News aus dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Prof. Dr. Maurice Pedergnana: Nach 35 Jahren droht nun die Zinswende

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von Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Dozent im Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Die Zinsen sind aus historischer Sicht nicht nur tief, sondern verharren in der Schweiz schon einige Zeit im negativen Territorium. Etwa 50 Prozent des Volumens aller 1308 Schweizer Frankenanleihen im Swiss Bond Index verfügt über eine negative Rendite bis zur Fälligkeit.

Entweder sind deren Eigentümer bereits in den Winterschlaf getreten, oder es tritt wieder einmal das ein, was typisch und zugleich gefährlich ist: Man beobachtet vielleicht die letzten Monate, bestenfalls die letzten Quartale, und wenn diese keine Veränderung anzeigen, wird einfach davon ausgegangen, dass der gegenwärtige Zustand auch weiterhin anhält.

Man braucht allerdings nicht ein Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften zu sein, um das gegenwärtige Zinsniveau als äussert instabil zu beurteilen. Es ist aus einer globalen Notoperation entstanden, und das Vorgehen war äusserst unkonventionell. Jetzt folgt schrittweise der Weg zurück in die Normalität.

Ziemlich sicher stehen wir mitten in einem säkularen Wendemanöver. Nach einem 35-jährigen Trend der Zinssenkung wird die Wende jeden Tag augenfälliger. Damit mutieren insbesondere die langfristigen risikolosen Zinspapiere (z. B. Staatsanleihen) zu zinslosen Risikopapieren. Absicherung könnte bald stark nachgefragt werden – von allen Seiten. Nehmen Überlegungen zu steigenden Zinsen in der Medienberichterstattung zu, beginnt die Nervosität erst recht. Doch droht nicht nur ein Schneebrett, sondern eine grosse Lawine, in der immer mehr mitgerissen werden.

Das wird die Zinsen rascher in die Höhe treiben als von den allermeisten erwartet. Dies wird gewiss eintreten, aber den Zeitpunkt kennen wir nicht. Es kann im ersten Quartal 2018 oder auch im letzten sein. Dann werden wir immer noch weit von «normalen» Zinsen entfernt sein. Sicher ist: So günstig wie heute wird man sich bald nicht mehr absichern können.

Die ganze Kolumne, welche in der Luzerner Zeitung am Samstag, 28. Oktober 2017 erschienen ist, lesen Sie hier

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