Weihnachten hinter Gittern

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Von Monica Fahmy

Ob White-Collar oder Blue-Collar Criminal, im Gefängnis ist Weihnachten selten fröhlich. Damit die Stimmung über die Festtage nicht allzu bedrückt ist, organisieren Justizvollzugsanstalten wie Lenzburg oder Realta eine Weihnachtsfeier.

Vollbepackte Menschen hetzen durch die Läden, die letzten Vorbereitungen fürs Fest laufen. Heute, Heiligabend, werden Familien vor einem festlich geschmückten Baum zusammensitzen, singen, lachen, und vielleicht auch streiten.

Im Gefängnis sitzen die Insassen alleine in ihrer nüchternen Zelle. Der letzte Besuch ist gegangen, die Besuchszeit war gleich lange wie an jedem anderen Tag. Viele Geschenke sind aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Und manche hatten gar keinen Besuch. Erinnerungen an vergangene Weihnachtsfeiern, positive wie negative, kommen hoch. Man hat viel Zeit, um nachzudenken. Über das, was man gemacht hat, über das, was anders sein könnte.

Auch bei denjenigen, denen Weihnachten nichts bedeutet, ist die Stimmung bedrückt. Heiligabend fällt dieses Jahr auf einen Montag. Nach einem Wochenende ist drei weitere Tage lang „Sonntagbetrieb“ und die Insassen können nicht ihrer gewohnten Arbeit nachgehen. Freizeitbeschäftigungen sind limitiert. Langeweile macht sich breit.

An Heiligabend und Weihnachten können die Justizvollzugsanstalten den Insassen keine Weihnachtsfeier bieten, da über die Feiertage nicht die volle Belegschaft anwesend ist. Während einige Gefängnisse an Weihnachten nichts Besonderes machen, sorgen andere aber dafür, dass die Festtage hinter Gittern nicht mehr ganz so trist sind. Wie etwa die Justizvollzugsanstalten Lenzburg im Kanton Aargau und Realta im Kanton Graubünden.

Weihnachtsdekoration und eine Feier in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg

Die Justizvollzugsanstalt Lenzburg besteht aus einer Strafanstalt und einem Zentralgefängnis für Untersuchungshaft und Kurzstrafen. Die Altersabteilung ist dort ebenfalls angesiedelt. Im Zentralgefängnis wird Weihnachten kaum gefeiert, sagt Andreas Ramseier, Leiter Bildung und Freizeit. Dafür ist die Zeit, welche die Insassen dort verbringen, zu kurz. Die Gefängnisseelsorger organisieren lediglich in der Altersabteilung eine kleine Weihnachtsfeier.

In der Strafanstalt Lenzburg, in der durchschnittlich 185 Männer eine längere Strafe absitzen, sieht es anders aus. Es gibt eine Weihnachtsdekoration: Mit Kugeln geschmückte Tannenzweige in einem Gefäss, ein Holzengel im Zentrum der Anstalt und ein elektrischer Adventskalender, bei dem bis Heiligabend täglich ein neues Licht anging. Dort haben die Gefängnisseelsorger und die Leitung am Donnerstag 20. Dezember für alle, die daran interessiert waren, eine Weihnachtsfeier organisiert.

Im Gruppenraum steht ein 3.5 Meter hoher geschmückter Weihnachtsbaum, aus feuertechnischen Sicherheitsgründen mit elektrischen Lämpchen statt mit Kerzen beleuchtet. Ein Feuer könnte in einem Gefängnis verheerend sein. Am Morgen und am Nachmittag feierten jeweils 50 Menschen zusammen Weihnachten. Die beiden Gefängnisseelsorger lasen die Liturgie. Eine Musikgruppe spielte, erst Weihnachtslieder, die viele mitsangen, dann Unterhaltungsmusik.

Es gab Kaffee, Nüsse, Mandarinen und Schokolade. Von der Heilsarmee erhielten alle ein Geschenk, ein Sack mit nützlichen Sachen wie Kaffee, Lebkuchen, Socken. Die Stiftung der Justizvollzugsanstalt Lenzburg finanzierte zudem ein Weihnachtsbatzen von 50 Franken für jeden Insassen.

„Die Weihnachtsfeier wird sehr geschätzt“, sagt Andreas Ramseier, die Rückmeldungen seien sehr positiv. An der Feier nehmen nur diejenigen teil, die das möchten. Die Insassen haben die Wahl zwischen der christlichen Weihnachtsfeier, der orthodoxen Weihnacht am 8. Januar oder dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. Sie müssen an keinem Fest teilnehmen. Wer teilnehmen will, muss sich aber für eines entscheiden.

Ein feines Nachtessen und Musik in der Justizvollzugsanstalt Realta

Die Weihnachtsfeier in der Justizvollzugsanstalt Realta in Cazis fand dieses Jahr am Donnerstag, 13. Dezember statt. Die Justizvollzugsanstalt Realta verfügt über 120 Vollzugsplätze. Die Insassen sind alles erwachsene Männer. An der Weihnachtsfeier versammelten sich ab 18 Uhr alle Gefangene mit der protestantischen und katholischen Seelsorge, einer Musikband und vielen Mitarbeitern im Mehrzwecksaal der Justizvollzugsanstalt. „Es gab ein feines Nachtessen und ein Rahmenprogramm, welches durch die Seelsorge, die Direktion und die Musiker gestaltet wurde“, so Werner Trüssel, Leiter Vollzug beim Amt für Justizvollzug Graubünden.

Im Speisesaal steht ein Weihnachtsbaum. Auch Geschenke dürfen die Insassen erhalten, im Rahmen dessen, was in der Hausordnung vorgesehen ist. Besucher dürfen demnach Geschenke bis zu einem Gewicht von 2 kg mitbringen. Selbstgebackene Kuchen und Frischfleisch sind nicht zugelassen; Alkohol, Drogen und Medikamente sind verboten. Über die Weihnachtstage sind für einige Gefangene auch Urlaube möglich. Wann dies möglich ist, ist ebenfalls in der Hausordnung festgehalten.

Turniere in Deutschland, Geschenke in Frankreich

In Nachbarländern sorgen die Verantwortlichen ebenfalls dafür, dass in manchem Gefängnis so etwas wie Weihnachtsstimmung aufkommen kann.

In Deutschland feiern Häftlinge Weihnachten in den Vollzugsanstalten in Mecklenburg-Vorpommern mit Skat- und Dartturnieren sowie Würstchen und Kartoffelsalat am Heiligabend, wie das Justizministerium mitteilt.

In Frankreich wird das Mittagessen der Insassen am 25. Dezember etwas aufgepeppt, etwa um einen feinen Dessert. Und sie dürfen ein Geschenk erhalten, wobei ganz genau definiert ist, was erlaubt ist und was nicht. Esswaren und Kinderzeichnungen sind in Ordnung, Alkohol, Scheren und elektronische Geräte verboten.

Der nächste Beitrag auf dem Economic Crime Blog erscheint am 7. Januar 2019.

Frohe Festtage!


Über die Autorin

Monica Fahmy ist Ökonomin (MA UZH) und Absolventin des MAS Economic Crime Investigation. Sie ist im Vorstand der Schweizerischen Expertenvereinigung „Bekämpfung Wirtschaftskriminalität“ SEBWK.

 

 

 


 

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