Expertinnen und Experten im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität

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Von Monica Fahmy

Im Weiterbildungsprogramm Master of Advanced Studies Economic Crime Investigation erhalten zukünftige Expertinnen und Experten in der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität das Rüstzeug, um der sogenannten «Weisskragenkriminalität» effizient zu begegnen. Was dabei im Fokus steht und was sich im Laufe der Zeit verändert hat, erzählen die Programmleiterinnen im Interview.

Ist ein Unternehmen von einem Fall von Wirtschaftskriminalität betroffen, kann es schlimmstenfalls aufgrund des hohen finanziellen Verlustes Konkurs gehen, was schwerwiegende Folgen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Folge hätte. Selbst wenn sich der finanzielle Schaden in Grenzen hält, kann ein Reputationsverlust dazu führen, dass das Unternehmen weitreichende Konsequenzen zu tragen hat. «Folglich ist es von grosser Bedeutung, die Organisation des Unternehmens so aufzugleisen, dass das Risiko, Opfer eines Wirtschaftsdelikts zu werden, möglichst geringgehalten werden kann», sagt Dr. Claudia Valérie Brunner, Programmleiterin des MAS Economic Crime Investigation an der Hochschule Luzern.

Das grösste Einfallstor zur Wirtschaftskriminalität sei der Mensch, so Brunner. Folglich ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden auf dieses Thema sensibilisiert werden und auch in der Lage sind, bestehende Warnsignale zu erkennen.

«Fundiertes Wissen in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Informatik ist demnach für die Erfassung der Zusammenhänge bei der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität unumgänglich

Gemeinsames Verständnis vonnöten

Die Täterschaft stammt in der Regel «aus den eigenen Reihen» und die kriminellen Handlungen sind nicht selten getarnt als ganz normale wirtschaftliche Tätigkeiten. «Im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität brauchen die Privatwirtschaft und die Strafverfolgungsbehörden ein gemeinsames Verständnis für Prävention, Vorgehensweisen, Untersuchungsmethoden und besondere Phänomene», sagt Co-Programmleiterin Susanne Grau. Im MAS Economic Crime Investigation wird dieses vermittelt.

Die erste Durchführung des MAS Economic Crime Investigation vor nunmehr über 20 Jahren hatte insbesondere die Schulung der Staatsanwältinnen und Staatsanwälte im Auge. Dabei ging es um Themen der Buchführung und Rechnungslegung, aber auch ganz allgemein um betriebswirtschaftliche Abläufe, die den Strafverfolgern und Gerichten nicht geläufig waren. Inzwischen verfügen die Strafverfolgungsbehörden häufig über Spezialabteilungen, in denen einzig Fachleute tätig sind. Aber nicht nur die Organisation der Strafverfolgung, sondern auch die Phänomene haben sich über die Jahre verändert. So ist unter anderem der Cyberbereich dazugekommen. «Des Weiteren wurde erkannt, dass es nicht nur erforderlich ist, die Personen aus dem Vollzug zu schulen, sondern auch einen präventiven Ansatz zu verfolgen, um die Taten bereits möglichst im Keim zu ersticken», führt Dr. Claudia Valérie Brunner aus. Dazu kommt, dass das in den Vereinigten Staaten bereits seit vielen Jahren etablierte Instrument der internen Untersuchung zunehmend auch in der Schweiz Fuss gefasst hat. Folglich ist das Weiterbildungsprogramm in den letzten Jahren unter diesem Aspekt angepasst worden.

Aktuell und praxisnah

Einen grossen Stellenwert geniesst die Zusammenarbeit mit der Praxis, die im Laufe der Zeit immer mehr ausgebaut wurde. Auch der Umzug auf den neuen Campus Zug-Rotkreuz ist für die Teilnehmenden mit etlichen Vorteilen verbunden. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ des Departements Wirtschaft sowie das Departement Informatik sind nun unter einem Dach. Die Teilnehmenden müssen demnach nicht mehr den Studienort wechseln, um in den Genuss der Schulungen im Informatiklabor zu kommen. Ebenfalls sind die technologischen Einreichungen und Hilfsmittel in den Schulungsräumen auf dem neusten Stand und die Verpflegung hat sich aufgrund der hauseigenen Mensa deutlich vereinfacht.

Die massgebenden rechtlichen Voraussetzungen, um die Wirtschaftskriminalität bekämpfen zu können, sind in der Schweiz vorhanden. Auch die Zahl der Spezialistinnen und Spezialisten, sowohl in der Privatwirtschaft, als auch bei den Strafverfolgungsbehörden, haben zugenommen. Dennoch wird die Wirtschaftskriminalität immer noch (zu) wenig als Bedrohung wahrgenommen, betonen die Programmleiterinnen.

«Für viele ist die Verfolgung der Taten und der Täterinnen und Täter nach wie vor eine grosse Herausforderung.»

Erfahren Sie im Interview mit der Schweizerischen Expertenvereinigung «Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität» mehr zum MAS Economic Crime Investigation, dessen Entwicklung und Bedeutung im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität:

Hier geht’s zum ganzen Interview.


Über die Autorin

Monica Fahmy ist Ökonomin (MA UZH) und Absolventin des MAS Economic Crime Investigation. Sie ist COO bei der auf Investigations und Business Intelligence spezialisierten Firma Family Assets Control AG und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Expertenvereinigung zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität SEBWK.

 

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