Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

University Innovation Fellows Program

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Das University Innovation Fellows (UIF) Programm befähigt Studierende auf der ganzen Welt, zu „Agents of Change“ in der Hochschulbildung zu werden. Fellows schaffen Möglichkeiten, die ihren Kolleginnen und Kollegen helfen, ihr kreatives Potenzial zu entfalten und die designorientierte Denkweise zu entwickeln, die für die Bewältigung komplexer Herausforderungen in der heutigen Welt erforderlich ist. Bewerben können sich Studierende aller Fachrichtungen – vom Studienanfänger bis zur Doktorandin – die die Zukunft der Ausbildung aktiv mitgestalten wollen.

Auch Studierende der Hochschule Luzern aus den Departementen Technik & Architektur und Design & Kunst haben in diesem Jahr an diesem Programm teilgenommen. 

Ausgehend von der Eigeninitiative der Studierenden haben sich die beiden Departemente Technik & Architektur und Design & Kunst dazu entschieden, am UIF teilzunehmen und damit Innovationsgeist und Entrepreneurship zu fördern. Aus der Kooperation zwischen den beiden Departementen entstand ein vierköpfiges Team bestehend aus Vinzenz Leuenberger und Jonathan Grubenmann (D&K) sowie Philipp Hamm und Michael Huonder (T&A). Philipp und Michael erzählen uns hier, wie sie die Zeit im Silicon Valley erlebt und was er mit zurück in die Schweiz genommen haben.

«Der Weg nach Stanford

Nachdem sämtliche Rahmenbedingungen mit der Departementsleitung geklärt wurden, konnten wir den eigentlichen Bewerbungsprozess in Angriff nehmen. Dieser bestand aus der Aufnahme eines Interviews, der Beantwortung eines umfangreichen Fragebogens, dem Einholen von externen Empfehlungsschreiben sowie einem Video-Interview mit der Bearbeitung einer Case Study. Nach rund zwei Monaten Wartezeit bekamen wir schliesslich am 31. Dezember des vergangenen Jahres die Zusage zum Online-Training. Dieses sechswöchige Training bestand aus einer Design Thinking Challenge und diversen Deliverables zur eigenen Person, dem Team sowie dem Hochschulumfeld. Dadurch wurde insbesondere das Commitment des Teams geprüft, das Hochschul-Ecosystem mit Bezug auf Innovation und Entrepreneurship analysiert und mittels Landscape Canvas festgehalten.

Die Rolle der Hochschule Luzern

Die Hochschule Luzern unterstützte das Projekt mit einer Beteiligung an Reisekosten und den Kosten des Programms. Patrick Link und Michele Kellerhals sowie weitere Dozierende haben uns zudem geholfen, die notwendigen Kontakte für die Analyse der Problemstellung herzustellen. Daraus haben sich diverse nachhaltige und spannende Stakeholder-Meetings ergeben.

Das Ziel

Wir hatten relativ konkrete Vorstellungen, was wir vom UIF nach Hause nehmen wollten. Neben einer Vertiefung des Design Thinking-Ansatzes stand auch das Knüpfen von internationalen Kontakten im Fokus. Zudem interessierte es uns, wie das Thema Innovation und Entrepreneurship an anderen Universitäten behandelt und gelehrt wird.

Dass die Mentalität im sagenumwogenen Silicon Valley eine etwas andere ist als in der beschaulichen Schweiz, versteht sich von selbst. Diese zu erleben und mit der Schweiz zu vergleichen gehörte ebenfalls zu den Erwartungen unseres Teams. Welche Voraussetzungen herrschen dort für die Studierenden und Jungunternehmer? Eine spannende Frage, deren Antwort es herauszufinden galt.

Die Stanford d.school gehört zu den führenden Institutionen im Bereich Design Thinking. Der Besuch in Palo Alto wurden ebenfalls genutzt, um neue Inputs zum Unterricht, dem laufenden Schulbetrieb und der Infrastruktur zu sammeln, um mittelfristig auch die Hochschule Luzern in diesem Bereich positiv zu unterstützen.

Was unterscheidet Schweizer Hochschulen von amerikanischen Universitäten?

Diesen Vergleich können wir natürlich nur zur Stanford University machen, da wir keine anderen Hochschulen in den Vereinigten Staaten besucht haben. Im Austausch mit anderen Studierenden sind aber dennoch einige interessante Unterschiede aufgefallen.

Die Ausgangslage im Bereich Entrepreneurship variiert stark von Universität zu Universität. Besonders das Design Thinking war für andere Teilnehmer absolutes Neuland, was teilweise auch daran lag, dass sie in Studienfächer eingeschrieben sind, in denen Themen wie Innovation oder Entrepreneurship eine eher untergeordnete Rolle spielen. Generell lässt sich beobachten, dass sich Studierende in Amerika erst deutlich später auf bestimmte Schwerpunkte im Studium festlegen, jedoch trotzdem offen für Neues sind.

Die Stanford Universität lebt die Themen Design Thinking, Innovation und Entrepreneurship wie vermutlich kaum eine andere Universität weltweit. Das ist natürlich auch eng verbunden mit der besonderen Entrepreneurship-Situation im Silicon Valley, den finanziellen Möglichkeiten der Institution sowie Kooperationen mit weltweit führenden Unternehmen wie beispielsweise Google.

Wir haben auch gemerkt, dass wir durch die Lerninhalte in unserem Studium sehr gut vorbereitet wurden und auch die Start-up Infrastruktur und Kultur mit Smart-up auf dem Campus viel zu bieten hat. Das Design-Atelier der Hochschule Luzern kann als sehr guter «Makerspace» dienen. An der d.school in Stanford haben wir zudem erlebt, wie man diesen mit einfachen Mitteln noch weiter optimieren kann.

