Alles zum digitalen Wandel im Controlling vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

„Die Controller auf die Reise der Digitalisierung mitnehmen“

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von Prof. Dr. Ulrich Egle, Dozent und Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ und Markus Steiner, stv. Delegierter Schweiz Internationaler Controller Verein ICV

Die seit 1990 alljährlichen Controller-Tagungen der Schweizer Arbeitskreise des Internationalen Controller Vereins (ICV) werden künftig in Kooperation mit dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern – Wirtschaft durchgeführt. Wir verbinden praktische Erfahrung mit den neuesten Forschungsergebnissen. Dieses Wissen stellen wir den Controllern und finanzinteressierten Praktikerinnen und Praktikern zur Verfügung und leisten somit einen Beitrag zur nachhaltigen Wertsteigerung der Unternehmen.

Bei der ersten gemeinsamen Tagung beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Controlling. An der Konferenz wird die Studie „Digitaler Wandel in der Schweiz“ präsentiert und ausgewiesene Referenten berichten aus der Praxis über ihre Erfahrungen im Themenfeld Digitalisierung und Controlling.

Herr Steiner, die Controller-Konferenz wird dieses Jahr gemeinsam mit dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ durchgeführt. Warum haben Sie sich vom ICV für eine Kooperation mit dem IFZ entschieden?
Wir führen die Controller Tagung der Schweizer Arbeitskreise des ICV bereits seit über 25 Jahren durch. Nun wollen wir etwas Neues ausprobieren, mit einem Kooperationspartner wird frischer Wind in die Veranstaltung kommen. Das IFZ ist ein interessantes Institut, das sich mit einigen der Themen, die wir im ICV behandeln, ebenfalls und mit grosser Expertise beschäftigt. Da liegt es nahe, die Veranstaltung gemeinsam durchzuführen.

Was dürfen die Teilnehmenden von der Konferenz erwarten?
Das Thema der Digitalisierung ist derzeit sehr präsent. Immer mehr Experten, Medien und Veranstaltungen befassen sich mit den Chancen und Risiken der digitalen Transformation bzw. disruptiven Veränderung für Unternehmen jeglicher Branchen aber auch für unsere Gesellschaft. Es stellt sich dabei nicht die Frage des „ob“, sondern des „wann und wie“. Wir werden uns an der Konferenz spezifisch auf den Impact der Digitalisierung auf das Controlling konzentrieren und dabei nach einigen Impulsvorträgen eine kritische Debatte führen, welche Potenziale denn nun wirklich für wen bestehen und welche nächsten Schritte geplant sind.

Welchen Mehrwert erhalten die Teilnehmenden an der Konferenz?
Unsere Teilnehmer werden von CFOs und Controllingexperten grosser namhafter Schweizer Unternehmen hören, was in der Praxis von diesem Thema zu erwarten ist und wie damit derzeit und vor allem zukünftig umgegangen werden soll. Denken Sie nur an Themen wie „Big Data im Controlling“, zu denen seit einigen Jahren publiziert und geforscht wird – echte Anwendungsfälle in der Praxis sehen jedoch meist anders aus. Dennoch bildet diese Technologie eine wesentliche Grundlage für die Digitalisierung. Das IFZ führt eine breit angelegte Studie zum Thema durch. Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die an der Konferenz vorgestellt werden. Die Teilnehmer werden zudem ausreichend Zeit finden für persönliche Gespräche mit den Referenten, Tagungsteilnehmern und Lösungsanbietern.

In einer Partnerschaft bringen zwei Seiten etwas ein. Was darf seitens des ICV erwartet werden?
Im ICV arbeiten wir seit geraumer Zeit an grossen Themen wie Digitale Transformation, Industrie 4.0, Business Intelligence und Big Data sowie Business Analytics. Unsere Ideenwerkstatt und Fachkreise forschen mit Partnern aus Wissenschaft, Beratung und Praxis hierzu, unsere Branchenarbeitskreise werfen ein spezifisches Licht darauf und in regionalen, branchenübergreifenden Arbeitskreisen werden die Themen „live aus der Praxis“ gespiegelt und diskutiert. Die Teilnehmer werden an diesen Erkenntnissen an der Konferenz u. a. durch die Podiumsdiskussion partizipieren.

Wo stehen Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung im Controlling?
Die Digitalisierung der Geschäftsmodelle steht sicherlich erst am Anfang, natürlich kennt man vor allem Pioniere wie Amazon, Uber oder FinTech Unternehmen. Die Mehrzahl orientiert sich aber noch. Auch die Digitalisierung des Controllings ist in ihrer Umsetzung noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn bei jeder Gelegenheit davon geredet wird und die eher dunklen Seiten der Szenarien Beachtung finden. Das mag alles provokant erscheinen, schliesslich spielt Datenverarbeitung mit IT im Finanzbereich seit langem eine bedeutende Rolle. Jedes Unternehmen sollte ja mittlerweile eine solide Ausstattung an Basis- und Fach-IT im Hause haben – da scheint doch schon alles digitalisiert?! Begriffe wie „Integrierte Systeme“ und „Automation“ haben jedoch eine sehr dehnbare Bedeutung – hier liegt definitiv Optimierungspotenzial!

