Controlling, Accounting & Corporate Finance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Erfolgsfaktor Mensch im Enterprise Risk Management – Teil 9: Autoritätsvorurteile

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von Prof. Dr. Stefan Hunziker, Professor für Enterprise Risk Management und Internal Control, und Marcel Fallegger, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Fokussiert sich Ihr Unternehmen auf die richtigen Risiken? Und schätzen Ihre Entscheidungsträger diese so ein, wie sie in Wirklichkeit sind? Diese Fragen gehören zum modernen Enterprise Risk Management (ERM). Dessen Aktivitäten sind nämlich anfällig für kognitive und gruppenspezifische Verzerrungseffekte. Welche dieser Verzerrungen Risk Manager verstehen müssen und wie sich diese in der Praxis effektiv reduzieren lassen, diskutiert eine zehnteilige Blogserie.

Entscheidungsträger stützen sich bei Risikoabwägungen oft auf eine Kombination aus Daten, Wissen und Erfahrung. Ob bewusst oder nicht, verlässt sich unser Gehirn dabei auf unbewusste psychologische Vorurteile. Letztere beeinflussen die Risikobeurteilung und haben damit wesentliche Auswirkungen auf die Erstellung und Abschätzung von Risikoszenarien. Verzerrte Szenarien können dazu führen, dass suboptimale oder gar fatale Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.

In der heutigen VUCA-Welt stellen solche Verzerrungseffekte, wenn sie nicht aktiv gesteuert werden, selbst ein Risiko für Unternehmen dar. Im Rahmen dieser Blogserie stellen wir 10 für das ERM zentrale kognitive und gruppenspezifische Verzerrungen dar. Im neunten Teil geht es um Autoritätsvorurteile.

Was wird unter Autoritätsvorurteilen verstanden?

Dieser Verzerrungseffekt beschreibt die Tendenz, dass Menschen die Meinung einer Autoritätsperson vergleichsweise stark gewichten. Sie werden entsprechend auch leichter beeinflusst oder überzeugt. Es gibt viele Beispiele dafür, wie Autoritätsvorurteile genutzt werden, um das Konsumverhalten zu beeinflussen. Dies können Börsentipps von selbsternannten Finanzexperten oder Werbebotschaften von Menschen in weissen Kleidern für Zahnbürsten sein. Der Effekt tritt sogar auf, wenn Menschen wie Autoritätspersonen aussehen, unabhängig davon ob sie es sind oder nur so tun. Konformität ist so tief in der Psyche eines Menschen verankert, dass die Annahme von dementsprechenden Ratschlägen zur Gewohnheit wird.

Wie lässt sich Autoritätsvorurteilen entgegenwirken?

Grundsätzlich erscheint es hilfreich, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Mitarbeitende sind oft offener und melden Auffälligkeiten, wenn sie nicht ständig überwacht werden. Auch Chancen und Risiken werden so unbeeinflusster von Autoritätsvorurteilen berichtet. Die Forschung hat zudem gezeigt, dass eine zunehmende psychologische Distanz dazu beitragen kann, Verzerrungen zu reduzieren. Anstatt wichtige Entscheidungen permanent im selben Büro zu diskutieren, können auch Telefongespräche oder Änderungen in den Räumlichkeiten die Verzerrung reduzieren.

Risk Manager können die Mitarbeitenden anhand geeigneter Beispiele auf Autoritätsvorurteile aufmerksam machen. Vor der globalen Finanzkrise 2007/08, der eine Phase hohen Wachstums vorausging, waren nur wenige Stimmen kritisch. Kaum ein Finanzexperte wagte es, die Entwicklung kritisch zu kommentieren, obwohl wirtschaftliche Auf- und Abwärtszyklen schon immer Teil des wirtschaftlichen Handelns waren.

Wo finde ich weitere Informationen zu Autoritätsvorurteilen?

  • Kaba, A., Wishart, I., Fraser, K., Coderre, S., & McLaughlin, K. (2016). Are we at risk of groupthink in our approach to teamwork interventions in health care? Medical Education, 50 (4), 400–408.
  • Kahneman, D. (2012). Schnelles Denken, langsames Denken (3rd Ed.). München: Siedler Verlag.
  • Shefrin, H. (2016). Behavioral Risk Management. Managing the Psychology That Drives Decisions and Influences Operational Risk. New York: Palgrave Macmillan.
  • Wolf, R. F. (2012). How to Minimize Your Biases When Making Decisions. https://hbr.org/2012/09/how-to-minimize-your-biases-when

Eine umfassende Auseinandersetzung mit den wichtigsten Verzerrungseffekten im Risk Management wird zudem im Lehrbuch Enterprise Risk Management – Balancing Risk and Reward von Prof. Dr. Stefan Hunziker im Herbst 2019 bei Springer Gabler erscheinen.

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