#Gamexcism: Was Palina Rojinski’s Brüste und Google gemeinsam haben

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Der Sexismus und TV-Entertainerin Palina Rojinski sind – wie soll man sagen – fast schon Busenfreunde. Allerdings eine dieser Freundschaften, die recht einseitig ist, die man gerne gegen einen Welpen, eine Handtasche oder auch einfach ein Stück Kuchen eintauschen würde. Aber man wird sie einfach nicht los. Nach zahlreichen niveaulosen und unangebrachten Kommentaren zu ihren «geilen Eutern» entschied sich Palina kurzerhand, den Spiess umzudrehen. Die Geburtsstunde ihres freizügigsten Bildes… Was sich bei der Betrachtung des berühmten «Full Pictures» dann doch nur als Pointe mit einem Mitarbeitenden herausstellte.

Danke Palina, für diese wundervolle Aktion

 

Solche humorvollen Gegenattacken aber auch ernste Bewegungen wie #metoo zeigen klar – es gibt ein ernsthaftes Sexismus Problem. Umso anonymer, umso deftiger die Kommentare. Und was ist anonymer, als das Internet? Denn nicht nur auf Social Media, sondern auch in Gaming Foren ist Sexismus omnipräsent. So geben 36% der Gamerinnen an, dass sie bereits einmal wegen sexistischen Vorfällen mit ihrer Leidenschaft aufhörten. #Gamexcism, also Gaming + Sexismus. Streamerin Chenelle macht in ihrem Blog zu Gamexcism sichtbar, was sie sich jedes Mal wenn sie sich einloggt, anhören darf.

Falls du dir jetzt gerade denkst:

«Echli herter» ist in anderen Worten “Du dumme N****, ich schlag dir die Fresse ein, bis dir alle Zähne rausfallen und du verreckst!” und geht bis zu unerwünschten Nacktbildstrecken. (Mehr dazu lesen) 

«Da cha ig ou nüt ändere». Sollten wir aber! Denn Sexismus bleibt nicht in Hollywood, Social Media oder Gaming Foren. Sexismus geht weiter in die reale Welt, in denen «sex sells» und Äusserlichkeiten vermeintlich nichts zu suchen haben. Das Vorzeigekind unter den Wirtschaftszweigen, die Techindustrie, bietet dafür zahlreiche Beispiele:

Liesl Yearsley, Firmengründerin im Silicon Valley und Expertin im Bereich Künstlicher Intelligenz erzählt, wie sie in Sitzungen ignoriert wird und sich Sätze wie «Geh, meine Liebe, und überprüf die Klickraten. Wir Männer kümmern uns um das Geschäft» anhören darf. Frauen aus dem Silicon Valley erzählen, dass sie als Investoren nicht ernst genommen würden. Und Silicon Valley Top Investor Dave McClure schreibt auf Facebook scheinbar unbehelligt eine Frau an: er wisse nicht, ob er sie einstellen oder anbaggern solle.

Von nerdigen Gamern zu Silicon Valley Stars?

Böse Zungen würden nun gar behaupten, es gebe zwischen diesen beiden Welten einen Zusammenhang. Natürlich wird nicht jeder Gamer ein Silicon Valley Star. Und genau so wenig ist jeder Gamer oder Silicon Valley Star sexistisch. Wenn aber online Diskriminierung Normalität ist, müssen wir umso wachsamer sein, dass diese Normalität sich nicht in die Unternehmenskulturen der Digital Economy überträgt.

Deshalb schauen wir uns das schillernde Silicon Valley aus einem weiblichen Blickwinkel an. Dominiert von weissen Männern und Machokultur. Denn der Gendergap in der Tech Industrie ist keine feministische Verschwörung, sondern eine knallharte Tatsache.

Der Männerüberschuss in der IT-Branche habe «biologische Gründe. Frauen sind von der Evolution benachteiligt und deshalb weniger geeignet für Programmierjobs», erklärt ein Google-Ingenieur. Er wurde gefeuert, weshalb ich gerne einen etwas kompetenteren Ansatz aufzeigen würde. Robin Hauser Reynolds hat sich über ein Jahr mit dieser Thematik beschäftigt und vier Gründe für die Gender Gap in der Techindustrie gefunden:

1. Kultur

Stell dir den typischen Software Engineer vor. Wie sieht er aus?

Stereotyp eines Software Engineers im Silicon Valley – erstaunlich zutreffend für viele der Männer.

Und was ist mit ihr?

