zu Forschungsdaten

Informationen zu nationalen, internationalen Projekten im Bereich Forschungsdaten auf der Seite der ZHB Luzern

Trainings zu Open Science generell:

Foster  – Portal verschiedener europäischer Hochschulen und Forschungsinstitutionen mit Lehrmaterialien und Online-Kursen zu den Anforderungen von Open Science

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