Geschichten hinter den Kulissen des Departements Technik & Architektur

AureusDrive – Kohlendioxid reduzieren und vorwärtskommen

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Gabriel Barroso und Sergio Tresch haben eine Vision: Sie wollen erschwingliche E-Bikes herstellen und damit den CO2-Ausstoss im Alltag reduzieren. Die Geschichte hinter dem Start-up «Aureus Drive» erzählt uns Gabriel Barroso im Interview.

Ein E-Bike braucht für 30 km gut 0.5 kWh Energie, wobei ein Dieselfahrzeug für die gleiche Strecke 15 kWh braucht. Das ist rund 30 mal mehr Energie – eine ganz schön eindrückliche Zahl, oder?
Im Durchschnitt emittiert ein Pendler mit dem Auto 0.8 Tonnen COpro Jahr – das entspricht 10% des CO2– Ausstosses pro Kopf nach dem Produktionsprinzip. Wenn also 50% der Pendler vom Auto auf ein E-Bike umsteigen, wird der CO2-Ausstoss der Schweiz aus dem Verkehr um 15% gesenkt. Das sind, haltet euch gut fest, 2.5 Millionen Tonnen, die eingespart werden könnten! 
Genau diese Überlegungen haben sich auch Gabriel Barroso und Sergio Tresch vom Institut für Maschinen- und Energietechnik IME gemacht. Ihr Start-up AureusDrive ist im letzten Jahr gestartet und verfolgt das Ziel, erschwingliche E-Bikes herzustellen, die den Anforderungen an einen Gebrauch im Pendlerverkehr standhalten. Was genau dahintersteckt, erzählt uns Gabriel persönlich.

Gabriel, wie kam es zur Idee, sich mit E-Bikes selbstständig zu machen?
Eigentlich ist es aus einem sehr persönlichem Anliegen entstanden. Ich pendle seit knapp 2 Jahren vom Seetal mit einem schnellen E-Bike pro Tag zur Arbeit nach Horw. Das sind knapp 60 km, 30 km pro Weg. Damit spare ich im Vergleich zum Auto 1.8 Tonnen CO2 pro Jahr. Jeder Schweizer emittiert pro Jahr 7.2 Tonnen CO2. Das heisst durch das Zurücklegen des Arbeitsweges mit dem E-Bike spare ich 25% meines statistischen CO2-Ausstosses.
Zusätzlich bewege ich mich für ca. 90 Minuten an der frischen Luft, was fit hält. Zudem spare ich rund 800 Liter Benzin, das sind immerhin CHF 1’200.- pro Jahr. 

Die heutigen schnellen E-Bikes, die ein Reisen bei 40-45 km/h ermöglichen, sind sehr teuer. Wir sprechen hier in der Regel von Beträgen ab CHF 4’500.-. Da gibt es natürlich eine gewisse Hemmschwelle, so viel Geld zu investieren. Wir sind beide Maschineningenieure – da dachten wir, dass wir doch ein Produkt entwickeln können, das günstiger ist, aber dennoch die Anforderungen eines Pendlers erfüllt. 
Somit haben wir bestehende E-Bike-Komponenten analysiert, verglichen, mit Zulieferern gesprochen und unser eigenes E-Bike designed. Und tatsächlich können wir es wesentlich günstiger anbieten. 

Welches waren die grössten Schwierigkeiten auf dem Weg zum eigenen Start-up?
Unsere grösste Schwierigkeit war und ist die Finanzierung der ersten Serien. Damit wir die E-Bikes zu diesem Preis anbieten können, brauchen wir eine gewisse Stückzahl und um die Komponenten bestellen zu können, brauchen wir eine Vorschubfinanzierung. Für die ersten ungefähr 50 E-Bikes haben wir ein Crowdfunding über die Plattform funders.ch der Luzerner Kantonalbank im November und Dezember 2017 gemacht. Da haben wir bereitwillige Käufer gefunden, die die E-Bikes gekauft haben und bereit waren, 6 Monate bis zur Auslieferung zu warten. Für dieses Vertrauen möchten wir uns bedanken. 

