Hacker: Kriminelle oder Superhelden?

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Die Vorteile, welche die Nutzung des Internets täglich mit sich bringt, sind unbestritten. Doch so sind es auch die Schattenseiten und die damit verbundenen Ängste. Besonders die Angst vor dem Klau von sensiblen Daten durch Hacking nimmt zu. Was also sollen Hacker mit Superhelden gemeinsam haben?

Zwischen Recht und Gerechtigkeit

Genau wie Superhelden zeichnen sich auch Hacker nicht dadurch aus, dass sie spezielle Fähigkeiten haben, sondern vielmehr durch ihre Taten und Motive. Zudem stehen sowohl bei Hackern als auch bei Superhelden Recht und Gerechtigkeit nicht immer auf der gleichen Seite. Dies gilt vor allem dann, wenn Hacker die sozialen und technischen Werte, der in der Hackergemeinschaft geltenden Hackerethik leben.

Spider Man schwingt sich an Spinnenfäden durch die Wolkenkratzer und schützt mit seinen besonderen Fähigkeiten die Bürger von New York City vor dem Bösen. Begleitet vom Kredo «Aus grosser Kraft folgt grosse Verantwortung» beweist er dem Typus des Superhelden entsprechend grossen Mut und edlen Charakter im Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Auch stellt er sich als Individuum zurück, um dem Gemeinschaftswohl zu dienen. Bei Spider Man wird dies symbolisiert durch den Verzicht auf die grosse Liebe, um eben Menschenretter zu sein. Und trotz edlem Vorhaben befindet sich die Marvel-Ikone in seinen Handlungen oft ausserhalb der Legalität.

Eine Untersuchung von Brettel, Rau & Rienhoff (2016) von Superhelden-Verfilmungen zeigt, dass viele Handlungen von Superhelden in einem realen Rechtsstaat als Straftaten einzustufen wären. Bei Superhelden gilt jedoch die moralisch nicht anzweifelbare Absicht: Der Zweck heiligt die Mittel, obwohl sie eigentlich Kriminelle sind.

Hackerethik

In der Hackerkultur ist die Bezeichnung «Hacker» ein respektvoll anerkennender Ausdruck. Dieser wird von der Szene erst verliehen, wenn sich eine Person durch ihre Identifikation mit den kulturellen Werten und Besitz hinreichender Fachkenntnisse als solcher bewiesen hat.

Bereits 1984 räumte der Journalist Steven Levy in seinem Buch «Hackers – Heroes of the Computer Revolution» den Hackern Heldenstatus ein. Und zwar aufgrund deren Beitrag zur Schaffung des Internets und Entwicklung des PC’s.

In diesem Buch wurde auch zum ersten Mal eine Hackerethik dokumentiert. Diese beschreibt noch heute das oft szenenübergreifende geltende Verständnis zum Hacken. Dieses umfasst die Idee, dass das Individuum verpflichtet ist, sich in den Dienst des Gemeinschaftswohl zu stellen. Diese Hackerethik formuliert folgende Prinzipien:

  • Alle Informationen sollen frei zur Verfügung stehen.
  • Misstraue Autorität — fördere Dezentralisierung.
  • Hacker sollen aufgrund ihrer Hacking-Fähigkeiten beurteilt werden und nicht aufgrund betrügerischer Kriterien wie Diplome, Alter, Herkunft oder Rang.
  • Du kannst Kunst und Schönheit auf einem Computer kreieren.
  • Computer können dein Leben zum Besseren verändern.

In Levys Worten verlangen die Werte der Hackerethik, dass «der Zugang zu Computern – und allem was dir vielleicht aufschlüsselt wie die Welt funktioniert – unlimitiert und vollständig» sein soll. Die Gemeinschaft der Hacker sieht sich gestützt durch diese Werthaltung als Rebellion gegen Autoritäten, welche dieses Level an Informationsfreiheit untersagen. Denn nach schweizerischem Recht handelt es sich bei der unentdeckten Schaffung dieses Zugangs um eine Straftat.

Nutzt ein Hacker unbemerkt Sicherheitslücken aus und macht die dabei gewonnenen Daten der breiten Öffentlichkeit zugänglich, um damit beispielsweise auf vermeintliche Missstände hinzuweisen, bezeichnet das die schweizerische Kriminalprävention als Hacktivismus.

Vom kreativen Nerd zum Bösewicht

Der Hacker war nicht immer Bösewicht. Ursprünglich stand der Begriff für kreative Nerds, die mit ihrer Hingabe zum Umgang mit Technik und ihrer Originalität die Grenzen des Machbaren erkunden. Erst seit den Achtzigerjahren wird der Hacker mit der Cyber-Kriminalität in Verbindung gebracht.

Die Wendung kam 1982 mit den Schlagzeilen um die «414s». Eine Gruppe von sechs Teenagern, die in den USA mehrere Computersysteme hackte. Darunter auch das System eines Kernwaffenforschungslabor. Die Öffentlichkeit war schockiert. Das FBI ermittelte und fasste die Verantwortlichen. Worauf der erste grosse Prozess gegen Hacker folgte.

