#Gamexcism: Leidenschaft vs. Sexismus. Wenn die Passion zur Geduldsprobe wird.

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Sexismus – es betrifft jede Branche, jede Szene, jedes Geschlecht. Kurz gesagt: Uns alle. In der Politik, Wirtschaft und den Medien sind diese Thematiken ein Dauerbrenner. Feministen und Gegner benutzen soziale Plattformen wie Kriegsschlachtfelder, dabei sind der gute Ton, Toleranz und Höflichkeit die ersten Opfer des Krieges. Die ständigen Debatten führen jedoch selten dazu, dass wir uns mit der Thematik auseinandersetzen. Wir verlieren das Gefühl dafür, wie stark doch Gendering und Sexismus das eigene Leben betrifft. Sei es persönlich oder innerhalb des engsten Freundes- oder Familienkreises.

Ein Beispiel aus der Gamingszene.

Um euch zu zeigen, dass Sexismus und Gendering aktueller denn je sind, möchten wir euch nachfolgend ein Beispiel aus unseren eigenen Reihen nennen. Unsere Gruppe besteht aus vier weiblichen Personen, eine davon ist Aileen. Sie ist 24 Jahre alt und Gamerin aka Twitch-Streamerin aus Leidenschaft. Leider wird ihre Passion aber oft zur Geduldsprobe. Ingame sieht sich Aileen häufig geschlechtsbezogenen Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt. Diese reichen von sexistischen Aussagen, stumpfen Anmachen, bis hin zu starken Beleidigungen und Drohungen. Um ihre Gedanken und Gefühle aufzuarbeiten, hat Aileen daher vor gut zwei Wochen einen Blog veröffentlicht, in dem sie offen über Sexismus in der Gaming- und Streamingszene spricht. Ihr erster Blogpost weckte schnell Interesse und wurde in einer Facebookgruppe geteilt, dessen Namen und Gruppenbeschreibung vermuten liess, dass die Mitglieder derartige Artikel mit grossem Interesse lesen und konstruktiv diskutieren. Nun, ihr ahnt es vermutlich schon – der Blogpost ging in dieser Gruppe viral, innert drei Tagen wurden mehr als 200 Kommentare veröffentlicht. Dennoch musste am vierten Tag der Post geschlossen werden, aufgrund stark polarisierenden Beiträgen und diskriminierenden Anfeindungen gegenüber Aileen. Die Thematik wurde nicht nur teilweise heruntergespielt (siehe nachfolgender Kommentar) und als absolut normal angesehen, sondern auch als etwas, was sich absolut nicht ändern liesse.

Öffentlich zu Gefühlen und Sensibilität zu stehen und sich über diskriminierende und sexistische Anfeindungen zu ärgern, bedeutet für die nächsten Kommentierenden, dass man dann einfach nicht für das Medium „Internet“ gemacht sei und einen Therapeuten bräuchte. Damit aber nicht genug, statt Games solle Aileen doch lieber zu Lego oder Sims greifen, anscheinend etwas, dass die kommentierende Person ausschliesslich für Kinder vorsieht.

Und immer wieder wird betont, dass man an der rauen Umgangssprache einfach nichts ändern könne. Es scheint für die kommentierenden Personen beim Gamen absolut dazuzugehören. Es ist paradox – Es ist in Ordnung, Leute online zu diskriminieren und zu beleidigen, sich aber dagegen aufzulehnen, das ist ein No-Go. Stillhalten und Gefallen lassen lautet die Devise.

Laut dem nächsten Kommentar sind auch rein sexistisch motivierte Handlungen, wie das Versenden von Nacktbildern, nicht grenzüberschreitend und sexistisch. Im Gegenteil – die Gesellschaft lege das nur so aus. Daher ist Aileen eigentlich die sexistische Person, welche die Nacktbilder als abstossend und nicht wünschenswert empfindet.

Abschliessend einige Personen, die den Sexismus und die Diskriminierung verherrlichen und anscheinend sogar begrüssen, denn man solle online ja richtig die Sau rauslassen können – Gefühle der anderen stehen absolut aussen vor, nur das eigene Wohl zählt. Die Onlinewelt wird daher anscheinend wie eine Art Parallelwelt genutzt, in der man alles tun und lassen darf, was man sich in der Realität nicht wagt und traut, dank der Anonymität.
Über die nachfolgenden Kommentare brauchen wir nicht viel sagen, schade ist einfach nur, wie manche Menschen Probleme nicht an der Wurzel packen, sondern immer auf bestimmte Personen attribuieren, Fehler bei Ihnen suchen und sich dafür bestimmter Klischees bedienen, anstatt offen und empathisch zu sein.

#Diginect2019 – Zusammen können wir den Sexismus angehen.

Nun, um zum Abschluss zu kommen. Wie ihr sehen könnt steht es ausser Frage, ob es sowas wie Sexismus gibt, denn er ist omnipräsent. Es ist nicht zu leugnen, die Kommentare zuvor haben dies erneut bestätigt. Daher ist es müssig über das Ausmass zu diskutieren oder wie sich Betroffene zu fühlen haben. Viel mehr lohnt es sich doch darüber zu diskutieren, welchen Beitrag wir leisten können, damit die nächste Generation diese Debatten nicht mehr führen muss. Und das ist unser Ziel! Wir laden euch herzlich ein, zusammen mit uns am Diginect Event der Hochschule Luzern einen relevanten Beitrag zu leisten, dass in naher Zukunft jegliche Genderdebatten hinfällig werden! Umso mehr konstruktiven Input wir erhalten, egal welcher Art, desto mehr hilft es uns, Missstände und Ungerechtigkeiten aus dem Weg zu räumen. Teilt unseren Beitrag, diskutiert mit euren Freunden und euren Kollegen und vor allem kommt an unser Event – nur so schaffen wir es, gemeinsam etwas zu ändern.

Wir freuen uns!

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Chenelle

Hallo Zusammen! Ich bin Aileen aka Chenelle, 24 Jahre alt und leidenschaftliche Gamerin und Streamerin. Meine Passion wird manchmal aber auch zur Geduldsprobe, wenn ich auf Grund meines Geschlechts diskriminiert werde. Ich möchte daher den Blog nutzen, um auf den Sexismus der Gamingszene aufmerksam zu machen.

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