Die Manipulation von Krypto-Assets

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Von Stefan Kühn und Sebastian Moosmann

Auf den Kryptomärkten lassen sich täglich zahlreiche manipulative Taktiken beobachten, die auf Kursmanipulationen abzielen und neue Investoren und unerfahrene Händler in Panik versetzen. Welche Methoden sind am meisten verbreitet? Und woran lassen sich diese erkennen?

Kursmanipulationen kommen nicht nur bei Kryptowährungen vor, jedoch wurden viele dieser manipulativen Taktiken an den Aktienmärkten von den Aufsichtsbehörden verboten. Strenge Überwachungs-, Melde- und Prüfungsanforderungen schaffen daher Risiken für diejenigen, die sie anwenden. Weiter bestehen gut entwickelte Mechanismen, um Missetäter schnell zu identifizieren und zu verfolgen. Davon ist die Kryptowelt heute weit entfernt: Sie ist unreguliert, anonym, und Personen oder Institutionen mit grossen Beständen, sogenannte Whales, können ungestraft handeln. In den folgenden Ausführungen werfen wir einen Blick auf drei verbreitete Methoden der Manipulation an Kryptomärkten.

Pump and Dump

Die gängigste Technik an den Kryptomärkten ist die Initiierung eines sogenannten Pump and Dump. Hierbei versuchen Insider oder andere Marktteilnehmer, den Wert eines Coins solange in die Höhe zu treiben, bis er Aufmerksamkeit erregt. Wird ein gewisser Preisanstieg erreicht, werden individuelle Investoren aufmerksam und wollen an den Kursgewinnen teilhaben. Dieses Phänomen nennt man „fear of missing out“ oder kurz „FOMO“. Sobald weitere Investoren in den Markt einsteigen, stösst die Gruppe den Coin mit einem ordentlichen Gewinn ab. An den Aktienmärkten wurde diese Technik bei Penny Stocks, also bei Aktien mit einem tiefen Kurswert, eingesetzt. Im Bereich der Kryptowährungen sind Altcoins mit geringer Liquidität ein perfektes Ziel. Es ist unmöglich, den genauen Zeitpunkt eines Pump and Dump vorherzusagen. Es gibt aber verschiedene Anzeichen, um ein eventuelles Pump-and-Dump-Schema zu erkennen.

Die meisten Pump and Dumps finden bei Coins mit geringer Marktkapitalisierung statt, die nicht in der Top-100-Liste aufgeführt sind. Besonders anfällig sind Coins mit geringer Liquidität. Viele Kursbewegungen nach oben und unten an nur einer Handvoll Börsen sind ein Hinweis darauf, dass es sich eher um eine koordinierte Aktion als um organisches Marktverhalten handelt. Ein weiteres Indiz ist eine plötzliche Verbreitung des Coins auf den sozialen Medien. Wenn ein unbekannter Coin mit einer Marktkapitalisierung von nur ein paar Millionen Dollar plötzlich überall auf Twitter und Facebook auftaucht, ist Vorsicht geboten. Schliesslich ist auch das Handelsvolumen ein guter Indikator. Die Initiianten des Pump and Dump haben wahrscheinlich bereits eine Menge Coins angehäuft. Ein hohes Volumen vor einem signifikanten Preisanstieg, das scheinbar aus dem Nichts auftritt, ist verdächtig.

Stop-Loss Hunting

Eine weitere verbreitete Taktik ist das Stopp-Loss-Hunting, das heisst die Jagd nach allen sichtbaren Stopp-Loss-Positionen. Marktteilnehmer sollen zum Ausstieg aus ihren Positionen gezwungen werden, indem die Preise so weit nach unten getrieben werden, dass ihre Stopps ausgelöst werden. Die Motivation für die Whales besteht darin, den Vermögenswert zu einem niedrigeren Preis zu erwerben.

