Stimmerkennung – Der neue digitale Fingerabdruck

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Gewollt oder ungewollt, unsere Stimme ist verräterisch und gibt beim Kommunizieren eine grosse Menge an Informationen preis.

Wenn wir uns mit jemandem unterhalten, filtern wir unbewusst Informationen aus der Stimme unseres Gegenübers heraus.

Wir können ziemlich präzise beurteilen, inwiefern eine Person glücklich, wütend, aufgeregt oder besorgt ist. Jedoch stehen wir damit erst am Anfang hinsichtlich der Informationen, die unserer Stimme entnommen werden können.

Ihr fragt euch jetzt sicher:

Wie funktioniert die Stimmerkennung?
Das Analysieren und Auswerten einer menschlichen Stimme ist ein hochkomplexes Thema und benötigt eine grosse Menge an Erfahrung in Mathematik und Informatik. Auch Kenntnisse im Bereich der Anatomie sind hilfreich. Mit Unterstützung von Algorithmen und künstlicher Intelligenz lässt sich ein ganzes Profil unseres Gesprächspartners erstellen.

Wenn wir nur den Menschen betrachten, stellen wir fest, dass unser Gehirn extrem stark vernetzt ist und sich Spuren unserer Gedankengänge, Gefühle und Sinneseindrücke in unserer Stimme wiederfinden lassen. Nur alleine schon die Spannung unserer Stimmlippen verrät ungewollt viel über uns. Nehmen wir nun noch ein kleines Mikrofon, Prozessoren und eine speziell konzipierte Software dazu, so lässt sich unsere Stimme schon ziemlich präzise analysieren und kann unter anderem für folgende Bereiche eingesetzt werden:

Krankheitserkennung
Die Stimmsoftware erkennt, ob der Sprecher an einer bestimmten Krankheit leidet, sei dies ein einfacher grippaler Infekt, Parkinson im Frühstadium bis hin zu psychischen und mentalen Störungen. Wenn es nach den Stimmanalytikern geht, wollen sie mit ihren Softwares eine Parkinson-Erkrankung bis zu zwei Jahre früher erkennen, bevor Ärzte überhaupt erste körperliche Symptome beim Patienten ausmachen können. Ob dies wirklich zutrifft, wird sich in Zukunft zeigen.

Rekrutierung
Der Einsatz von Stimmerkennungssoftware zur Personalrekrutierung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Auf der einen Seite haben wir die Skeptiker, welche über das Harvard Business Review verlauten liessen, dass anstatt zu versuchen, die Persönlichkeit oder Intelligenz eines Kandidaten zu entschlüsseln, der Fokus zu stark auf die Emotionen der Stimme ausgerichtet sei, welche beim Personaler ausgelöst würden. Die Befürworter hingegen argumentieren, dass Personalentscheider ab einer gewissen Anzahl Kandidaten ermüden können, persönliche Sympathien oder Diskriminierung in den Entscheid miteinfliessen lassen, was Algorithmen nicht passieren kann.
Inwiefern Unternehmen Voice Profiling schlussendlich in ihren Rekrutierungsprozess integrieren, lässt sich zurzeit nicht voraussagen. Jetzt schon vorstellbar ist der Einsatz der Software jedoch im Call Center, in der eine einnehmende und vertrauenswürdige Stimme zweifelsfrei signifikanten Einfluss auf die Kundenerfahrung hat.

Marketing
Die Stimmerkennung ermöglicht Unternehmen Kundenerlebnisse zu verbessern oder gar zu revolutionieren. So wird bei Swisscom Voiceprint zur schnellen und sicheren Identitätsprüfung eingesetzt. Dem Kunden wird das umständliche Beantworten von Fragen, wie nach der Höhe der letzten Rechnung, erspart. Gleiches kann auch im Finanzsektor angewendet werden.

Weiter werden die sprachgesteuerten Assistenten wie Alexa und Siri dank der Stimmanalyse noch intelligenter. Der Sprecher wird durch seinen Stimmabdruck erkannt und seinen Bedürfnissen entsprechend geht Alexa auf ihn ein. Das Gefühl mit einem Gerät zu sprechen, schwindet immer mehr und die Maschine wandelt sich um zu einem Freund, der einen gut kennt und alle Wünsche wortwörtlich von den Lippen liest.

Die Stimmerkennung verändert nicht nur unsere Art und Weise wie wir mit dem Internet kommunizieren, sondern auch die Bereitschaft unsere Privatsphäre für mehr Komfort aufzugeben. Es ist für Marketer nun an der Zeit, die neue Technologie als Chance zu erkennen. Wer als erstes ein schlaues und nutzerfreundliches Konzept entwickelt, wird sich tief in Hirn und Herz der Konsumenten eingraben.

Habe ich dein Interesse geweckt? Dann freuen sich Dr. Zumstein (schönster Dozent der HSLU) und ich, dich am 15. Mai 2018 an unserem Diginect Event begrüssen zu dürfen und mit dir über diese und weitere Thematiken zu diskutieren.

Quellen:

Jüngling, T. (06. März 2018), Diese Stimmanalyse entlarvt all unsere Geheimnisse.
Abgerufen im April 2018, von https://www.welt.de/wissenschaft/article138138577/Diese-Stimmanalyse-entlarvt-all-unsere-Geheimnisse.html

Gib mir deine Stimme und ich sag dir, wer du bist. Abgerufen im April 2018, von
https://www.podcast.de/episode/380483076/Gib+mir+deine+Stimme+und+ich+sag+dir%2C+wer+du+bist/

Hopping, C., Future HR Tech: Voice Profiling. Abgerufen im April 2018, von
https://www.launchpadrecruits.com/insight-articles/voice-profiling-in-recruitment

Heer, B. & Ergo, E., (18. April 2018), Wie digitale Spracherkennung das Marketing verändert.
Abgerufen im April 2018, von https://bit.ly/2IfrGzc

„Wir haben ein Stück Zukunft realisiert.“

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About Author

Peter Schachtler

Student im Master of Science in Business Administration with Major in Online Marketing

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