Wirtschaftskriminellen auf der Spur

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Von Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau

Am Seminar Wirtschaftskriminalität des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern führten Expertinnen und Experten in anschaulicher Weise in die Grundlagen der Wirtschaftskriminalität ein und zeigten auf, wie die Untersuchung funktioniert. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den Aspekten Cybercrime und Spurensuche im Netz.

Am 16. April 2021 durften die Seminarleiterinnen Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem spannenden Tag im Zeichen der Wirtschaftskriminalität begrüssen. Nachdem der Anlass im Coronajahr 2020 verschoben werden musste, fand er in diesem Jahr zum ersten Mal online statt. Der Kreis der engagierten Teilnehmenden setzte sich aus Personen aus Justiz, Verwaltung und Privatwirtschaft zusammen, deren gemeinsames Ziel darin lag, sich die Grundlagen der Wirtschaftskriminalität zu erschliessen.

Wirtschaftskriminalität in Unternehmen

Zunächst erläuterte Susanne Grau, Studienleiterin und Dozentin am Institut für Finanzdienstleistungen IFZ Zug der Hochschule Luzern, inwiefern ein Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen sein kann. Anhand eines Schemas zeigte sie auf, dass für ein Unternehmen die Möglichkeit besteht, aus den eigenen Reihen geschädigt zu werden (Occupational Fraud), selbst zum Täter zu werden (Corporate Fraud) oder externen Angriffen von aussen ausgesetzt zu sein (External Fraud).

Ebenso legte sie dar, dass grundsätzlich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) genauso von Wirtschaftskriminalität betroffen sein können wie Grossunternehmen. Dennoch unterscheiden sie sich in wesentlichen Punkten. Aufgrund ihres weniger gut ausgebauten, internen Kontrollsystems (IKS) sind die KMU insgesamt anfälliger für wirtschaftskriminelle Handlungen. Bei den Grossunternehmen will aufgrund der arbeitsteiligen und dezentral organisierten Struktur mit steilen Hierarchien niemand die Verantwortung übernehmen, wenn es zu einem Vorfall kommt und es kommt zu einem sogenannten «kollektiven Versagen».

Da bei wirtschaftskriminellen Sachverhalten die Buchhaltungen und Bilanzen regelmässig eine wichtige Rolle spielen, erhielten die Anwesenden ebenfalls einen Überblick über das Thema Bilanzfälschung.

Möglichkeiten der staatlichen Untersuchung

Im zweiten Referat führte Dr. iur. Andrea Jug-Höhener, Chefin Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität bei der Kantonspolizei Zürich, die Teilnehmenden in die gesetzlichen Grundlagen der Strafuntersuchung ein und zeigt auf, wie diese in der Praxis umgesetzt werden. Im Zentrum standen dabei die Methoden der Beweismittelerhebung und der Einsatz von Zwangsmassnahmen. So erhielten die Teilnehmenden unter anderem die Möglichkeit, sich einen Hausdurchsuchungsbefehl anzusehen. Ebenfalls erfuhren sie, wer Partei in einem Strafverfahren sein kann und welche Rechte und Pflichten diesen zukommen.

Im Weiteren erläuterte die Juristin den Teilnehmenden die rechtlichen Möglichkeiten sowie den besonderen Nutzen des Instruments der Vermögensabschöpfung. Dieses wird im Kanton Zürich seit vielen Jahren eingesetzt und ermöglicht es dem Staat, Vermögenswerte bereits zu Beginn eines Verfahrens sicherzustellen, um diese zu einem späteren Zeitpunkt einzuziehen und sie zuhanden der Geschädigten oder der Staatskasse bzw. zur Deckung der Verfahrenskosten zu verwerten.

Möglichkeiten der privaten Untersuchung

Von Red Flags beziehungsweise Frühwarnhinweisen bei Mitarbeitenden und Führungspersonen berichtete Sonja Stirnimann, Gründerin und Managing Partner der Structuul AG. Anhand anschaulicher Beispiele erklärte sie den Teilnehmenden die einzelnen Merkmale und zeigte auf, wie man diese erkennen kann. Ein besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die Planung und Durchfügung von internen Untersuchungen. In diesem Zusammenhang hob sie hervor, dass es für eine erfolgreiche interne Untersuchung zentral sei, ein interdisziplinäres Team aus erfahrenen Ermittlern, Anwälten, IT-Spezialisten und weiteren Fachpersonen einzusetzen.

