Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

Pionierinnen – Frauen in technischen Berufen

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Wenn man über den Campus in Horw läuft, fällt eines auf: Der Frauenanteil am Departement Technik & Architektur ist deutlich kleiner als an anderen Departementen. Bei den Studierenden betrug er 2016 rund 21%, bei den Mitarbeitenden 23%.In den vergangenen 60 Jahren waren Frauen in technischen Berufen mit deutlich höheren Hindernissen konfrontiert als heute. Grund genug also, einen kurzen historischen Rückblick zu wagen.

Frauen haben in der Vergangenheit nur langsam den Weg in die Bereiche Technik und Architektur gefunden. Einige Beispiele zur Illustration gefällig?
 

 

Diese Beispiele zeigen: Obwohl sich bereits seit dem 19. Jahrhundert vereinzelt immer wieder Frauen in der männerdominierten technischen Arbeitswelt behauptet haben, wurde es für junge Frauen erst relativ spät selbstverständlicher, einen technischen Beruf zu erlernen oder gar zu studieren. Und dennoch ist der Frauenanteil bei den erwerbstätigen Ingenieurinnen und Architektinnen eher klein. In den 1990er-Jahren sind deshalb verschiedene Vereinigungen entstanden, um sich unter Fachfrauen besser vernetzen zu können, so beispielsweise die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen SVIN und die Fachgruppe Ingenieurinnen und Architektinnen des Swiss Engineering STV für Frauen in technischen Berufen. 

Und wie sah es konkret am Departement Technik & Architektur aus?
Wir stellen euch in einer kleinen Serie die beruflichen Lebenswege einiger Pionierinnen in Horw vor.
Renate Vetsch-Rutschmann war die erste Frau, die an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur studierte. 1976 erlangte sie ihr Diplom als Heizungs-Lüftung-Klima-Ingenieurin (HLK). Den Beruf als Maschinenzeichnerin lernte sie ohne entsprechende Vorkenntnisse bei Landis & Gyr in Zug. Junge Maschinenzeichnerinnen waren damals zwar in der Minderzahl, aber keine Seltenheit. Die Studienzeit war dann allerdings keine einfache: Sie fand keinen richtigen Anschluss an ihre Mitstudenten und fühlte sich, bedingt durch ihre berufliche Herkunft, fremd unter ihnen. Auch bei ihrer ersten Anstellung als HLK-Ingenieurin war sie benachteiligt, weil sie nicht gleich wie ihre männlichen Kollegen gefördert und entsprechend ihrer Ausbildung eingesetzt wurde. Auf ihre Rechte pochend wurde sie gar entlassen. An der damaligen höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule in Luzern absolvierte sie dann ein Nachdiplom-Studium und war, wie bereits am damaligen Technikum, die erste Frau, die 1984 das Diplom in Unternehmensführung erhielt.

1977 erlangte Brigitte Hodel-Wyss in Horw ihr Diplom in Architektur. Bereits als kleines Mädchen war sie an Mathematik und technischen Dingen interessiert und absolvierte später eine Lehre als Hochbauzeichnerin. Im Anschluss und nach einem «Tech-Vorbereitungskurs» begann sie ihr Architektur-Studium in Horw, wo sie 1977 als erste Frau das Diplom erhielt. Auch sie war im Studium mit Schwierigkeiten konfrontiert. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Bemerkung, dass Frauen keine technischen Fähigkeiten hätten, ausser es gehe um die Planung von Küchen. In ihrer ersten Anstellung nach dem Diplom wurde sie allerdings von Beginn weg als Berufsfrau anerkannt.

Beide Pionierinnen sind sich allerdings einig, dass das Interesse junger Frauen an technischen Berufen bereits früh geweckt und gefördert werden sollte. Auch heute ist das ein grosses Thema an der Hochschule Luzern – Technik und Architektur: So führt das Departement beispielsweise regelmässige Kurse im Rahmen des «TinkerTecGirls@hslu»-Programms durch. Im FabLab können interessierte Schülerinnen einen kleinen Synthesizer sowie eine Audio-Verstärker-Box bauen und dabei den Umgang mit Lötkolben, 3D-Drucker und anderen Maschinen lernen.

Gespannt auf weitere Geschichten von Frauen, die ihre berufliche Karriere am Departement Technik & Architektur starteten? Den zweiten Teil der Serie findet ihr hier.

Dieser Text basiert auf dem Artikel «Über Hindernisse, Vorbilder und fachliche Anerkennung – Frauen in technischen Disziplinen» aus der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Departements Technik & Architektur 2008.


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