Usability und User Experience

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Usability und User Experience – zur Attraktivität der Website. Doch welche Massnahmen lassen den unternehmerischen Erfolg einer Website messbar sichern?

Usability = Benutzerfreundlichkeit

Usability kombiniert use (dt. benutzen) mit ability (dt. Fähigkeit) und beschreibt, wie ein System, ein Produkt oder eine Dienstleistung durch gewisse User in einem bestimmten Anwendungskontext genutzt werden können, um effektiv, effizient und zufriedenstellend ans Ziel zu gelangen. Genauer gesagt: Wie schnell ein User die Benutzung eines Gegenstandes erlernen kann, wie effizient sich der Gegenstand während der Benutzung erweist und wie fehleranfällig dieser ist. Bei allen Produkten mit einer Schnittstelle zwischen Mensch und Technik ist Usability entscheidend. Während gute Usability einem grundsätzlich nicht auffällt, wird schlechte Usability umso mehr bemerkt. Ist der Gegenstand nicht nutzbar und will vom User auch nicht genutzt werden, so müsste er im Grunde gar nicht vorkommen.

User Experience = Benutzererlebnis

User Experience umfasst das gesamte Nutzungserlebnis und betrachtet die Erwartungen des Users vor der Nutzung, die eigentliche Nutzung und die Verarbeitung nach der Nutzung. Bereits vor dem Kauf eines Gegenstands durchläuft ein potentieller Kunde gedanklich einen sogenannten Usability-Test. Wird der Gegenstand als nicht geeignet eingestuft, wird der Kunde diesen nicht kaufen, obwohl er sich bei der Nutzung durchaus als gebrauchstauglich bewahrheiten könnte. Der Begriff Usability wird also erweitert, indem psychologische und physiologische Reaktionen wie Vorstellungen, Vorlieben, Emotionen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen. Ein User soll Freude und Spass während der Nutzung erleben und nicht nur rasch und problemlos sein Ziel erreichen. Der Gegenstand hat wahrhaftig den Auftrag, ein Erlebnis zu bieten.

Usability und User Experience

Illustrieren lässt sich Usability und User Experience mit einem Online-Kauf einer Pralinenpackung zum Valentinstag. Die Usability umfasst alle Prozesse auf der Website: vom Surf- und Suchprozess bis zum Kaufprozess mittels Klick auf den Kaufen-Button. Die User Experience setzt sich zusätzlich mit den Prozessen davor und danach auseinander: Gibt es offline oder online Marketingaktivitäten, die auf die Website verweisen oder Aktionen bewerben? Abgeschlossen ist der Kaufprozess erst, wenn die Packung versandt, beim User zu Hause eingetroffen ist und der Liebsten oder dem Liebsten übergeben wird.

Wichtigste Regeln zu einer guten Web-Usability

Die Hormone regeln wie wir Menschen entscheiden und handeln. Dafür verbraucht unser Gehirn ein Fünftel des gesamten menschlichen Energieverbrauchs. Um effizient zu arbeiten, wendet es sich daher lieber Dingen zu, bei denen es möglichst wenig Arbeit verrichten muss. Da wir zudem in der Lage sind, uns innerhalb von 50 Millisekunden ein erstes Urteil über eine Website zu bilden, ist gute Web-Usability heutzutage unverzichtbar und entscheidend für den unternehmerischen Erfolg eines Website-Betreibers. Sie dient zum einen der Effizienzsteigerung und trägt zum anderen der Vermeidung peinlicher Patzer bei. Doch welche Massnahmen es für eine optimale Usability zu tätigen gilt, hängt von der Website-Zielsetzung und dem -Nutzungsgrund des Users ab. Grundsätzlich gibt es für eine gute Web-Usability drei Regeln zu berücksichtigen:

  1. Kommuniziert klar und verständlich, um was es auf der Website geht.
  2. Passt die Website an die Bedürfnisse des Users an, um ihm so direkte Handlungsanweisungen aufzutragen und vom Angebot zu überzeugen.
  3. Gestaltet und strukturiert eure Website übersichtlich, denn auf einer überfüllten Website, auf der Navigation und Inhalte kreuz und quer erscheinen, wird ein User nie die gewünschten Informationen und Angebote erblicken.

Da Details meist entscheidende Auswirkungen haben, sind weitere Regeln zu Homepage, Navigation und Verlinkungen, Suche, Design und Inhalt, Dialogmöglichkeiten und Servicefunktionen zu beachten.