Die ganze Crowdfunding-Aktion war eine riesige Erfahrung – in den Wintermonaten E-Bikes verkaufen zu wollen, ist eine Challenge. Wir haben unser gesamtes Netzwerk aktiviert, waren auf den Social Media aktiv, haben Print-Werbung geschaltet und der wirkliche Durchbruch kam mit den Berichten auf nau.ch und 20 Minuten. Der Artikel bei 20 Minuten und die kurze Video-Reportage haben die Verkaufszahlen, zwar mit etwas Verzögerung, in die Höhe katapultiert. Auch, dass bestehende Käufer uns weiterempfohlen haben, hat uns sehr geholfen.

Wie konntet ihr von Smart-up profitieren? 
Der wesentliche Faktor ist die Bereitstellung der Infrastruktur und dafür sind wir sehr dankbar. Wir konnten sehr unkompliziert die Technikumstrasse als unsere Firmenadresse für die gegründete GmbH wählen, einen eigenen Briefkasten haben und als das Projekt schon etwas weiter war, unsere Büroräumlichkeiten in der Ebenaustrasse 21 beziehen. 

Die Nähe zur Hochschule ermöglicht uns die Nutzung der Werkstatt, was sehr wertvoll ist, denn bei Prototypen gibt es immer kleinere Sachen anzupassen. Im Weiteren konnten wir diverse Messgeräte benutzen, um unser Produkt weiterzubringen. Smart-Up hat uns auch im Bereich Marketing unterstützt. 

Und wie geht es mit AureusDrive weiter? Wo seht ihr euch mit eurem Unternehmen in 5 Jahren?
In 5 Jahren ist Aureus Drive eine etablierte E-Bike-Marke in der Schweiz. Wir haben neben dem weiterentwickelten aktuellen g45-c Modell bis dann sicher auch ein Tiefeinsteigermodell. Die Modelle werden jeweils für die Kategorie 45km/h und 25km/h gebaut werden.  

Ihr betreibt AureusDrive nebenbei. Wie vereinbart ihr das mit eurer hauptberuflichen Tätigkeit?
Die Arbeitsbelastung ist schon hoch. Wir mussten unser Anstellungsverhältnis bei der Hochschule etwas reduzieren, da die Zeit, die AureusDrive in Anspruch nimmt, doch sehr hoch ist. Da wir uns als Start-Up keine Löhne auszahlen, sind wir natürlich jedoch weiterhin auf ein festes Einkommen angewiesen. Wir arbeiten hart daran, dass wir die Verkaufszahlen hoch halten können, damit wir uns 2019 einen kleinen Lohn auszahlen können. 

Hat euch die Gründung eures Start-ups auch auf persönlicher Ebene etwas gebracht? 
Das Umsetzen eines eigenen Projektes oder Start-ups gibt natürlich eine grosse persönliche Befriedigung. Man lernt hauptsächlich, einfach zu machen. Ehrlich gesagt kennen wir nicht jedes Hindernis auf der Strecke – wir fliegen so zu sagen im Sichtflug. Wenn die Herausforderungen kommen, werden Sie gelöst. Da gibt es zum Beispiel gesetzliche Hürden und Anforderungen für die Typengenehmigung. Wir fragen uns durch und liefern. Bis jetzt haben wir nur gute Erfahrungen gemacht und immer sehr hilfsbereite und angenehme Menschen getroffen.

Und was möchtet ihr angehenden Jungunternehmern mit auf den Weg geben?
Gut, also unser Unternehmen existiert seit 6 Monaten. Es wäre eine Anmassung, Tipps geben zu wollen. Aber eines möchten wir doch mitgeben: Es gibt nur eins – planen, springen und schwimmen.

Herzlichen Dank an Gabriel Barroso für das Interview!


Weitere Links zum Thema

Website Aureus Drive
Berichterstattung 20 Minuten online, 12.12.2017
Institut für Maschinen- und Energietechnik IME
Informationen zum Bachelor-Studiengang Maschinentechnik
Projekt Smart-up

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