Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

Inspiration sammeln in Fernost – Ein Austauschsemester in Tokyo

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Von Horw nach Tokyo sind es genau 9.614 km Luftlinie. Ganz schön weit! Josef Villiger studiert im 5. Semester Wirtschaftsingenieur | Innovation und hat im letzten Jahr den weiten Weg nach Tokyo für ein Austauschsemester in Angriff genommen. Hier erzählt er von seinen Erfahrungen in der japanischen Mega-Metropole.

«Nach vier Semestern Studium in Horw kam die Lust auf etwas Neues. Deshalb habe ich mich für ein Auslandsemester entschieden. Zuerst habe ich mit Australien und Kalifornien geliebäugelt – wo sonst ist das Wetter fast durchgehende schön und hat man die perfekte Gelegenheit, um zu surfen? Allerdings habe ich mich dann doch ganz nach dem Motto «Life begins at the end of your comfort zone» für ein Land entschieden, dass sich deutlich von unserem westlichen Alltag abhebt. 

Die pulsierende Megacity Tokyo klang aufregend genug. Die Hauptstadt der drittgrössten Volkswirtschaft dieses Planeten ist bekannt für Effizienz und High-Tech und schien mir so genügend Stoff zu bieten, um neue Inspiration zu finden, das Verständnis für andere Kulturen zu verbessern und die eigene Toleranzgrenze zu erhöhen. 

Mit dem erklärten Ziel, mehr über Japan und Ostasien zu lernen, ging ich als Landei also los in Richtung Fernost. Fragezeichen im Vorfeld gab es im Übermass: Wird das Semester anstrengender als In Luzern? Gibt es überhaupt genügend Kurse in Englisch? Wie ist das Einreiseprozedere? Fühlt man sich nach als Landei nach mehreren Monaten in der Megacity noch wohl?

Im futuristischen Stadtteil Odeiba, wo auch das Olympische Dorf für die Sommerolympiade 2020 entsteht, befindet sich die Musashino University Tokyo. Die extravagante, menschengemachte Insel liegt zentral in der Bucht Tokyos und beherbergt Einkaufszentren, Museen, Ausstellungshallen, einen Sandstrand und bietet einen eindrücklichen Ausblick auf eine Hängebrücke. 

Die Dimensionen im Land sind eindrücklich. In Tokyo leben knapp 10 Millionen Menschen auf der Fläche des Kantons Glarus. Im Grossraum Tokyo, der sogenannten «Kantō Region», leben 37 Millionen Menschen. Wenn diese Menschenmassen zur Rushhour an ihre Arbeitsplätze pendeln, kommt auch der wohl beste öffentliche Verkehr der Welt an seine Grenzen. Züge und U-Bahnen sind dann so voll, dass zum Teil Personal Menschen in die Züge schieben muss. 

Die Japaner sind sehr gastfreundlich, hilfsbereit und zuvorkommend, was das Reisen und das Leben allgemein in Japan sehr angenehm macht. Japan gehört zu den sichersten Ländern der Welt – man vertraut einander und hält sich an die Regeln. So musste ich meine Schweizer Besucher regelmässig darauf hinweisen, dass es sich nicht gehört, bei Rot über den Fussgängerstreifen zu gehen. Wohl aufgrund der geografischen Lage und bedingt dadurch, dass Japan eine Insel ist, können die Japaner nur begrenzt Englisch. Trotz der Sprachbarriere und der Tatsache, dass der Durchschnittsjapaner etwas scheu ist, sind einige Freundschaften entstanden und es folgte sogar eine Einladung ins Elternhaus.

Beim Studium an der Musashino University konnte ich die Vorlesungen des Studienganges «Global Business» besuchen. Dieser Studiengang wird auf Englisch durchgeführt und wird nicht nur von Japanern besucht, sondern auch von Studierenden aus den Philippinen, China, Korea, Nepal und aus anderen asiatischen Ländern besucht. Das bot die Gelegenheit, auch die Unterschiede zwischen verschiedenen asiatischen Kulturen zu erleben. Für die wenigen westlichen Austauschstudenten wurden extra Japanisch-Lektionen für Anfänger angeboten. 

Aber schliesslich war ich auch in Japan, um für’s Leben zu lernen. Der Unterricht war zugegeben nicht allzu fordernd. Dafür boten sich tolle Gelegenheiten, das Land zu bereisen und kennen zu lernen. Der öffentliche Verkehr ist sehr gut ausgebaut. So ist beispielsweise das 800 km entfernte, geschichtsträchtige Hiroshima bequem in unter 4 Stunden per Shinkansen-Schnellzug erreichbar. Japan ist sehr vielfältig zum Reisen, von Badeferien im südlichen Okinawa bis zum Skifahren in den japanischen Alpen bieten sich alle erdenklichen Möglichkeiten.  

Japan ist für mich zum absoluten Reisetipp geworden und würde jederzeit wieder gehen. Ich bin überglücklich, hier in der Region zu Hause zu sein, aber mittlerweile vermisse ich ab und zu sogar die Megacity, das Pulsierende und Aufregende, das japanische Essen, die Gastfreundschaft und die grellen Leuchtreklamen nachts. 

Wer hätte das gedacht, als ich mich als Landei aufgemacht habe, den fernen Osten zu erkunden? Ich jedenfalls nicht.»


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