Homepage

  • Website-Name merkbar und buchstabierbar wählen
  • kurz und prägnant Wert sowie Aufgabe des Unternehmens und der Produkte kommunizieren
  • Homepage zur zentralen Orientierung des Users nutzen
  • Rückkehr auf Homepage mit einem Klick von jeder Unterseite aus ermöglichen

Navigation und Verlinkungen

  • vernünftige und verständliche Navigation zur einfachen Orientierung bereitstellen
  • flache Struktur für viele Auswahlmöglichkeiten an einem einzelnen Ausgangspunkt anbieten
  • mit einem Klick aufs Logo die Rückkehr zur Startseite möglich machen
  • Funktion der Zurück-Taste bis hin zur Ausgangsplattform (meist Google) gewährleisten
  • Navigation auf allen Seiten der Website gleich darstellen
  • Navigationsleiste im oberen Seitenbereich und/oder vertikal am Seitenrand positionieren
  • Hauptnavigation mit zentralen Begriffen unterstützen
  • direkte Links zu Startseite, Sitemap, Kontaktdaten, Impressum und AGBs integrieren
  • Links und Buttons immerzu testen und als solche durch Farbe oder Unterstrich erkennbar machen

Suche

  • Angebot einer Suchfunktion ist ein Must-have
  • alle wichtigen Ergebnisse auflisten
  • Ergebnisse in logischer Reihenfolge darstellen und transparent erfassbar machen
  • Suchbegriff in Ergebnissen hervorheben, um Verbindung zwischen Suche und Ergebnis zu zeigen
  • Anzahl Treffer oder keine Treffer darlegen

Design und Inhalt

  • kein „feature creep“, sondern „keep it simple“
  • übliche und allseits bekannte Design-Konventionen einhalten
  • nicht mehr als sieben (plus/minus zwei) Dinge auf einmal präsentieren
  • Text-, Vorder- und Hintergrund farblich aufeinander abstimmen
  • Schriftgrösse und Zeilenabstand für bestmögliche Leserlichkeit entsprechend wählen
  • klare Titel auf jeder Seite und informative Überschriften für längere Texte
  • einheitliche Bezeichnungen für konventionale Wörter wie WEITER, ABSENDEN benutzen
  • multimediale Inhalte wie Video und Sound mit Bedacht einsetzen und Ton möglichst umgehen
  • vergrösserbare Bilder, schöne Farben und passende Motive wählen

Dialogmöglichkeiten

  • Kontaktdaten und Impressum anbieten: Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geschäftszeiten, Anfahrtsskizze, Wegbeschreibung
  • auf jeder Unterseite einen Link zur Kontaktseite einbetten
  • in Formularen nur nötige Anzahl an Eingabefeldern auflisten, korrekte und logische Navigation mittels Tabulator ermöglichen sowie Fehlermeldungen per Warnfenster anzeigen
  • bei Fachbegriffen und Fremdwörtern ein Glossar von A-Z anbieten
  • für erklärungsbedürftige Dienstleistungen und Funktionen ein FAQ-Bereich zur Verfügung stellen

Servicefunktionen

  • Lauffähigkeit der Website auf verschiedenen Browsern sicherstellen
  • schnelle Ladezeiten realisieren
  • Responsive Webdesign für unterschiedliche Auflösungen und Bildschirme wählen
  • Barrierefreiheit garantieren
  • Website für Rot-Grün-Blindheit tauglich machen
  • wichtige Seiten druckbar gestalten
  • netten Text, direkten Zugang zur Suche oder Angabe der Hotline auf 404-Fehlerseite präsentieren

Gute Web-Usability erfordert oft viel Detailarbeit. Insbesondere wenn es gilt, die Website auf komplette Barrierefreiheit oder Rot-Grün-Blindheit zu optimieren. Rund 8-9% der Männer und etwa 1% der Frauen leiden unter einer Farbsehschwäche. Dies wiederum hat zur Folge, dass bis zu 5% aller Website-Besucher die Site nicht gleich zur Kenntnis nehmen wie der Website-Betreiber. Um zu gewährleisten, dass die User mit einer Farbsehschwäche alle Elemente der Website korrekt wahrnehmen, kann ein Farbenblindheitstest durchgeführt werden. Dazu kann ein Betreiber z.B. seine Website online unter colorfilter.wickline.org mit Hilfe eines Farb-Simulators testen lassen. Der Test zeigt ihm, wie Personen mit der Augenkrankheit die Sites sehen. Entsprechend kann er bestimmte Farbkombinationen vermeiden und für Farbunterscheidung sorgen. Eine weitere Möglichkeit bietet IBM mit ihrem gebührenfreien Softwarepaket Easy Web Browsing. Die Software kann betroffenen Personen die Sites von IBM vorlesen oder eine geeignete Seitenvergrösserung fest anlegen. Dank dieser beiden Methoden ist die Usability der Website auch für User mit einer Farbsehschwäche gegeben.

Letztlich muss jedoch jeder Website-Betreiber für sich selbst entscheiden, welches Level er hinsichtlich Usability erreichen möchte. Ein paar Vorschläge, sollte er jedoch auf alle Fälle berücksichtigen, denn sie bescheren ihm zufriedenere Kunden und bessere Produktqualität. Zudem verhelfen sie zur Umsatz-, Gewinn- und Produktivitätssteigerung, verringern Entwicklungszeit und -kosten sowie Support und Schulungskosten. Darüber hinaus ergeben sie Neukundengewinn durch tiefere Absprungraten und User Experience als positive Produkteigenschaft, um sich von Mitbewerbern abzugrenzen. Da eine Website aber nie perfekt und vollendet sein wird, ist jedem Website-Betreiber zu raten: Focus on the User and all else will follow!


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About Author

Luzia Wyss

Master-Studentin Business Administration, Major in Online Business und Marketing

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