Gefangen in der eigenen Filter Bubble

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Während die Filter Bubble die Identität jedes einzelnen von uns gefährdet, verhilft sie Unternehmen zur Monetisierung.

Der Aufstieg des personalisierten Internets

Das Internet ermöglicht uns mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sich zu informieren wie auch News aus aller Welt zu lesen. Dabei nimmt die Mehrheit von uns an, wenn wir einen Begriff googlen, wird der dazugehörige Informationsgehalt nach der Anfrage sortiert und unparteiisch angezeigt. Doch diese Vermutung entspricht seit 2009 nicht mehr der Realität. Von nun galt: „Personalisierte Suche für alle“. Google beschloss mittels eines selbst entwickelten Algorithmus Vermutungen darüber anzustellen, wer man ist und welche Seiten für einen von Interesse sein könnten. Sprich mittels Signalen – angefangen vom Standort, wo man sich einloggt, über den verwendeten Browser, bis hin zu den bisher gesuchten Begriffen – wird alles erfasst. Der Google-Algorithmus zeigt uns anschliessend nur noch Ergebnisse, die bestens für uns geeignet sind und andere womöglich nie zu Auge bekommen. Der Computerbildschirm entwickelt sich zu einem einseitigen Spiegel, der die persönlichen Interessen widerspiegelt, während zur gleichen Zeit algorithmische Detektive eifrig kontrollieren, welche Klicks getätigt werden. Die Gewinnung möglichst vieler Informationen über eine Person verursachte einen regelrechten Kampf zwischen den Internetgiganten wie Google, Microsoft, Facebook und Apple. Ihr Credo lautet, je personalisierter Informationen sind, desto mehr Werbung wird verkauft und desto wahrscheinlicher werden die angebotenen Produkte letztlich erworben.

Filter Bubble

Da im Internet tagtäglich immens viele, unterschiedliche und kontroverse Informationen veröffentlicht werden, deren Erfassung beschwerlich ist, kann eine Art Filterung der relevanten Meldungen und Informationen nützlich erscheinen. Die neue Generation der Internetfilter ermöglicht jeden von uns zu beobachten, um so Rückschlüsse zu ziehen und ein individuelles Konstrukt aus Suchergebnissen, Informationen und Nachrichten anzubieten. Zusammen erzeugen diese Maschinen ein personalisiertes Informationsuniversum und gestalten so die Art und Weise, wie wir an Ideen und Informationen gelangen. Nach Eli Pariser entspricht dies einer Filter Bubble. Wir alle befinden uns in einer eigenen Filter Bubble, in der wir nur Informationen erhalten, die unsere Meinung und Interessen ausdrücken. So wird uns eine selektierte Auswahl präsentiert, die unserem Gusto entspricht. Die Filter Bubble ist für jeden von uns unsichtbar. Google verrät uns nicht, wie sie uns kategorisiert haben und warum wir die jeweiligen Ergebnisse auf unseren Bildschirmen präsentiert bekommen. Niemand weiss, ob diese getroffenen Angaben stimmen oder überhaupt existieren. Wir gehen davon aus, dass die erhaltenen Informationen in der Filter Bubble neutral, objektiv und wahr sind. Doch aufgepasst, steckt man einmal in der Filter Bubble fest, ist es fast unmöglich, zu erkennen wie vorgefasst sie ist.

Quelle: Du und deine Filter Bubble. Gefahren des personalisierten Internets für die eigene Identität. (2016). GRIN Verlag.

Vor- und Nachteile

Bevor Ihr euch über die negativen Folgen der Filter Bubble Gedanken macht, sind einige Vorteile zu benennen. Um dem täglichen Ansturm an Informationen zu entfliehen, nehmen wir gerne Hilfe an. Zumindest theoretisch kann die Filter Bubble uns helfen, Informationen zu bekommen, die wir kennen, sehen und hören möchten. Ist es Dir beispielsweise bewusst, dass Netflix dazu verhilft, aus dem 140’000 Titel umfassenden Katalog den richtigen Film zu finden? Die Befürworter der Personalisierung werben für Internetfilter, weil diese eine auf den Nutzer massgeschneiderte Welt ermöglichen. Sozusagen wird ein heimeliger Ort erschaffen, wo wir uns nur mit Ideen und Personen beschäftigen, die wir mögen und uns nicht anöden. Bei Facebook werden Meldungen über Krieg oder Naturkatastrophen bewusst zurückgehalten und nur erfreuliche Nachrichten präsentiert.