Die meisten Händler setzen ihre Stopps an wichtigen technischen Niveaus oder Levels, die Whales bei der Stopp-Loss-Jagd anpeilen. Ein Beispiel hierfür wäre ein sogenanntes Supportlevel, also ein Level, von dem der Preis bei einem fallenden Kurs in der Vergangenheit vermehrt „abgeprallt“ ist. Nehmen wir als hypothetisches Beispiel den Preis von Ethereum. Der Ethereum Kurs ist im Dezember 2021 vermehrt auf etwa 3’600 oder 3’700 US-Dollar gefallen, hat sich jedoch immer wieder erholt und ist wieder auf etwa 4’000 US-Dollar oder mehr gestiegen. Wird dieses beispielhafte Supportlevel von 3’600 US-Dollar nun erreicht oder unterschritten, werden unzählige automatisierte Verkaufsaufträge ausgeführt, wobei Whales die Prämie mit einer fast sofortigen Markterholung abschöpfen und weitere Investoren den Kaufaufträgen der Whales folgen.

Da die Kryptomärkte rund um die Uhr aktiv sind, wachen ahnungslose Händler auf und stellen mit Schrecken fest, dass ihre Stopps erreicht und ausgelöst wurden. Die Preise haben sich in der Zwischenzeit aber bereits wieder erholt und sind am Niveau des Vorabends angelangt. Da das Setzen von Stopps immer noch wichtig für das Risikomanagement ist, wenn sich der Markt legitimerweise nach unten bewegt, wird es schwierig, diese Technik zu erkennen und komplett zu vermeiden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, sind sogenannte Stop-Limit-Orders. Diese bieten einen bescheidenen Vorteil, um sich vor grösseren Abwärtsrisiken zu schützen, lassen aber gleichzeitig einen gewissen Spielraum, um einen legitimen Ausstiegspunkt zu bestimmen.

Viele Börsen bieten eine Vielzahl von Stopp-Limit-Aufträgen an. Es empfiehlt sich zu analysieren, ob diese für die eigenen Bedürfnisse geeignet sind, um zu verhindern, dass die eigenen Positionen durch solche Taktiken frühzeitig verloren gehen.

Wash Trading

Die meisten Händler informieren sich über das Handelsvolumen und die Liquidität eines Vermögenswerts, bevor sie investieren. Wash Trading wird eingesetzt, um die Illusion eines aktiven Marktes für einen bestimmten Vermögenswert zu erzeugen. Wash Trading bedeutet in der Regel den gleichzeitigen Kauf und Verkauf desselben Vermögenswerts durch eine Person, eine koordinierte Gruppe von Personen oder durch ein Netzwerk von Bots, also einem Computerprogramm, das sich wiederholende Aufgaben weitgehend automatisch abarbeitet, ohne dabei auf eine Interaktion mit einem menschlichen Benutzer angewiesen zu sein. Dadurch wird ein falscher Eindruck des tatsächlichen Handelsvolumens an einer Börse oder auf Websites wie Coinmarketcap vorgegeben, um neue Investoren und Händler anzulocken. Wash Trading lässt sich in der Regel auf zwielichtige Börsen, betrügerische Kryptoprojekte und Individuen, die diese Projekte unterstützen, zurückführen.

Fazit

Nebst den zuvor genannten Techniken gibt es unzählige weitere Manipulationsszenarien im Bereich der Kryptowährungen. Es gibt nichts Besseres als eigene Nachforschungen und Analysen, um Schlussfolgerungen zu ziehen und sich vor manipulativen Techniken zu schützen. Denken Sie daran, jeden Krypto Influencer und jeden Investitionstipp zu überprüfen, der Börsen oder Münzen anpreist.


Über die Autoren

Stefan Kühn leitet die Abteilung Forensic Services und die Risk Advisory Group von BDO Schweiz. Er ist Teil des Global Forensic Leadership Teams von BDO und leitet die Aktivitäten innerhalb der EMEA Region. Er verfügt über jahrelange Erfahrung in der Durchführung von Investigationen, Internal Audits und Compliance-Projekten. Er ist zudem Experte in der Analyse firmeninterner Abläufe und Kontrollprozesse nach Compliance-Gesichtspunkten sowie in der Umsetzung der notwendigen Verbesserungskonzepte.

Sebastian Moosmann ist als Consultant in der Performance Advisory Abteilung der BDO Schweiz tätig. Er verfügt über Erfahrung in der Durchführung von Investigationen, Internal Audits und Prozessanalysen. Er hat zudem ein fundiertes Wissen im Bereich Digitalisierung und hat ein grosses Interesse an Kryptowährungen und NFTs.

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