Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

Pionierinnen, Teil 2: Frauen bringen frischen Wind

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Im ersten Teil der Reihe «Pionierinnen» wurde es bereits thematisiert: Frauen in technischen Berufen hatten und haben nicht immer einen leichten Stand. Nach wie vor sind sie in der Unterzahl, obwohl sich die Frauen unter sich einig sind, dass sie durchaus frischen Wind in typische Männerdomänen bringen können.

Auch in diesem Beitrag gehen wir auf zwei berufliche Lebenswege und Erfahrungen von Frauen ein, die sich ganz der Technik verschrieben haben. Beide sind sich in einem Aspekt einig: Frauen bringen neue Ansätze in die nach wie vor von Männern dominierte Welt der Technik. 

Beatrice Reichert erlangte ihr Diplom in Maschinentechnik 1984 am Departement Technik & Architektur.
Ursprünglich wollte sie Dekorateurin werden, eine entsprechende Lehrstelle zu finden war allerdings aussichtslos. Sie entschied sich dann für den Beruf als Maschinenzeichnerin, in welchem auch ihre Cousine tätig war. Zu dieser Zeit erhielten Mädchen in der Sekundarschule keinen Unterricht in technischem Zeichnen. Mit Unterstützung ihres damaligen Lehrers arbeitete Beatrice Reichert diese Kenntnisse in ihrer Freizeit nach. Aus dem Bedürfnis heraus, mehr Verantwortung in ihrem Beruf übernehmen und Dinge selber entwickeln zu können, begann sie direkt nach ihrer Lehrzeit das Studium in Maschinentechnik an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Als erste Frau machte sie 1984 ihren Diplomabschluss in diesem Bereich. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in der Firma Komax als Maschineningenieurin. In der Entwicklungsabteilung, die rund 60 Personen umfasste, arbeiteten neben ihr bloss drei weitere Frauen. Allerdings hat sie es nicht als negativ erlebt, als Frau in der Minderheit zu sein. Ganz im Gegenteil fühlte sie sich als Fachfrau in allen Belangen voll akzeptiert und geschätzt. Trotzdem: Auch sie findet, dass ein höherer Frauenanteil in technischen Berufen vorteilhaft wäre. Sie bringen frische Betrachtungsweisen in ein Team ein und tragen zudem zu einem positiven gesellschaftlichen Klima in einem Betrieb bei. Oft sehen junge Frauen ihrer Meinung nach von einem technischen Beruf ab, da ihnen die Freude an Mathematik und Geometrie fehlt. Auch hier wäre es wünschenswert, wenn im schulischen Umfeld eine noch bessere Förderung und Motivation gewährleistet würde.
 
Vor 32 Jahren schloss Jasmin Stroppel am Departement Technik & Architektur ihr Studium der Elektrotechnik mit dem Diplom ab. Bereits im Gymnasium wusste sie, dass sie am damaligen Zentralschweizerischen Technikum Luzern studieren wollte. Das notwendige technische Praktikum absolvierte sie in Form einer zweijährigen Ausbildung als Elektronik-Prüferin bei Landis & Gyr in Zug. 1986 erhielt sie als erste Frau das Diplom als Elektroingenieurin. Im Anschluss arbeitete sie für verschiedene Firmen in der Hard- und Softwareentwicklung und im Supportbereich für CAE und CAD. Mitte der 1990er-Jahre wechselte sie ins Marketing und Produktemanagement und schloss ein Nachdiplomstudium in Unternehmensführung ab. Die Frage, ob sich ihre Erwartungen und Vorstellungen vom Beruf erfüllt haben, beantwortet sie eindeutig mit ja. Auch sie würde es begrüssen, wenn mehr Frauen den Schritt ins technische Berufsumfeld wagen würden. Kommunikation ist heute auch in ihrem Fachbereich eine Kernkompetenz und Frauen bringen hier ihrer Meinung nach gute Voraussetzungen mit. Jasmin Stoppels Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass Unternehmen sehr bestrebt sind, die klassisch männlichen Berufsfelder für Frauen zu öffnen und qualifizierte Mitarbeiterinnen für unternehmerisch wichtige Positionen zu fördern. Was nach wie vor ein wenig fehlt, sind die Vorbilder. Bereits in der Schulzeit sollte nach Meinung von Jasmin Stroppel die Sensibilisierung beginnen – beispielsweise in einem geschlechtergetrennten Unterricht, so dass Mädchen und junge Frauen ohne «Konkurrenzdruck» die Freude an der Technik und an den Naturwissenschaften entdecken können.
 
Auch die Hochschule Luzern – Technik & Architektur fördert den Ansatz, das Interesse von Mädchen an technischen Berufen und Aktivitäten bereits während der Schulzeit zu wecken. Hier spielen nicht nur die Workshops im Rahmen der TinkerTecGirls@hslu eine führende Rolle, sondern beispielsweise auch der Nationale Zukunftstag, welcher jährlich durchgeführt wird. Mädchen und Jungen wechseln die Seiten; dadurch lernen sie untypische Arbeitsfelder und Lebensbereiche kennen und machen Erfahrungen fürs Leben. Auf diese Weise öffnen sich Horizonte. Mädchen und Jungen bekommen Mut und Selbstvertrauen, ihre Zukunft losgelöst von starren Geschlechterbildern an die Hand zu nehmen. Damit fördert der Nationale Zukunftstag frühzeitig die Gleichstellung von Frau und Mann bei der Berufswahl und bei der Lebensplanung. 
 
Impressionen vom Nationalen Zukunftstag 2017 in Horw

Dieser Text basiert auf dem Artikel «Über Hindernisse, Vorbilder und fachliche Anerkennung – Frauen in technischen Disziplinen» aus der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Departements Technik & Architektur 2008.


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