Von da an wurde der «Hacker» durch die Massenmedien in der Alltagssprache kriminalisiert. Bis heute wird der Begriff kaum differenziert und vorwiegend zur Bezeichnung von Cyber-Kriminellen genutzt.

White-, Grey- und Black-Hat

Gleich wie bei Superhelden stehen auch bei Hackern Recht und Gerechtigkeit oft nicht auf der gleichen Seite. Entscheidend ist ihre Motivation und Loyalität zu den Gesetzen. Inspiriert von alten Western-Filmen, bei denen der Bösewicht einen schwarzen und der Gute einen weissen Hut trägt, werden Hacker nach ihrem metaphorischen Hut unterschieden: Black-Hat, White-Hat und Grey-Hat.

Wie alle Hacker besitzen die Black Hats ein umfangreiches Wissen wie man in Computersysteme einbricht und Sicherheitsvorkehrungen umgeht. Oft ist ihre Motivation dabei kommerzieller Natur. Beispielsweise um sich durch Kreditkarteninformationen an anderen zu bereichern. Es kommen aber auch Motive wie Cyberspionage oder Protest in Frage.

Die White Hats werden auch Ethical Hackers genannt und setzen ihre Fähigkeiten für das Gute ein. Sie agieren völlig legal. In Unternehmen kann es sich dabei um Mitarbeiter der IT-Sicherheit handeln, die den Auftrag haben, Sicherheitslücken durch Hacking aufzudecken. Sie wenden dabei die gleichen Methoden wie die Black Hats an, mit dem Unterschied, dass sie die Einwilligung des Systemeigentümers haben.

Grey Hat Hackers bewegen sich an der Grenze des erlaubten und übertreten diese gelegentlich. Beispielsweise suchen sie ohne das Wissen der Besitzer nach Sicherheitslücken in Systemen und weisen diese bei Entdeckung von Schwierigkeiten darauf hin. Auch wenn die Hacker dabei keine böswilligen Absichten haben, ist diese Art von Hacking illegal.

Unlimitierte Informationsfreiheit

Wie beim Superhelden ist es auch beim Hacker so, dass er durch illegales Verhalten, illegales oder ungerechtes Verhalten aufdecken kann. Der Unterschied liegt in den Konsequenzen. Während beim Superhelden der Zweck die Mittel heiligt, wird ein Hacker, der solche Tatsachen ans Tageslicht bringt, kriminell.

Dies zeigt auch der Fall von einem der bekanntesten Hacker: Julien Assange. Gerade für seine Befürworter hat der Gründer der Wikileaks-Plattform durch seine Hack-Aktivitäten die Welt transparenter und damit besser gemacht. Für sie ist er trotz kriminellem Verhalten ein Kämpfer der Gerechtigkeit, der sich mit viel Idealismus für das Gemeinschaftswohl eingesetzt hat. Er wird von ihnen als Held der Informationsfreiheit gefeiert.

Hacking ist heute das Thema, der Digital vernetzten Welt. In einer Realität, in der die Kontrolle und Beeinflussung des Individuums durch Autoritäten und Machtapparate zunimmt, hat der Hacker das Potential sich zum Superhelden der virtuellen Lebenswelt zu entwickeln. So setzt er sich mit seiner Superkraft und edlem Motiv für die Freiheit von Information und damit für das Gemeinschaftswohl ein.

 

Quellen:

Brettel, Hauke, Rau, Matthias, & Rienhoff, Jannik. (2016). Strafrecht in Film und Fernsehen. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
Levy, S. (2010). Hackers: Heroes of the Computer Revolution. O’Reilly Media.

https://www.tagesschau.de/ausland/us-wahl-russland-105.html
https://youtu.be/FHN3W_fCqFU
https://de.wikipedia.org/wiki/Hacker
https://www.skppsc.ch/de/themen/internet/hacking-malware/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hacker#Hackerethik
https://en.wikipedia.org/wiki/Hackers:_Heroes_of_the_Computer_Revolution#Levy’s_description_of_hacker_ethics_and_principles
https://us.norton.com/internetsecurity-emerging-threats-what-is-the-difference-between-black-white-and-grey-hat-hackers.htmlhttps://www.theguardian.com/media/2019/apr/11/julian-assange-charged-with-computer-hacking-conspiracy
https://www.youtube.com/watch?v=xgR4H2i9eBI
https://pixabay.com/illustrations/matrix-technology-tech-data-3109378/
https://pixabay.com/illustrations/spiderman-kid-hero-superhero-2478977/

 

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isabelleschmid

Fair Fashion – Zukunft oder Utopie? Im Rahmen meines Master-Studiums beschäftige ich mich in den kommenden Monaten mit dem Thema Nachhaltigkeit und Mode. Was bedeutet nachhaltige Mode? Was passiert in der Industrie? Welche alternativen Geschäftsmodelle gibt es neben Zara und H&M? Meine Auseinandersetzung mit dem Thema findet ihr auf dem Blog.

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