Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

Rien ne va plus: Wenn das Studium Schwierigkeiten macht

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Wer kennt es nicht: Man hat das Gefühl, so richtig im gewählten Studiengang aufzugehen, hat Spass daran, auch wenn sich die Nachtschichten häufen und man freut sich auf all das, was das Studium noch zu bieten hat. Und dann kommt der Hammer, mitten ins Gesicht. Rien ne va plus.Vielleicht ist man ein bisschen selber schuld dran, vielleicht sind es aber auch äussere Einflüsse, die einem das Leben schwer machen. Und dann denkt man, dass Aufgeben jetzt eigentlich die adäquateste Lösung wäre. Auch Julia Egli kennt diese Situation. Wie sie damit umgegangen ist, erzählt sie uns im Folgenden.

«Ich habe mal gegoogelt, wie viele Studis im Bachelor durch mindestens ein Modul fallen. Fixe Zahlen habe ich keine gefunden, aber es sind ungefähr 10 %. Tja, und ich bin eine davon. Leider hat es bei mir nicht nur ein Modul getroffen, sondern mein ganzes interdisziplinäres Semester. Ja, ein ganzes, komplettes Semester!

Was mache ich denn nun? 
Ich studiere schon 4 Jahre in Teilzeit und müsste nun nochmal ein ganzes Jahr dranhängen, da wir Innenarchitektur-Studierenden immer nur im Sommer abschliessen können. Ich wäre also 27 Jahre alt, wenn ich endlich meinen Bachelor hätte. Für mich persönlich war und ist dieser Umstand ziemlich misslich. Dazu kommt das für mich nicht nachvollziehbare Resultat der Dozierenden und diverse andere, nicht steuerbare Umstände, die mir das Semester zunichtegemacht haben. Aber das ist ein komplett anderes Thema.

Ohne Boden unter den Füssen
Also was denn nun? Im Nachhinein betrachtet bin ich zugegeben ein bisschen dramatisch gewesen, aber der Ausschluss zur Modulendprüfung hat mich unerwartet getroffen und mir den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich bin zu Hause gesessen und wusste gar nicht, was ich mit meiner Zeit machen sollte. Alle meine Studienkollegen waren am Lernen für die Prüfungen oder gerade dabei, ihre Modelle zu beenden. Zuerst habe ich mit meinen Eltern telefoniert. «Wir wissen, du wirst dich richtig entscheiden», war ihre Antwort. Aha, gar kein Druck, nöö… Und meiner Oma wollte ich es gar nicht erst sagen, da ich sie nicht enttäuschen wollte. Alle hatten Verständnis für mich und meine Gedanken, das Studium abzubrechen. Gleichzeitig waren aber auch alle der Ansicht, dass es furchtbar schade wäre, wenn ich es nicht noch einmal versuchen würde. Für mich war das keine Option. Ich liebe mein Studium, keine Frage. Aber noch einmal etwas in Angriff nehmen, mit dem ich mich einfach trotz allen Bemühungen und beim besten Willen nicht arrangieren kann? No way!
Die einzige Person, welche meine Abbruchidee einfach so hinnahm, war meine beste Freundin. „Cool! Eröffnen wir ein eigenes Büro!“ Hmm… äääh… nein, lieber auch nicht.

Ja? Nein? Vielleicht? Weg hier!
Doch für mich musste eine Entscheidung her. Für das nächste Semester hatte ich mich schon angemeldet. Aber will ich das überhaupt noch? Ich könnte auch auf meinem Beruf als Innenausbauzeichnerin arbeiten. Ich habe alle Möglichkeiten durchgedacht. Ich habe mich auf diverse Stellen beworben. Auch in die Arbeit – ich arbeite Teilzeit in einem Shop am Bahnhof – habe ich mich gestürzt. Und das alles nur, damit ich mir nicht 24 Stunden am Tag Gedanken machen muss, wie es jetzt weitergeht. 

Und dann kam sie, die ultimative Chance den Kopf auszulüften: Die Eltern einer Bekannten haben seit Kurzem ein Ferienhaus im Osten von Brasilien, direkt am Strand. Und zack – ich habe für wenig Geld einen Flug gebucht und habe die Schweiz, das schlechte Wetter und meine Probleme temporär hinter mir gelassen. Mein Freund machte mir Mut und meinte, dass ich sicher eine Entscheidung hätte, wenn ich zurückkommen würde. Fehlanzeige! Zweimal hatte ich in diesen drei Wochen in Brasilien ein Tief wegen meinem Studium. Und ansonsten? Na ja, sagen wir mal so: Ich habe mein Leben und das süsse Nichtstun genossen… 🙂

Tag der Entscheidung
Zurück in der Schweiz war ich immer noch ohne Plan. Doch ich hatte etwas Luftveränderung bekommen und vor allem konnte ich emotional etwas Abstand zur Sache gewinnen. Da hat mir wohl die brasilianische Mentalität und Gelassenheit geholfen.

Den Semesterstart habe ich dann leider nicht rausschieben können und so fand ich mich zugegeben sehr missmutig am Montagmorgen in der ersten Vorlesung ein. Aber: Dreieinhalb Stunden später war ich wieder voller Motivation. Ich war zurück in meinem heimeligen Atelier, bei meiner Klasse und bei unseren Dozierenden, welche die gleiche Sprache sprechen wie ich. Und ich war mir plötzlich sicher: Doch, ich will das Studium beenden. Am Ende dieses Tages war an meiner Entscheidung, nicht aufzugeben, nicht mehr zu rütteln. 

Die konkrete Lösung des Problems ist wiederum eine andere Sache. Doch das Wichtigste an dieser ganzen Geschichte ist für mich, dass ich meine Motivation und Leidenschaft wiedergefunden habe. Diese hatte ich leider im Verlauf des letzten Semesters irgendwo verloren. 

Tipps für euch, falls ihr ein Modul oder ein ganzes Semester nicht besteht und an allem zweifelt, habe ich leider nicht – hier muss jeder selbst seinen Weg finden. Ich werde hier auch nicht schreiben, dass «alles schon irgendwie gut geht». Das konnte ich nämlich nicht mehr hören. Aber für etwas Abstand in solchen Situationen, hätte ich eine getestete Adresse in Brasilien. Die hat im Gegensatz zu mir mit der Note A – hervorragend bestanden!»

 


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