2. Wenig Vorbilder

Steve Jobs, Elon Musk, Bill Gates, Mark Zuckerberg. Diese Namen sagen vermutlich jedem etwas. Klar, es gibt auch Frauen in hohen Positionen. In den Fortune 500 befinden sich 25 weibliche CEO’s. Davon in Tech Unternehmen? Drei. Meine Damen und Herren. Drei. Dafür brauche ich nicht einmal meine zweite Hand, um das mit meinen Fingern anzuzeigen.

Eigene Darstellung der Geschlechterverteiung der Fortune 500 Führungskräfte. War nicht so schwierig, bei diesen kleinen Zahlen 😊

–             Gail Boudreaux — Anthem

–             Ginni Rometty — IBM

–             Safra Catz — Oracle

3. Weniger Fachkräfte

Es gibt effektiv weniger Frauen, die technische Studiengänge abschliessen. Teilweise ist das auch wieder den eingesessenen Rollenbildern geschuldet. Diese wirken sich unbewusst noch immer auf die empfundene Zugehörigkeit aus. Klar, wenn einem ein Thema extrem stark interessiert, spielt die Klassenzusammensetzung keine Rolle. Aber immer beeinflusst die Gesellschaft aber auch beispielsweise das Männerfokussierte Marketing in der Gaming Szene extrem stark das Bild davon, «Wer was kann» oder «soll».

4. Sexismus

In der realen Welt nicht mehr so offensichtlich wie früher. Und trotzdem präsent. So entliess Uber kürzlich Manager wegen Sexismusvorwürfen. Und Google durfte sich über einen neuen Hashtag freuen: Unter #GoogleWalkout demonstrierten weltweit Tausende gegen die Diskriminierung und den Sexismus, der ein Teil der sonst so umschwärmten Google Kultur sei.

 

Wallstreet? Silicon Valley!

Ich arbeite nicht für Google. Geht mich nichts an. Aber die grossen Sternchen am Wirtschaftshimmel heissen nun einmal Google, Facebook, Amazon und Apple. Tech Firmen werden als fortschrittlich und vorbildlich betrachtet. Und das sind sie auch. Und sollten es auch in Genderthemen sein. Denn diverse Teams sind erwiesenermassen produktiver, haben einen höheren kollektiven IQ und erreichen somit mehr.

Sexismus und Gendergap sind nicht nur Online, sondern auch in der ganzen Digital Economy ein Thema. Diversity Abteilungen sind ein erster Schritt. Aber schlussendlich müssen auch wir als Mitarbeitende und zukünftige Leader dieses Thema aktiv angehen. Wir laden euch ein, gemeinsam mit uns am Diginect Event der Hochschule Luzern zu diskutieren und Lösungen zu finden. So können wir unseren Beitrag leisten, dass die mühsamen Genderdebatten hoffentlich bald der Vergangenheit angehören. Teilt unseren Beitrag, kommentiert und vor allem kommt an unser Event – nur so schaffen wir es, gemeinsam etwas zu ändern.

 

PS: Palina Rojinski’s Brüste und Google haben beide mit Sexismus zu kämpfen. Der Unterschied? Palina sollte sich weder damit rumschlagen müssen, noch sollten ihre Brüste in irgendeinem Artikel eine Rolle spielen.

 

Quellen

https://ideas.ted.com/4-reasons-women-dont-thrive-in-tech-and-what-we-should-do-about-them/

https://www.srf.ch/news/international/googlewalkout-google-mitarbeiter-protestieren-gegen-sexismus

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/sexismus-im-silicon-valley-im-tal-der-machos

https://www.businessinsider.com/fortune-500-companies-women-ceos-2018-8?r=US&IR=T#safra-catz-oracle-6

https://www.instagram.com/palinski/

https://www.prosieben.ch/tv/late-night-berlin-mit-klaas-heufer-umlauf/video/20196-palina-prankt-perverse-mit-fake-busen-clip

https://readwrite.com/2014/05/02/soma-street-style-hbo-silicon-valley/

https://readwrite.com/2014/06/09/silicon-valley-women-street-style/

 

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naomiromanutti

Meine Welt ist digital und unsere Zukunft intelligent. Ich bin gewappnet mit Expertise und Kreativität meinen Beitrag zu leisten. Bei der IBM arbeite ich als Marketing Assistentin am Puls der neusten Technologien. In meinem Masterstudium an der HSLU in Business Administration, Online Business & Marketing baue ich mein Fachwissen auf. FOLGE MEINER LEARNING JOURNEY ZU KÖPRERSPRACHE AUF LINKEDIN UND TEILE MEINE BEITRÄGE.

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  1. Pingback: #Gamexcism – Warum wir mehr über Sexismus im Internet sprechen müssen

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