„Wenn ich gross bin, möchte ich YouTube-Star werden“

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Vor 20 Jahren wollten Kinder noch Polizist, Autorennfahrer oder Prinzessin werden. Wenn man heute Kinder nach ihren Berufswünschen fragt, kommen Antworten wie „Ich will YouTuber werden“, „etwas mit Social Media“ oder  „Ich will Influencer werden“. Das stellt nicht nur Eltern vor eine Herausforderung, sondern zeigt, was stark sich „Kind-sein“ durch die Digitalisierung verändert hat.

Immer mehr Jugendliche erkennen die Möglichkeiten, die ihnen durch das Internet geschafft wird. So nutzen «Digital Natives» die Apps jeden Tag und versprechen sich damit ein schönes Leben in Zukunft. Sie beobachten über Apps, wie Influencer durch die Welt reisen, Geschenke von Firmen erhalten und damit offenbar auch noch ordentlich was verdienen. Zudem kennen sie berühmte Personen und unternehmen jeden Tag etwas anderes – ein offenbar abwechslungsreicher, prickelnder und auch noch gut bezahlter Job.

Mini-YoutTube Star

Wenn Kinder zu Influencern werden Quelle: https://www.wuv.de/digital/mini_youtube_stars_die_kinder_influencer

Blamage im Web

Dass das vorgelebte Leben auf den sozialen Medien die Kids und Jugendlichen von heute dazu animiert, sich selbst im Netz zu zeigen und sein Leben zu teilen, um Teil der Online-Community zu sein, könnte man beinahe schon als normale Entwicklung ansehen. Dazu kommt die Angst, etwas zu verpassen. Dafür gibt es sogar einen Begriff: FOMO («fear of missing out»), was so viel bedeutet, wie die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen und nicht auf dem Laufenden zu sein. Immer mehr steht der Begriff in Zusammenhang mit der Nutzung von Social Media. Diese Angst kann auch zu einem krankhaften Suchtverhalten führen. Die Anzeichen dafür sind Niedergeschlagenheit und Frustration, Nervosität, das immerwährende Verlangen, online zu sein und zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten. Doch das ist nur eine der Risiken, wenn sich Kinder im Netz bewegen und berühmten Influencern nacheifern und ihr Leben selbst im Netz teilen. Den das Internet vergisst nie. Was einmal gepostet, geteilt oder kommentiert wird, bleibt drin. Auch wenn es «gelöscht» werden kann – wer sich auskennt, findet auch das wieder. Gerade Jugendliche können schnell die Kontrolle verlieren, was mit den veröffentlichten Inhalten geschieht. Bilder können von anderen Nutzern nicht nur angesehen, sondern auch kopiert, heruntergeladen und bearbeitet werden. Davon nicht fern ist dann schlussendlich der Begriff Cybermobbing. Unter Jugend und Medien finden Eltern umfangreiche Informationen zum Thema. Wichtig ist vor allem die Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen auf die umfangreichen Gefahren im Netz. Hierzu sollten vor allem auch Themen wie der Schutz der Privatsphäre und das Bewusstsein für den Umgang mit socialen Medien zu stärken.

Vom Hobby zum Beruf?

Das durch diese erfolgreichen Influencer natürlich auch die Kids und Jugendlichen von heute auf den Geschmack kommen und den Berufswünschen «Influencer» haben, ist schlussendlich eine logische Konsequenz. Doch ist es wirklich ein Job? Berufs-, Studien- und Laufbahnberater Adrian Wollschlegel ist der Meinung, dass es sich wohl eher um ein Hobby handle, dass schlussendlich zum Beruf wird. Er fügt jedoch an, dass nur sehr wenige wirklich davon leben können.

Die meisten Eltern werden bei diesem Berufswunsch zusammenzucken oder schenken dem ganzen zu wenig Bedeutung. Doch genau das Gegenteil sollte der Fall sein. Solche Wünsche sollten durchaus ernst genommen werden, denn wer die Wünsche ergründet und schaut, was dahintersteckt, wird seinem Kind bei der Suche nach einer passenden Ausbildung besser unterstützen können. Will also ein Jugendlicher etwas mit «Internet» machen, dann gibt es viele passende Grundausbildungen im Bereich IT, Webentwicklung bis hin zum Kaufmann. Oder wer sich mehr für «YoutTube» interessiert und die Videos der berühmten Influencer anhimmelt, für den könnte eine Ausbildung zum Mediengestalter eine gute Basis sein. Möchte jemand ebenfalls Beauty- & Schminktipps geben, für den könnte «Kosmetikerin» eine gute Basis bilden. Wichtig ist auf jeden Fall, gut zuhören, ergründen und bei der Berufswahl mitwirken.

Neuer Lehrgang in der Schweiz: «Digital Influencer»

Seit Oktober 2018 gibt es an der «Swiss digital influencer academy» einen neuen Diplomlehrgang zur/zum «Digital Influencerin/Influencer». Die Kosten dafür belaufen sich auf CHF 4’999.- und nach 40 Unterrichtstagen mit insgesamt 400 Lektionen kann man sich schlussendlich «Digital Influencerin/Influencer» nennen. Dabei soll vor allem aufgezeigt werden, wie viel Arbeit hinter dem Job steckt, so Ralph Kohler, Studienleiter des Diplomlehrgangs. Zudem gehören auch das Schreiben von professionellen Texten, Bildbearbeitung, Videoproduktion, Marketing und Medienrechte zum Ausbildungsprogramm.

Beim «aks!-Beratungsdienst für Ausbildung und Beruf» im Aargau gibt es jedoch keine genaueren Informationen zu diesem Diplomlehrgang. Noch ist es nicht als Grundausbildung anerkannt. Auch Michèle Krüsi, eine der Top-Influencerin der Schweiz, ist nicht der Meinung, dass man «Influencer sein» lernen kann. Wer ein wirklicher Influencer sein will, der brauche vor allem Leidenschaft für das, was er tut und für die Themen, zu denen er bloggt und Posts kreiert. Heute stehen jedoch mehr die Berühmtheit und das Geld im Vordergrund. Deshalb würde sie auch allen Jugendlichen empfehlen, zuerst eine klassische Ausbildung zu machen. Den der Arbeitsalltag von Influencern besteht nicht aus Ausschlafen, sich nett anziehen, Fotos machen, Reisen und Cüpli-Events. Es bedeutet in der Regel viel Arbeit am PC, auch am Wochenende und vor allem regelmässig. Dadurch relativieren sich oft auch die Ferien. Denn nur wer dranbleibt und sich selber anspornt, kommt weiter, da es genauso schnell Enden kann, wie es begonnen hat, so Michèle Krüsi.

 

Quellen:

https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article173990763/Wenn-Kinder-als-Berufswunsch-YouTube-Star-angeben.html

https://www.luzernerzeitung.ch/international/traumberuf-influencer-jetzt-gibt-es-sogar-lehrgaenge-in-der-schweiz-ld.1091722

https://www.jugendundmedien.ch/digitale-medien/soziale-medien.html

https://www.wuv.de/digital/mini_youtube_stars_die_kinder_influencer

Quelle Headerbild:

https://www.schau-hin.info/studien/studie-zeigt-influencerinnen-beeinflussen-jugend/

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Tanja Waller

Masterstudentin, Digital Project Leader und engagiertes Vereinsmitglied im Sportverein - das bin ich.

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