Alles zum digitalen Wandel im Controlling vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Digitaler Wandel und die künftige Rolle des Controllings

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von Prof. Dr. Ulrich Egle, Dozent und Projektleiter, und Marcel Fallegger, Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Benötigt es in Zukunft noch den Controller, wie wir ihn heute kennen? Gibt es bald nur noch Finanzarchitekten und Analytics-Kompetenzzentren? Diese und weitere Fragen rund um die Digitalisierung im Controlling standen im Mittelpunkt der Controlling Konferenz 2017. Die Referenten waren sich insofern einig, dass sich das Aufgabenfeld künftig mehr in Richtung analyseorientierter Tätigkeiten bewegen wird, wozu mehr IT Know-how erforderlich ist.

In Kooperation mit dem Internationalen Controller Verein (ICV) fand am letzten Dienstag am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ die Controlling Konferenz 2017 statt. Dr. Markus Gisler, Präsident des CFO Forums Schweiz, führte gekonnt und unterhaltsam durch das Programm. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten neben aktuellen Studienergebnissen einen Einblick in die digitalen Controlling-Fragstellungen bei Alpiq, beim Zahnarztzentrum und bei der Swisscom. Weiter widmeten sich die Referate von Deloitte und EY Switzerland den aktuellen technologischen Entwicklungen und deren Potenzial für das Controlling. Abgerundet wurde das Programm durch eine Podiumsdiskussion, wo unter anderem das künftige Kompetenzprofil des Controllers diskutiert wurde.

Nach der Begrüssung durch Prof. Dr. Linard Nadig von der Hochschule Luzern und Markus Steiner, stv. Delegierter Schweiz ICV, präsentierten Prof. Dr. Ulrich Egle und Prof. Dr. Imke Keimer ihre IFZ-Studie „Digitaler Wandel im Controlling“. Sie legten dar, dass 40 Prozent der befragten Unternehmen den Digitalisierungsgrad des Controllings als mittelmässig einstufen, beinahe ähnlich viele gar als niedrig. Dabei könnten gemäss den Autoren die Qualität, die Geschwindigkeit und die Effizienz durch mehr Standardisierung und Automatisierung erheblich gesteigert werden. Zudem stellte sich im Rahmen der Befragung heraus, dass obschon die teilnehmenden Unternehmen das Potenzial von Big Data Analytics erkennen, die Auswertungsmöglichkeiten nur selten zum Einsatz kommen.

In der Folge zeigte Thomas Bucher, CFO der Alpiq Holding AG, auf, wie die Digitalisierung die Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft fundamental verändert. Demzufolge werden sich auch die Anforderungen an das Controlling wandeln. Zum einen müsse das Controlling basierend auf der Fachexpertise stärker zum Business Partner für das Management reifen. Zum anderen gelte es, die finanzielle Steuerung mithilfe der Technologie zu verbessern, z. B. indem real-time Produkte auch real-time gesteuert werden können. Trotz entsprechender Investitionen und damit verbundener Unsicherheit überwiegen gemäss Thomas Bucher die Chancen für das Controlling.

Unter dem Titel «Digitales Controlling – Die Zukunft ist heute» illustrierten Miriam Hirs und Markus Zorn von Deloitte neue Technologien, die den Controller in der täglichen Arbeit entlasten und Freiräume für wertschöpfende Aktivitäten schaffen können. Insbesondere Process Robotics und Cloud seien auf dem Wachstumspfad und ermöglichen durch Skalierbarkeit und Kosteneffizienz eine Fokussierung auf Analyse und Interpretation im Controlling. Daneben gehören gemäss den Referenten Visualization, Cognitive Computing und In-Memory Computing zu den kommenden Trends. Schliesslich wurde das Potenzial von Sprachsteuerung und Advanced Analytics anhand eines Use Cases präsentiert.

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Wie man die Digitalisierung mit Augenmass vorantreibt, zeigte Bernhard Keller, CFO zahnarztzentrum.ch, anhand konkreter Beispiele. Während das Zahnarztzentrum im Accounting (Debitoren, Kreditoren) bereits stark digitalisiert ist, werden im Controlling erste Massnahmen wie z. B. Self-Service-Tools für das Management umgesetzt. Bewusst führt man dagegen Prozesse wie das Management Reporting in einem vergleichsweise einfachen Excel-Modell inkl. Mehrjahresplanung und Szenarioanalyse aus. Bernhard Keller demonstrierte, dass KMU die Welt nicht neu erfinden müssen, sondern Cloud-Lösungen oder Mobile Apps mit bewährten Tools wie Microsoft Excel situativ kombinieren können.

Sandra Lahmann und Patrick Schacher von EY Switzerland sehen Information als vierten Produktionsfaktor, der einen rapiden Wandel und tiefgreifende Veränderungen auslöst. Darum müsse sich das Controlling einerseits an veränderte Geschäftsmodelle anpassen, andererseits schneller und agiler werden («Need for Speed»). Dies gelinge mithilfe der Automatisierung von Prozessen, wodurch auch der Aufwand in Finanzen und Controlling sinke. Für Umsetzung der Prozessautomatisierung wurde der ESSA-Ansatz vorgestellt. Hierbei werden Prozesse schrittweise eliminiert, simplifiziert, standardisiert und automatisiert. Für Letzteres stelle die robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) eine wichtige Technologie dar.

Die Frage, ob die Digitalisierung im Controlling wirklich zu fundamentalen Veränderungen führt, stand im Vordergrund des Referats von Mario Rossi, CFO der Swisscom AG. Bei Swisscom beobachte man keinen fundamentalen Wandel, sondern vielmehr ein stetiges Anpassen in kleinen Schritten. Als datengetriebenes Unternehmen sei das Geschäftsmodell von Swisscom darauf fokussiert, Technologien wie die künstliche Intelligenz einzuführen. Deshalb setzt man im Controlling auf starke Automatisierung z. B. durch RPA, eine Harmonisierung der Datenbasis sowie auf real-time und Trendanalysen. Ein besonderes Augenmerk legt Swisscom auch auf die damit übereinstimmende Weiterentwicklung der Fähigkeiten im Controlling.

Die abschliessende Podiumsdiskussion wurde von Karl-Heinz Steinke, ehemaliger Leiter Konzerncontrolling, Deutsche Lufthansa AG, moderiert und stellte die Rolle des Controllers im Spannungsfeld von Business Partner und Data Scientist nochmals zur Diskussion. Dabei kam zum Ausdruck, dass noch keine Übereinstimmung besteht, wie stark Programmier- und Statistik-Kenntnisse die Zukunft des Controllings prägen. Einigkeit herrschte hingegen, dass das der Controller noch näher an das Business heranrücken muss. Stefan Küppers, Leiter Controlling der DOSENBACH-OCHSNER AG meinte, dass dies bei seinem Unternehmen aufgrund der Umfelddynamik eine Grundbedingung darstellt. Im Rahmen der Diskussion zeigten sich auch unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf das künftige Aufgabenportfolio. Diese reichen vom Abbau von Controller-Stellen bis hin zur Übernahme zusätzlicher Tätigkeiten aufgrund ausgeprägter analytischer Fähigkeiten. Wichtig sei es jedoch – so der Grundtenor – das Controlling-Silo zu verlassen und proaktiv das Geschäft zu steuern.

Im folgenden Fotostream und unter #CONKON17 erhalten Sie einige Eindrücke zur Veranstaltung. Die Präsentationen der jeweiligen Referenten können Sie hier herunterladen. Wir hoffen, Sie an der nächsten Controlling Konferenz am Dienstag, 25. September 2018 am IFZ in Zug begrüssen zu dürfen.

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