Controlling, Accounting & Corporate Finance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Den Mehrwert von Compliance messbar machen

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von Dr. Mirjam Durrer, Dozentin und Studienleiterin für Risk and Compliance, und Prof. Dr. Stefan Hunziker, Professor für Enterprise Risk Management und Internal Control, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Fast täglich ereilen uns aus der Presse Meldungen zu Fällen, in welchen Unternehmen angeprangert werden, gegen Compliance-Anforderungen oder Compliance-Verpflichtungen, d.h. gegen bindende Verpflichtungen einer Organisation, verstossen zu haben. Eine Vielzahl dieser Non-Compliance-Fälle endet in zivil- und strafrechtlichen Verfahren mit entsprechenden Konsequenzen: Einerseits für die verantwortlichen Personen selbst, wobei in erster Linie an den Verwaltungsrat zu denken ist, welcher gesetzlich dazu verpflichtet ist, die Geschäftsführung im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze zu beaufsichtigen. Anderseits für das Unternehmen per se, welches in der Regel einen massiven Wertverlust erleidet. Dazu zählen einerseits die direkt messbaren Kosten, wozu unter anderem die Kosten für die (juristische) Aufarbeitung des Falles gehören. Anderseits zieht ein Compliance-Verstoss immer auch indirekte Kosten nach sich, wozu beispielsweise der Vertrauensverlust der Kunden und Lieferanten in das Unternehmen gehört. Diese indirekten Kosten der Non-Compliance sind schwierig zu messen, da viele Faktoren in die Berechnung miteinfliessen.

Doch genug der negativen Schlagzeilen: Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich die grosse Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz regelkonform und somit «compliant» verhält. Um die Einhaltung der zahlreichen Regularien zu gewährleisten, investieren die Unternehmen hohe Geldbeträge in die Compliance: Dazu gehört unter anderem die Ausgestaltung, Implementierung und Überwachung eines Compliance-Management-Systems, der Erlass unternehmensinterner Richtlinien und Verhaltensstandards sowie die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Dies alles mit dem Ziel, eine nachhaltige Compliance-Kultur im Unternehmen zu schaffen und dadurch dem Risiko der Non-Compliance wirkungsvoll und nachhaltig zu begegnen.

Bei der Implementierung von Compliance-Massnahmen herrscht bei den verantwortlichen Personen jedoch häufig Unsicherheit darüber, welche Massnahmen besonders wirkungsvoll sind und somit mit hoher Priorität angegangen werden sollten. In der Literatur und in der Praxis fehlen bislang Stellhebel, welche das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Compliance-Massnahmen aufzeigen und somit als grundlegende Entscheidungshilfe für die oberste Führungsebene dienen können. Unbestritten ist, dass Investitionen in Compliance notwendig sind und dass dadurch die potenziellen Kosten des Risikoeintritts der Non-Compliance reduziert werden können. Tatsache ist aber, dass die Unternehmen diese Investitionen in die Compliance bislang nicht direkt messen können und dass somit der daraus resultierende Wertbeitrag unklar und nicht bezifferbar bleibt.

Das Ziel des geplanten Innosuisse-Forschungsprojekts «Return on Compliance» besteht deshalb darin, ein schweizweit gültiges, wissenschaftlich fundiertes Modell für die Messung des Wertbeitrags der Compliance zu erarbeiten und gleichzeitig Stellhebel zu identifizieren, welche das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Compliance positive beeinflussen können. Das Projekt soll es ermöglichen, Compliance nicht nur als Kostenfaktor zu betrachten, sondern insbesondere die Rentabilität der Compliance-Investitionen zu messen. In der Konsequenz können die wirkungsvollsten und effektivsten Compliance-Massnahmen ermittelt werden, wodurch die Ressourcenbindung deutlich reduziert wird.

Das Projekt „Return on Compliance“ wird durch den federführenden Forschungspartner Hochschule Luzern – Wirtschaft (IFZ) geleitet und von der HTW Chur unterstützt. Die BDO Schweiz AG kooperiert als Hauptumsetzungspartner in Zusammenarbeit mit der Société Générale, der Bâloise sowie der gategroup. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit Ethics and Compliance Switzerland (ECS), um einen direkten Zugang zur schweizerischen Unternehmenslandschaft zu gewährleisten. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, dass nicht nur die direkt ins Projekt involvierten Umsetzungspartner von den Forschungsergebnissen profitieren, sondern dass die Ergebnisse in der gesamten Schweizer Unternehmenslandschaft verbreitet werden können.

Der Start des Projekts ist für Herbst 2019 geplant und dauert rund zweieinhalb Jahre.

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