Fasst die Technologie jedoch die Aufgabe, uns die Welt zu vermitteln, so steht sie zwischen einem selbst und der Realität, indem sie unsere Wahrnehmung der Welt verzerrt. Exakt dies tut die Filter Bubble. Nachteile entstehen sowohl auf persönlicher Ebene, indem direkte Konsequenzen entstehen, wenn wir personalisierte Filter verwenden, wie auch auf kultureller Ebene, wenn eine Fülle an Menschen beginnt ein Leben in der Filter Bubble zu führen. Es entsteht eine Welt in der nur Bekanntes vorhanden ist und keine zufälligen Begegnungen existieren. Das Lernen und Sammeln neuer Erfahrungen wird immer schwieriger.

Letztlich entzieht sie uns die Möglichkeit über unser Leben zu bestimmen, indem sie Lebensentwürfe und Optionen vorenthält. Die andauernde Konfrontation mit der eigenen Meinung fördert die Intoleranz gegenüber anderen Betrachtungsweisen. Auch Facebook verstärkt das Gefühl, dass die eigene Meinung von der Mehrheit vertreten wird. Doch wie kann es auch anders sein, wenn unser soziales Netzwerk aufgrund der Personalisierung nur aus Freunden besteht, die unsere Auffassung vertreten. Die Filter Bubble hält uns also in einer stetig enger werdenden Ich-Welt gefangen und verzerrt unsere Wahrnehmung hinsichtlich Realität, Wahrheit und Wichtigkeit. Genau deshalb sollten wir dazu fähig sein, sie sichtbar zu machen.

Tipps und Tricks

Es stellt sich die Frage, wie wir als einzelne gegen die Filter Bubble antreten können. Da unser Informationsgehalt stets auf denselben Seiten konsumiert wird, fügen wir unserem Repertoire nichts Neues hinzu. Entscheiden wir uns aber neue Wege in der Online-Welt zu beschreiten, so würden wir auch neuen Ideen und Personen begegnen. Streuen wir unser Interesse, erhält die Personalisierung grösseren Spielraum und bereichert unsere Wahrnehmung der Welt. Zudem lohnt es sich regelmässig Cookies zu löschen, welche unserem Internetbrowser verhelfen, uns zu erkennen. Ausserdem bietet es sich an, Internetseiten zu präferieren, die uns Kontrolle und Klarheit über die Vorgehensweise der Filter verschaffen und preisgeben, wie sie mit persönlichen Daten umgehen. Es liegt also an uns, darüber zu entscheiden, ob wir uns täglich über die aktuellsten Fashion-Trends respektive die neusten Tweets von Donald Trump informieren oder ob wir uns nicht doch mit der politischen Situation in Syrien auseinandersetzen wollen. Kurzum, die Veränderung unseres Verhaltens lässt die Filter Bubble platzen.

Doch all dies nützt nichts, wenn sich auch die Unternehmen nicht bemühen, Ausstiegsmöglichkeiten aus der Filter Bubble anzubieten. Ein Anfang wäre die öffentliche Transparenz ihrer Filtersysteme, sodass wir verstehen, wie das jeweilige System funktioniert, wie sie die Daten nutzen und sie unser Profil generieren. Zusätzlich sollten sie sich für ein besseres Verständnis von Identität und für die Förderung öffentlicher Themen starkmachen. So könnten Programmierer Filtersysteme entwickeln, die uns mit Themen ausserhalb unserer Erfahrungswelt in Kontakt bringen. Letztendlich liegt es aber an uns, die Unternehmen an ihre Verantwortung zu erinnern, wenn ihr Fokus nur der Monetisierung gilt.

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Literaturverzeichnis

Du und deine Filter Bubble. Gefahren des personalisierten Internets für die eigene Identität. (2016). GRIN Verlag.

Pariser, E. (2012). Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden. München: Hanser.

 

 

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About Author

Luzia Wyss

Master-Studentin Business Administration, Major in Online Business und Marketing

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