Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

Vom Rechenschieber zum Notebook: Lehr- und Lernmittel der letzten 60 Jahre

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Das Jahr 2018 steht ganz im Zeichen des 60jährigen Jubiläums des Departements Technik & Architektur. Vieles hat sich verändert in den letzten sechs Jahrzenten, manches ist gleichgeblieben und wieder anderes befindet sich durchgehend im Wandel.Grund genug, auch einmal zurückzuschauen und sich zu fragen, wie es denn war, damals, in den Anfangsjahren am «Tech». Den Anfang macht die Frage: Wie haben sich die Lehr- und Lernmittel am Departement über die Jahre verändert?

Rechenschieber und Rechenmaschine
Der Studienalltag ist heute geprägt von der Digitalisierung. Notebooks sind die Standardausstattung, ohne Taschenrechner ist ein Studium am Departement kaum denkbar. Aber wie war das eigentlich früher? Wisst ihr noch, was ein Rechenschieber oder eine Logarithmentafel ist? Habt ihr schon einmal etwas von der Curta Rechenmaschine gehört? Höchste Zeit also, sich einmal mit der Geschichte der schulischen Hilfsmittel auseinander zu setzen.Von Beginn des Unterrichts am Technikum 1958 an wurde die Anwendung des Rechenschiebers, seit 350 Jahren ein bekanntes Rechenhilfsmittel, eingeführt, eingeübt und angewandt. Er galt als praktisches, analoges Rechenhilfsmittel für mechanisch-optische Multiplikationen und Divisionen, für das Ziehen von Wurzeln, das Quadrieren und das Arbeiten mit trigonometrischen und exponentiellen Funktionen. Bis auf drei Ziffern genau konnten umfangreiche Rechnungen ausgeführt werden, für genauere Berechnungen wurden begleitend Logarithmentafeln verwendet. Kurzes Eintippen und auf das Ergebnis warten? Fehlanzeige! Die Grössenordnung des Ergebnisses musste überschlagen werden, indem mittels Kopfrechnung die Zehnerpotenzen ermittelt wurden.
Etwas weniger verbreitet war die Curta Rechenmaschine, ein feinmechanisches Meisterwerk. Am «Tech» existierte davon ein Klassensatz. Allerdings benötigte dieses Instrument eine fundierte Instruktion, um es anwenden zu können.

Rechenschieber

 
HP35 Taschenrechner

Taschenrechner
1972 brachte Hewlett-Packard den ersten digitalen Taschenrechner auf den Markt: 35 Tasten, 15 x 8 x 3 cm gross, 250 Gramm schwer, 395 US-Dollar Verkaufspreis. Er bot dieselben Operationen wie der Rechenschieber, ermöglichte zusätzlich auch das Addieren und Subtrahieren, lieferte die Zehnerpotenzen mit und konnte schwierige Rechenaufgaben mit hoher Genauigkeit und sehr schnell lösen. 

Zu Beginn war der Taschenrechner am damaligen Zentralschweizerischen Technikum Luzern, ZTL, nicht erlaubt, um finanziell weniger gut gestellte Studierende bei Übungen und Prüfungen nicht zu benachteiligen. Wachsende Konkurrenz liess die Preise allerdings schnell fallen und machten die Anschaffung eines Taschenrechners bald für alle Studierenden möglich. Heute gehört er zur absoluten Standardausstattung.
 
Computer und EDVIBM 1620 Computer
Das ZTL bemühte sich stets, der Entwicklung der EDV in der Industrie zu folgen. 1964 wurde der erste Computer installiert: Der IBM 1620 bestand aus einer Zentraleinheit mit Schreibmaschine, Lochstreifenleser und Lochstreifenstanzer zur Ein- und Ausgabe der Daten. Befehle mussten zuerst in Maschinensprache eingegeben werden. Genutzt wurde der Rechner vor allem von Vertretern aus der Abteilung Tiefbau; im eigentlichen Unterricht wurde er nicht verwendet. Ende der 1960er-Jahre begann mit den ersten programmierbaren Tischrechnern das eigentliche Zeitalter der Computer. Ab 1977 wurde die Programmiersprache am ZTL auch zum Unterrichtsfach. 1987 wurde zur Förderung des Computerverständnisses unter den Dozierenden ein Atari Intensivkurs angeboten. Über die Hälfte der Dozierenden erwarb daraufhin einen Atari Rechner. Ein allgemeiner Strategiewechsel «weg vom zentralen Computer» führte hin zu Personalcomputern und zu Workstations. Die Räume auf dem Hochschulareal wurden mit einem leistungsfähigen Breitbandnetz verkabelt. Mit der Einführung der Internetdienste und des E-Mail-Verkehrs Mitte der 1990er-Jahre und dem Aufschalten der Homepage war die Schule mit der ganzen Welt verbunden.
Bücher und Wandtafel
Aller Digitalisierung zum Trotz: Nach wie vor sind Lehrbücher, Handbücher, Taschenbücher, Formelsammlungen und Nachschlagewerke stark verbreitet. Dozierende und Studierende schätzen Bücher und Unterrichtsunterlagen in gedruckter Form auch heute noch. Hier übernimmt der Kopierer eine wichtige Rolle. Vor 60 Jahren waren Kopien ab Alkoholmatrize in beschränkten Auflagen möglich. Aber erst die Wachsmatrizen ermöglichten es, höhere Auflagen zu kopieren. Der Durchbruch erfolgte dann endgültig mit dem Kopierautomaten. Und auch heute noch stehen in jedem Trakt in Horw mehrere, stets gut besuchte Kopierer.

Und was wäre die typische Unterrichtssituation ohne die Wandtafel?
Das archaische Werkzeug der Lehre, das seit den 1950er-Jahren kaum weiterentwickelt wurde, steht bei den Dozierenden noch immer hoch im Kurs. Zwar haben sich Beamer und PowerPoint-Präsentationen im Unterricht etabliert, die Dozierenden haben sich allerdings erfolgreich gegen die Abschaffung der Wandtafeln im Rahmen diverser Umbauten gewehrt.
 

Unterrichtssituation am ZTL

 
Unsere Vorfahren vollbrachten die grossen, technischen Entwicklungen viele Generationen lang ohne Taschenrechner und Computer. Beobachtung, Erprobung und Erfahrung standen im Fokus und das führte zu einem treffenden Gefühl zur Dimensionierung von Maschinen, Apparaten und Bauten. Noch heute spielt dieses Erfahren unter anderem bei den Architektur- und Innenarchitektur-Studierenden eine zentrale Rolle. Handwerkliches Skizzieren wird als persönliche Ausdruckskultur bewusst gepflegt und auf die im Modellbau erforderliche handwerkliche Tätigkeit wird trotz der Möglichkeiten der Visualisierung durch Computerprogramme nicht verzichtet.
 
Die Geschichte und (Weiter-)Entwicklung der Lehr- und Lernmittel ist erstaunlich. Vieles hat sich verändert und manches ist immer noch genauso, wie vor 60 Jahren. Man denke an die Wandtafel. Der weitere Weg bleibt auf jeden Falls spannend. Wie wird wohl in 60 Jahren gelehrt und gelernt?
 

Dieser Text basiert auf dem Artikel «Werkzeuge der Lehre – Werkzeuge fürs Lernen» aus der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Departements Technik & Architektur 2008.


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