Auswirkungen von Sprachassistenten auf unseren Alltag

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„Hey Siri, wann fährt der nächste Zug von Luzern nach Zürich?“ – „Der nächste Zug von Luzern nach Zürich fährt um 17:10 auf Gleis 6.“ Eine Konversation, die ich kürzlich im Bus mitbekommen habe. Noch vor zwei Jahren wäre ich verwundert gewesen, doch inzwischen scheint es schon ganz normal zu sein, sich mit einem elektronischen Gerät zu unterhalten. Doch hat diese Entwicklung Auswirkungen auf den Kontakt zwischen realen Personen?

Die Einsatzbereiche von Sprachassistenten sind trotz des frühen technologischen Stadiums schon jetzt breit gefächert. Die zunehmende Verbreitung und Weiterentwicklung von elektronischen Sprachassistenten liegt wohl auch daran, dass die Sprache die natürlichste Form der Interaktion für uns Menschen darstellt. Und weil uns das Sprechen deutlich schneller von den Lippen geht als das Tippen von Hand, ist die Suche per Voice Search weit effizienter und schneller.

Praktische Helfer

Dass Sprachassistenten praktisch sind, steht ausser Frage. Alexa, Cortana, Siri oder Bixby sind immer da und helfen in jeder Situation und Lebenslage. «Siri, wie ist das Wetter morgen?» oder «Alexa, wo ist das nächste italienische Restaurant?». Es braucht nicht mehr als eine mündliche, verständlich formulierte Frage und schon ertönt die erwünschte Antwort. Zum Beispiel auch im Auto kann einem der Sprachassistent hilfreiche Dienste erweisen, indem er während der Autofahrt via Sprachbefehl eine gewünschte Person anruft oder das Lieblingslied abspielt. Dies ist nicht nur praktisch, sondern auch sicherer. Also, alles gut und recht, oder?

Unaufhaltbare Entwicklung

Lange Zeit schien es, als wären Sprachassistenten bloss ein kurzfristiger Trend oder eine Modeerscheinung, welche nicht lange anhalten würde. Doch inzwischen wird in fast jedes elektronische Gerät eine Sprachsteuerung eingebaut, welche verspricht, einem das Leben zu vereinfachen. In Autos, in Handys, im Fernseher und so weiter. So werden wir ständig von Geräten umgeben, die uns jederzeit zur Verfügung stehen, um Hilfe zu leisten. Sprachassistenten nisten sich zunehmend im Alltag ein. Dies wird auch von aktuellen Statistiken untermauert: 15% der Schweizer Bevölkerung nutzen bereits einen Sprachassistenten und 28% signalisierten ihr generelles Interesse an dieser digitalen Alltagserleichterung (Statista, online). Weltweit nutzen über 700 Millionen Menschen einen digitalen Sprachassistenten. Die Nutzerzahl soll sich bis 2020 mehr als verdoppeln (BLM Plus, online). Was bedeutet diese Entwicklung für den Alltag? Welche Auswirkungen haben Sprachassistenten auf das Zwischenmenschliche?

Auswirkungen auf die zwischenmenschliche Kommunikation

Wenn die Prognosen stimmen und sich die Sprachassistenten mehr und mehr in unserem Alltag integrieren, ist davon auszugehen, dass dies auch das gesellschaftliche Zusammenleben beeinflussen wird. Zwar sind wir in der Lage, Mensch und Technik noch immer leichter voneinander abzugrenzen. Gängige Sprachassistenten wie Siri oder Alexa hört man noch deutlich an, dass es sich um Computer-Stimmen handelt. Doch je echter Sprachassistenten oder Roboter werden, desto eher sind sie auch in der Lage, Menschen emotionale Unterstützung zu gewährleisten. Statt einen Freund beizuziehen wird in Zukunft bald ein sprechender Roboter nach Rat zu fragen?

Aufwachsen mit Sprachassistenten

Auch die zukünftigen Generationen, welche möglicherweise mit Sprachassistenten aufwachsen werden, werden durch die smarten Helfer geprägt. Werden Kleinkinder ihre ersten Worte von einem Computer lernen? Oder überlassen vielleicht überforderte Eltern das Vorlesen eines Buches einem Sprachassistenten? Es werden schon Befürchtungen breit, die besagen, dass Höflichkeiten künftig einer monotonen Befehlssprache weichen. Weder Google Home noch Cortana verlangen ein «Bitte» oder «Danke», einfach nur eine präzise Fragestellung oder einen Befehl. Das Reden mit Sprachassistenten erfordert keine Manieren. Zudem unternimmt eine digitale Sprachhilfe keine erzieherische Massnahmen und erteilt keine Zurechtweisungen. Was gesagt wird, wird ausgeführt. Gerade wenn Spielzeug mit digitalen Sprachassistenten ausgestattet wird, wäre es nicht verwunderlich, wenn die Kinder die Art mit ihnen zu kommunizieren in das echte Leben implementieren würden. Gerade die Vielseitigkeit der Sprache würde darunter leiden; Dialekte, Redewendungen Floskeln würden zunehmend verschwinden.

Ob die genannten Befürchtungen tatsächlich gerechtfertigt sind, ist schwer abzuschätzen. Fest steht aber, dass der Fortschritt der digitalen Sprachassistenten nicht aufzuhalten ist und wir uns Gedanken darüber machen sollen, ob und wie wir Siri und Co. in den Alltag einbinden möchten. Was wohl fest steht, ist, dass die digitale Kommunikation – egal in welcher Form – biologisch Echte niemals ersetzen kann. Natürliche Kommunikation läuft sowohl verbal als auch nicht-verbal ab. Mimik, Körperhaltung, Geruch, Gestik, Sprachmelodie, simpler Augenkontakt sind nur einige von vielen weiteren Informationsquellen, deren Bedeutungen nicht unterschätzt werden darf.

 

Quellen:

Lins, V. (2018). Digitale Sprachassistenten: Wie Alexa und Co Sprache und Gesellschaft verändern. BLM Plus. Abgerufen am 02.04.2019 von https://blmplus.de/digitale-sprachassistenten-wie-alexa-und-co-sprache-und-gesellschaft-veraendern/

Unsplash (ohne Datum).  Jason Rosewell. Abgerufen am 02.04.2019 von https://unsplash.com/photos/ASKeuOZqhYU

Statista (2019). Verwenden Sie einen Sprachassistenten wie Siri oder Google Now auf Ihrem Smartphone? Abgerufen am 02.04.2019 von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/977778/umfrage/umfrage-zur-nutzung-von-sprachassistenten-in-der-schweiz/

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Sara Wildhaber

Mein Herz schlägt fürs Malen und Zeichnen, Aquarellfarben, veganes Essen, Eckhart Tolle, laue Sommerabende, Powerlifting, lange Wanderungen, Hunde und Baby-Ziegen.

2 Kommentare

    • Sara Wildhaber
      Sara Wildhaber on

      Ja, es ist tatsächlich beunruhigend. Manchmal würde man die technischen Entwicklungen doch gerne etwas verlangsamen…

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