Outsourcing der Geldwäscherei-Compliance

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Von Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau

Am Seminar «Geldwäschereibekämpfung heute» des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern legten Expertinnen und Experten in anschaulicher Weise dar, welchen Herausforderungen sich die Vermögensverwalter und Trustees aufgrund der aktuellen Gesetzgebung gegenübersehen und wie diese in der Praxis angegangen werden können.

Nach Monaten des Online-Unterrichts durften die Seminarleiterinnen Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau am 15. Juni 2021 die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstmals wieder auf dem Campus Zug-Rotkreuz zu einem spannenden Tag begrüssen. Aufgrund der Pandemie wurde die Veranstaltung zusätzlich online geführt, um auch den Risikogruppen eine Teilnahme zu ermöglichen. Der Kreis der engagierten Teilnehmenden setzte sich aus Personen aus der Verwaltung und der Privatwirtschaft zusammen, deren gemeinsames Ziel darin lag, sich der aktuellen Gesetzgebung der Geldwäschereibekämpfung sowie deren praktischen Herausforderungen zu erschliessen.

(Seminarleitung und Referierende von l. n. r.: Dr. Doris Hutzler, Susanne Grau, Dr. Claudia V. Brunner, Marc Blumenfeld)

Sorgfalts- und Meldepflichten

Zunächst erläuterte Marc Blumenfeld, Managing Director bei Alithis, welche Pflichten den Vermögensverwaltern und Trustees in diesem Bereich zukommen. Anhand von Grafiken wurden die gesetzlichen Grundlagen aufgezeigt sowie dargelegt, welche Handlungen vorgenommen werden müssen, um den im Geldwäschereigesetz festgeschriebenen Sorgfaltspflichten nachzukommen. Dabei wurde auch den organisatorischen Aspekten ausreichend Beachtung geschenkt.

Im Folgenden ging Dr. Doris Hutzler, Partnerin bei LCR Services AG, auf die Kriterien, bei denen von einem erhöhten Risiko der Geschäftsbeziehung auszugehen ist, ein. In diesem Zusammenhang wies sie nicht nur auf die Besonderheiten der bei den Finanzintermediären vorzunehmenden Abklärungen hin, sondern führte die Teilnehmenden in das Meldewesen ein. Nach einem Überblick über die Auslöser, die zu einer Untersuchung wegen Geldwäscherei führen können, erläuterte sie detailliert die Herausforderungen, die es diesbezüglich zu bewältigen gilt. Anschliessend übermittelte sie den Teilnehmenden anhand eines Leitfadens, wie bei einer Meldung an die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) vorzugehen ist. Mit einem Überblick über den Stand des Gesetzgebungsprozesses, der durch den Bericht der Financial Action Task Force (FATF) angestossen wurde, endete der erste Teil.

(Referentin: Dr. Doris Hutzler)

Outsourcing

Der zweite Teil startete mit einem Überblick über die gesetzlichen Grundlagen des Outsourcings der Geldwäschereibekämpfung für Vermögensverwalter und Trustees. Anschliessend legte Marc Blumenfeld anschaulich sowie detailliert dar, welche Handlungen auf einen Dritten übertragen werden dürfen und welche zwingend vom Vermögensverwalter, resp. Trustee vorgenommen werden müssen. Die verschiedenen Möglichkeiten wurden mit den Teilnehmenden anhand eines Prüfschemas durchgespielt. Dabei stellte sich eindrucksvoll heraus, dass bei der Auslagerung eines jeden Teilbereichs sorgfältig abzuklären ist, wer für diesen Bereich als Dienstleister überhaupt in Frage kommt und welche Voraussetzungen dabei zwingend erfüllt sein müssen.

Aktuelle Themen

Nach dem gemeinsamen Mittagessen führte Dr. Doris Hutzler in das digitale Meldeportal «goAML» ein. Anhand von Beispielen ging sie auf dessen Möglichkeiten, Vorteile und Herausforderungen ein und zeigte den Teilnehmenden auf, welchen Support von Seiten der MROS bei Problemen zur Verfügung steht. Im Anschluss widmete sie sich der Frage der strafrechtlichen Haftung der Compliance Officer. Neben der Darlegung der geltenden Rechtsprechung sowie der Einordnung der möglichen strafbaren Handlungen wurde mit den Teilnehmenden darüber diskutiert, welche Konsequenzen die aktuelle Situation für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz hat. Der dritte Teil wurde mit einem Überblick über die Möglichkeiten der Unterstützung der Geldwäschereibekämpfung durch Lösungen aus dem Bereich Regulatory Technology (RegTech) abgeschlossen. Es bleibt spannend zu verfolgen, wie sich die unter dem Einbezug von künstlicher Intelligenz ständig weiterentwickelnden Tools auf die Entwicklung der Bekämpfung der Geldwäscherei auswirken werden.

Case Studies

Zum Abschluss des Tages hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich das angeeignete Wissen anhand eines für sie aufbereiteten Falls anzuwenden. Die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten wurden im Anschluss mit sämtlichen Teilnehmenden sowie den beiden Experten diskutiert, wodurch viele wertvolle Erfahrungen für den künftigen, praktischen Gebrauch mitgenommen werden konnten. Nach einem intensiven, aber lehrreichen Seminartag blieb demnach einzig noch die Frage offen, wie sich die neu geschaffenen Möglichkeiten künftig in der Praxis bewähren – eine Frage, die sich wohl noch einige Zeit nur schwierig beantworten lässt.

(Gruppenarbeit im Rahmen der Case Studies)

Bedürfnis nach Fachwissen

Die angeregten Diskussionen, die während den Referaten sowie bei der Besprechung der Case Study stattfanden, zeigen, wie wichtig und anspruchsvoll das Thema Geldwäscherei ist. Sind Sie an einer Weiterbildung im Bereich der Wirtschaftskriminalität interessiert? Am 19. August 2021 startet zum ersten Mal der neue Weiterbildungslehrgang CAS in Economic Crime Investigation, der auf Wunsch bis zur Masterstufe ausgebaut werden kann. Ein weiteres Seminar zum Thema Bilanzfälschung findet am 11. November 2021 statt. Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau stehen für Auskünfte gerne zur Verfügung.


Über die Autorinnen

Rechtsanwältin Dr. Claudia V. Brunner ist verantwortlich für den Themenbereich Wirtschaftskriminalistik, Dozentin und Projektleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug sowie Partnerin bei Jositsch Brunner Rechtsanwälte. Sie verfügt über weitreichende Erfahrungen im Bereich Wirtschaftskriminalität, Compliance und Wirtschaftsstrafrecht. Zudem hat sie bei der BrunnerInvest AG ein Mandat als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats inne, ist Vorstandsmitglied der SRO PolyReg sowie Vorsitzende der Geschäftsführung der PolyReg Services GmbH.
 

Susanne Grau ist Dozentin und Leiterin von mehreren Weiterbildungsprogrammen (MAS/DAS/CAS Economic Crime Investigation, CAS Financial Investigation und CAS Finanz- und Rechnungswesen für Juristen) sowie Vorstandsmitglied und Training Director des ACFE Switzerland Chapters und Authorized Trainer für den CFE Exam Review Course. Zudem ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SUSANNEGRAU Consulting GmbH und unterstützt und berät Unternehmen und Organisationen in sämtlichen Belangen rund um das Thema Wirtschaftskriminalität.

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