Der ICV erklärt in seinen Statements, das Controlling selbst als Business Partner des Managements sei in doppelter Weise von der Digitalisierung betroffen. Wie ist das gemeint?
Der moderne Controller sollte einerseits die Implikationen der digitalen Transformation auf die Wertschöpfungskette und das Geschäftsmodell seines Unternehmens verstehen und bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle massgeblich seine Methodenkompetenz einbringen können. Die ICV Ideenwerkstatt hat sich beispielsweise damit befasst, wie das Controlling in den Phasen der Geschäftsmodellentwicklung und -umsetzung unterstützen kann, von der Ideenselektion bis zum Performance Management in der Wachstumsphase. Die Digitalstrategie der Lufthansa wird als interessantes Beispiel aufgeführt.
Andererseits sollte der heutige Controller auch seine eigenen Prozesse und Methoden der Analytik und Planung verbessern in Bezug auf Effizienz und Qualität – Business Intelligence und Big Data bieten ihm hierfür neue Möglichkeiten. Auch das heutige Tätigkeitsprofil eines Controllers wird ändern. Im ICV Arbeitskreis Zürich-Ostschweiz haben wir hierzu den Fachkreis BI/Big Data und Controlling eingeladen und Chancen und Risiken kontrovers diskutiert.
Schweizer Controller haben grosses Interesse am Thema Digitalisierung im Controlling, gut zu erkennen an der hohen Teilnehmerquote aus der Schweiz am ICV Congress der Controller in München im Mai 2017, mit bis zu 600 Teilnehmern seit Jahren die führende Controlling-Fachtagung im zentraleuropäischen Raum.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen beim digitalen Wandel im Controlling?
Die digitale Veränderung im Geschäftsmodell kann sehr tiefgreifend sein, diese wird wiederum das Controlling beeinflussen. Entscheidend wird sein, welche Antwort das Controlling darauf findet, gleichzeitig weiterhin wertschöpfender Co-Pilot eines neuen Business zu sein, als auch selbst durch den digitalen Wandel effizienter und besser zu werden. Beides gleichzeitig zu stemmen, ist die zentrale Herausforderung. Als spezifische Herausforderungen sehe ich, die Controller erfolgreich auf diese Reise mitzunehmen, schliesslich werden Stellenprofile und Anforderungen ändern, nehmen Sie nur das Berufsbild des Data Scientist im Controlling. Zudem müssen wir die richtige Veränderungsgeschwindigkeit finden. Mit der künstlichen Intelligenz im Controlling tun sich meines Erachtens noch die meisten schwer – abgesehen von Predictive Controls z. B. im Rahmen eines IKS zur Unterstützung von Compliance oder Datenqualität. Welche weiteren Anwendungsfälle kann es geben? Welches Differenzierungspotenzial liegt hier für das Unternehmen selbst? –  Dies ist meines Erachtens die spannendste Herausforderung. Nicht zu unterschätzen ist schlussendlich der initiale Invest und Aufwand, neue IT Lösungen zur Unterstützung der Digitalisierung einzuführen. Für die Fachspezifikation von Business Rules oder sogar Algorithmen benötigen Sie ein fähiges und motiviertes internes Projektteam, dass das Geschäft und die Prozesse kennt. Diese Experten werden nach Einführung wiederum für die Pflege dieser Business Rules benötigt, deren Wartungsaufwand vermutlich aufgrund der erhöhten Komplexität der Business Logik nicht sinken wird. Gleichzeitig steht hinter der Digitalisierung auch meist ein Cost Saving Case – das in Einklang zu bringen, wird nicht immer einfach sein.

Wie können wir das Controlling für die digitalen Veränderungen fit machen?
Viel darüber diskutieren und Austausch suchen! Ganz so einfach ist es jedoch leider nicht, wir müssen das Thema ganzheitlich angehen: Das Target Operating Model des Controlling mit Organisation und Tätigkeitsprofilen, Prozessen, Methoden und Systemen muss überprüft und entsprechend angepasst werden. Das ruft also nach Projekten, vor allem aber auch nach Change Management – Bewusstsein für die Transformation zu schärfen, auch Befürchtungen zu adressieren und Buy-in und Befähigung der Controller sicherzustellen, um diesen Wandel selbst zu tragen.

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf die bevorstehende Tagung am meisten?
Neue Persönlichkeiten kennenzulernen und unsere Mitglieder an einem neuen Ort in einem neuen Tagungsformat wiederzutreffen. Ausgestattet mit wertvollen Inputs zu diesem hochaktuellen Thema, das irgendwie alle betrifft, neue Ideen und Erfahrungen in persönlichen Gesprächen zu bekommen – das macht mir besonders Spass.

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