Ausserdem ging die Referentin auf die Aspekte des Social Engineerings ein und erläuterte in diesem Zusammenhang die besonderen Herausforderungen, welche die Daten- und Dokumentenanalysen bei Wirtschaftsfällen regelmässig mit sich bringen. Abschliessend werden die Ergebnisse der internen Untersuchung in einem Bericht zusammengefasst, der dem Unternehmen als finales Produkt weitergegeben wird.

Spurensuche im Netz

Zum Abschluss des Seminartages führte Andreas Eugster, Dienstchef Cyber- und Wirtschaftsdelikte der Zuger Polizei, die Teilnehmenden in die Welt der Cyberkriminalität ein. Er zeigte auf, wie Cyberkriminelle agieren und wie sie sich das Clear-, Deep- und Darknet zunutze machen. Ebenso legte er den Teilnehmenden dar, wie wichtig die firmeninterne Dokumentation ist, um die Behörden bei der besseren Nachvollziehbarkeit der Beweise, der sogenannten «Chain of Custody», zu unterstützen und damit zum Ermittlungserfolg der Untersuchungsbehörden beizutragen.

Gekonnt führte er die Teilnehmenden in die einzelnen Phänomene der digitalen Kriminalität ein und zeigte den Teilnehmenden anhand eines CEO-Betrugs auf, wie viel in diesem Bereich dank einer sehr guten nationalen und internationalen Zusammenarbeit erreicht werden kann. Beim CEO-Fraud oder dem Chefbetrug bringt ein falscher Vorgesetzter die Mitarbeitenden per E-Mail dazu, unrechtmässige Bankzahlungen auszuführen. Dabei befindet sich das Bankkonto meistens im Ausland und das Geld ist daher in der Regel entsprechend rasch verschwunden.

Bei den Cybercrimedelikten steht die Prävention an erster Stelle, weshalb diesem Aspekt zum Abschluss des Tages ein besonderes Augenmerk eingeräumt wurde. Aufgrund des Online-Formats konnte die Live-Demonstration nicht durchgeführt werden. Dennoch verstand es Andreas Eugster, den Teilnehmenden nützliche Tipps und Hinweise auf den Weg zu geben, die sie beispielsweise bei der Suche im Internet unterstützen und die letztlich dazu beitragen, die eigene persönliche Sicherheit im Internet zu erhöhen. So verwies er unter anderem auch auf die Broschüren der schweizerischen Kriminalprävention, in denen regelmässig neue Themen aus dem Bereich Cybercrime einfach aufgearbeitet werden.

Bedürfnis nach Fachwissen

Die angeregten Diskussionen, die auch bei der Onlinedurchführung während den Referaten stattfanden, zeigen, wie wichtig und anspruchsvoll das Thema Wirtschaftskriminalität ist. Sind Sie an einer Weiterbildung in diesem Bereich interessiert? Am 19. August 2021 startet zum ersten Mal der neue Weiterbildungslehrgang CAS in Economic Crime Investigation, der auf Wunsch bis zur Masterstufe ausgebaut werden kann. Weitere Seminare finden am 15. Juni 2021 sowie am 11. November 2021 statt. In diesen geht es um die Geldwäschereibekämpfung heute sowie um das Thema Bilanzfälschung. Dr. Claudia V. Brunner und Susanne Grau stehen für Auskünfte gerne zur Verfügung.


Über die Autorinnen

Rechtsanwältin Dr. Claudia V. Brunner ist verantwortlich für den Themenbereich Wirtschaftskriminalistik, Dozentin und Projektleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen Zug sowie Partnerin bei Jositsch Brunner Rechtsanwälte. Sie verfügt über weitreichende Erfahrungen im Bereich Wirtschaftskriminalität, Compliance und Wirtschaftsstrafrecht. Zudem hat sie bei der BrunnerInvest AG ein Mandat als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats inne, ist Vorstandsmitglied der SRO PolyReg sowie Vorsitzende der Geschäftsführung der PolyReg Services GmbH.
 

Susanne Grau ist Dozentin und Leiterin von mehreren Weiterbildungsprogrammen (MAS/DAS/CAS Economic Crime Investigation, CAS Financial Investigation und CAS Finanz- und Rechnungswesen für Juristen) sowie Vorstandsmitglied und Training Director des ACFE Switzerland Chapters und Authorized Trainer für den CFE Exam Review Course. Zudem ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SUSANNEGRAU Consulting GmbH und unterstützt und berät Unternehmen und Organisationen in sämtlichen Belangen rund um das Thema Wirtschaftskriminalität.

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