Der grösste Unterschied ist sicherlich bei den Bildungssystemen zu beobachten. Das duale Bildungssystem in der Schweiz gibt den jungen Leuten Rückhalt und Praxisbezug. Auch während des Trainings konnten wir die unterschiedlichen Mindsets beobachten: Während die amerikanischen Teams direkt darauf losarbeiteten, überlegten wir uns erst einmal in Ruhe, wie eine Aufgabe praxisbezogen umgesetzt werden und Mehrwert geschaffen kann. Durch unsere vorgängig abgeschlossene Berufslehre konnten wir hier einen klaren Vorteil unsererseits bezogen auf die Praxiserfahrung beobachten.

Was war besonders beeindruckend?

Grossen Eindruck machte natürlich die Infrastruktur der Stanford Universität in allen Bereichen, die d.school aber auch andere Departemente, in die wir Einblick erhalten haben. Der allgemeine Mindset, mit minimalen Mitteln und Möglichkeiten durch die eigene Kreativität das jeweilige Maximum herauszuholen, war eine sehr eindrückliche Erfahrung.

In den Vereinigten Staaten arbeiten die Studierenden oft ohne Entlöhnung an Projekten und ohne dass die Arbeit an ihre Studienleistungen angerechnet wird. Sie arbeiten somit aus eigenem Interesse für das Gemeinwohl und wollen wirklich etwas verändern. Mit Vorträgen über diese Projekte und dem Teilen von persönlichen Erfahrungen soll auch die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht und motiviert werden.

Vor allem im Bereich der Start-ups und der Start-up-Förderung werden das hohe Tempo und die Rücksichtslosigkeit deutlich, auf die die angehenden Gründer von den Coaches getrimmt werden. Das «Machen» steht über und vor dem «Planen». Gedanken über mögliche Komplikationen oder Verluste macht man sich keine. Das Einzige was zählt ist, so schnell wie möglich an Daten und Feedbacks zu kommen und von dort aus weiterzuarbeiten – die Leitsätze «Move fast and break things» und «Fake it till you make it» scheinen Priorität zu haben. Das steht in grossem Gegensatz zur europäischen und besonders der Schweizer Denkweise, wo Sicherheit und Risikominimierung quasi kulturell verwurzelt sind. 

Das Design Thinking Bücherregal gehört im Stanford Bookstore zu den beliebtesten Regalen, wie wir herausgefunden haben. Das verdeutlicht, wie aktuell und wichtig dieses Thema sogar in der Start-up Schmiede Stanford ist, wo Jung-Unternehmen aus der Ferne betrachtet ohne grosse Mühe entstehen. Design Thinking steht also auch hier in sehr enger Verbindung zum Entrepreneur-Gedanken und fördert die Innovation in weiten Bereichen der Industrie.

Was nimmt man aus Stanford mit?

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass man differenzieren muss, in welcher Situation, für welche Aufgabe oder welche Challenge welcher Mindset der Richtige ist. Schweizer Start-ups oder auch einzelne Abteilungen in grossen Unternehmen können sicherlich noch von diesen Methoden lernen. 

Allgemein lässt sich festhalten, dass das Ausbildungsangebot an der Hochschule Luzern in den beiden Departement Technik & Architektur sowie Design & Kunst praxisorientiert, umfangreich und aktuell ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Departementen kann allerdings in unseren Augen noch weiter optimiert werden, um die Interdisziplinarität noch mehr zu fördern. Ähnliches gilt für die Zusammenarbeit mit der Industrie: Zwar existieren bereits sehr wertvolle Kooperationen und Studierende erreichen tolle Resultate in ihren Bachelor-Thesis gemeinsam mit Unternehmen. Dieses Angebot könnte allerdings noch weiter ausgebaut werden, um die Unternehmen noch näher an die Hochschule zu bringen und mit Praxisarbeiten noch mehr Potential bei den Studierenden zu entfalten. Wir sind überzeugt, dass das Interesse von Seiten der Unternehmen vorhanden ist.

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Schliesslich waren wir auch die ersten Vertreter der Hochschule Luzern, die sich am Programm beteiligten und konnten somit auf keinerlei Erfahrungen von Studierenden zurückgreifen, die bereits vorher einmal in Stanford waren. Zudem waren die Informationen, die aus Übersee kamen, eher spärlich. Aber zusammenfassend sind wir uns einig: Die Erwartungen wurden absolut erfüllt. Besonders der Aufenthalt an der d.school selber war ein einmaliges Erlebnis und gespickt mit unzähligen Eindrücken und neuen Inputs. Natürlich sind die Dimensionen und Mittel in Stanford auf einem ganz anderen Niveau angesiedelt als in der Schweiz. Der direkte Vergleich von Denkweisen und Methoden zeigt allerdings, dass auch die Hochschule Luzern im Bereich Design Thinking bereits up-to-date und auf dem richtigen Weg ist.

Rückblickend lässt sich festhalten, dass die Teilnahme an diesem Programm ein grosser Erfolg war. Die Leitung des Instituts für Innovation und Technologiemanagement und des Bachelor-Studiengangs Design Management, International haben sich dazu entschieden, das Programm weiter zu führen und zukünftig auch für weitere Studiengänge zu öffnen. Absprachen zum weiteren Vorgehen sind zur Zeit im Gange, um interessierten Studierenden diese einmalige Möglichkeit zu bieten.»

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an Michael Huonder und Philipp Hamm für den spannenden Bericht aus Palo Alto!

 

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