Coronavirus oder das Paradies für Wirtschaftskriminelle

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Von Susanne Grau

Mit dem Coronavirus erleben wir momentan eine Ausnahmesituation, wie es sie in Europa seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Leider rufen Krisenzeiten auch immer Betrüger auf den Plan.

Beinahe stündlich erfahren wir von neuen Massnahmen, die weltweit im Kampf gegen die Pandemie der Viruskrankheit COVID-19 ergriffen werden. Das Gesundheitswesen droht zu kollabieren. Darüber hinaus ist die Wirtschaft in ihrem Gesamtumfang bedroht. Ein Paradies ist die aktuelle Krisensituation für Betrüger. Sie nutzen schamlos aus, dass wir besonders unaufmerksam und angreifbar sind. Nicht nur im Internet, sondern auch im geschäftlichen und privaten Bereich. So hat beispielsweise Amerika mit Umweltkatastrophen besondere Erfahrungen gemacht.

Disaster Fraud als neue Form des Betrugs

Der Hurrikan Katrina und die damit verbundenen immensen Umweltschäden brachten eine neue Betrugsform hervor: den Disaster Fraud. Unter diesen Begriff fallen betrügerische Handlungsweisen mit Spenden, Vorauszahlungen und Versicherungen, welche im Zusammenhang mit Naturkatastrophen vorkommen. Beim Spendenbetrug geben Personen oder Organisationen vor, Gelder für die Opfer der Katastrophe zu sammeln. Die Zahlungen, welche die hilfsbereite Öffentlichkeit leistet, gehen aber nicht an die vorgesehenen Empfänger, sondern landen in den Taschen der Betrüger. Beim Betrug mit Vorauszahlungen geben findige Unternehmer vor, kleinere Instandstellungsarbeiten wie beispielsweise Dachreparaturen ausführen zu wollen und für den Kauf des notwendigen Materials vorgängig Geld zu benötigen. Nach der vermeintlichen Einkaufstour kehren sie nicht mehr zurück. Das vorausbezahlte Geld ist verschwunden und die Reparaturen sind nach wie vor nicht ausgeführt. Zu den Geschädigten des Disaster Fraud gehören aber auch die Versicherungsgesellschaften. Sie werden betrogen, indem Verluste durch die Versicherungsnehmer aufgebläht oder Reparaturen vorgetäuscht werden.

Inwiefern lassen sich diese Erfahrungen auf die durch das Coronavirus weltweit ausgelöste Krise übertragen?

Auch Coronakrise macht anfällig für Betrug

Der im Rahmen des Disaster Fraud beschriebene Spendenbetrug kann auch in Bezug auf das Coronavirus vorkommen. Zum Beispiel, wenn falsche Wohltätigkeitsorganisationen vorgeben, durch betrügerische Spendenaktionen an der Bekämpfung der Verbreitung des Coronavirus beteiligt zu sein.

Nicht um die Reparaturen von Umweltschäden, sondern um den Verkauf von Artikeln, wie Atemschutzmasken, Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel und andere Produkte, die vielerorts ausverkauft sind, geht es beim Betrug mittels Fakeshops. Dabei werden bekannte, real existierende Domains eines Webshops abgeändert und unter ähnlicher Aufmachung ins Internet eingestellt. Das Landeskriminalamt Niedersachsen LKA warnt vor einem angeblichen Medizinshop, der Atemschutzmasken anbietet.

Die Angst vor den Auswirkungen des Coronaviurs bietet zudem eine gute Grundlage für Anlagebetrug. Es wird behauptet, dass Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die dazu verwendet werden, den Ausbruch des Coronavirus zu stoppen. Die U.S. Securities and Exchange Commission SEC wies bereits im Februar 2020 auf betrügerische Anlagen im Zusammenhang mit dem Coronavirus hin.

Aktuell warnt die Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI vor gefälschten Telefonanrufen. Dabei geben die Täter vor, im Namen des Bundesamts für Gesundheit BAG Umfragen durchzuführen und informieren sich dabei über den Gesundheitszustand und weitere persönliche Angaben des Opfers.

Im Weiteren warnt MELANI vor gefälschten E-Mails im Namen des Bundesamts für Gesundheit BAG. Cyberkriminelle versuchen, die Verunsicherung der Bevölkerung aufgrund der Situation rund um das Coronavirus auszunutzen. Anhand von E-Mails mit dem gefälschten Absender des Bundesamts für Gesundheit BAG versuchen sie, Malware zu verbreiten. Solche E-Mails sind umgehend zu löschen.

Betrüger nutzen das Coronavirus schliesslich als Vorwand für ihre neuste Masche beim Telefonbetrug. Sie kontaktieren die Opfer telefonisch und geben sich zum Beispiel als Arzt oder Gesundheitsbeamter aus. Während des Telefongesprächs versuchen sie die Opfer zu überzeugen, Bargeld für einen Vertreter bereitzulegen oder ihre Bankzahlungsdaten weiterzugeben. Diese Betrugsmasche ist als «Enkeltrick» bekannt. Es ist erhöhte Vorsicht geboten.

Vorsicht ist geboten

In der aktuellen Krisensituation ist es ratsam, eine erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen und Ruhe zu bewahren. Auf keinen Fall sollte man sich zu Entscheidungen oder Zahlungen drängen lassen. Insbesondere bei lockenden und (zu) gut tönenden Angeboten, muss in Betracht gezogen werden, dass sie falsch sind.

So schützen Sie sich:

  • Klicken Sie nicht auf Links von Quellen, die Sie nicht kennen.
  • Achten Sie auf falsche E-Mails, die vorgeben, von offiziellen Behörden zu stammen und Informationen über das Coronavirus zu enthalten. Insbesondere vom BAG.
  • Ignorieren Sie Angebote für Impfungen, Medikamente oder andere Produkte, welche vorgeben, zur Behandlung oder Heilung der Coronavirus-Krankheit COVID-19 beizutragen.
  • Seien Sie aufmerksam, wenn es um Spenden und Hilfsaktionen geht. Lassen Sie sich von niemandem zu einer Spende drängen. Prüfen Sie, von wem Sie angerufen werden und rufen gegebenenfalls zurück.
  • Seien Sie achtsam gegenüber Telefonanrufen und E-Mails, welche Ihnen im Zusammenhang mit dem Coronavirus Informationen entlocken oder Sie zur Zahlung von Geldbeträgen bringen wollen.
  • Seien Sie kritisch gegenüber Angeboten für Investments in Unternehmen, die im Rahmen des Coronavirus Impfstoffe oder Produkte anbieten.

Der nächste Beitrag auf dem Blog Economic Crime erscheint  am 4. Mai 2020.


Über die Autorin

Susanne Grau ist Studienleiterin und Dozentin der Weiterbildungslehrgänge MAS/DAS Economic Crime Investigation und CAS Financial Investigation am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) sowie Vorstandsmitglied und Training Director des ACFE Switzerland Chapters und Authorized Trainer für den CFE Exam Review Course. Zudem ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SUSANNEGRAU Consulting GmbH und unterstützt und berät Unternehmen und Organisationen in sämtlichen Belangen rund um das Thema Wirtschaftskriminalität.


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