Social Media am Arbeitsplatz – Fluch oder Segen?

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Immer öfters kommt es vor, dass bei der Arbeit auch mal schnell bei Facebook, Twitter und Co eingeloggt wird. Ist dies eine Gefahr für die Unternehmen? Oder gar für die Arbeitnehmer selbst? Um diese Fragen zu beantworten, müssen die Gründe und Auswirkungen des Social Media-Gebrauchs genauer betrachtet werden. 

Social Media während der Arbeit: Die neue Norm?

Laut einer US-Studie vom Pew Research Center, nutzen 34 Prozent der beruflichen Social Media-Nutzerinnen und -Nutzern die Plattformen, um eine geistige Pause während der Arbeit einzulegen. Weitere 27 Prozent nutzen die Plattformen um sich mit Familie oder Freunden zu vernetzen. Es gibt jedoch auch einige geschäftliche Beweggründe für die Nutzung: 24 Prozent nutzen die Plattformen, um berufliche Beziehungen zu verbessern und 20 Prozent sogar um Informationen für die Lösung von geschäftsbezogenen Problemen zu erhalten. Weitere beliebte Gründe sind der Wunsch, persönliche Beziehungen mit Kollegen aufzubauen, Personen ausserhalb der Organisation arbeitsbezogene Fragen zu stellen oder mehr über die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erfahren. Gerade dieser letzte Punkt hat jedoch auch eine Schattenseite: Dieselbe Untersuchung zeigt nämlich, dass einige Mitarbeitende Informationen über Social Media gefunden haben, welche die professionelle Meinung eines Arbeitskollegen oder einer Arbeitskollegin verschlechtert haben.

Studie „Social Media and the Workplace“ Quelle: Pew Research Center

Spannend zu beobachten ist ausserdem, dass für rein berufliche Aktivitäten am meisten Facebook benutzt wird. Mehr als Linkedin und bedeutend mehr als Twitter. Eine nicht zu unterschätzende Prozentzahl an Personen benützt ausserdem unternehmensinterne Social-Media Plattformen, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.

Die Sonnen- und Schattenseiten

Bei den Vor- und Nachteilen von Social Media am Arbeitsplatz muss zwischen drei Formen der Nutzung unterschieden werden: Die private Nutzung von öffentlichen Social Media Plattformen während der Arbeit, die berufliche Nutzung von öffentlichen Social Media Plattformen während der Arbeit und die Nutzung von ausschliesslich unternehmensinternen Social Media-Plattformen.

Die berufliche Nutzung von Social Media im Arbeitsleben hat einige Vorteile: Networking, neue Job-Angebote entdecken, mit Leuten in Kontakt bleiben, andere Mitarbeiter auf einer persönlichen Basis kennenlernen oder sogar Informationen finden, die bei der Arbeit weiterhelfen. Eine chinesische Studie kam zu dem Resultat, dass Social Media den Aufbau von Sozialkapital bedeutend unterstützen kann. Dies geschieht durch gestärkte Netzwerkbeziehungen, die geteilte Vision, das wachsende Vertrauen, den dadurch verbesserten Wissensaustausch und die insgesamt positiv beeinflusste Arbeitsleistung.

Anders sieht es jedoch bei der privaten Nutzung aus. Verschiedene Studien belegen, dass die private Nutzung von Social Media während der Arbeitszeit dem Wohlergehen einer Organisation schadet. Die Plattformen sind in dieser Hinsicht ein Ablenkungsfaktor, welcher sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirkt.

Und wie verhält es sich mit unternehmensinternen Social Media -Plattformen? Solche Plattformen verflachen Hierarchien, da auch Mitarbeiter tieferer Hierarchiestufen sich eher trauen, ihre Meinung kundzugeben. Sie vereinfach also die Kommunikation, fördern den Austausch von Ideen und helfen dabei, das Mitarbeiterengagement zu stärken sowie den Mitarbeitern mehr Mitspracherecht zu geben. Obwohl viele Arbeitgeber denken, dass durch solche internen Plattformen die Produktivität sinkt, passiert laut Studien genau das Gegenteil. Ausserdem können Arbeitgeber interne Trends analysieren und so ihre Mitarbeiter besser kennenlernen. Solche Plattformen sind jedoch auch anfällig auf Spam und es braucht klare Guidelines für die Benützung dieser.

Moderieren statt verbieten?

Apropos Guidelines. Da wohl jedes Unternehmen das Interesse verfolgt, dass sich die Mitarbeitenden während der Arbeitszeit mit geschäftlichen Dingen beschäftigen, gibt es viele Arbeitgeber, die den Zugang zu jeglichen Social Media – Seiten strikt blockieren. Eine wachsende Nummer von Arbeitgebern jedoch blockieren solche Seiten nicht mehr, beziehen sich jedoch auf das Recht, die Computer der Mitarbeitenden zu überwachen. Viele Firmen klären Ihre Arbeitnehmer über die Art der Onlineüberwachung anhand von Richtlinien auf und geben zugleich auch Informationen über die zulässige private Nutzung der Geschäftsgeräte. In der Schweiz zum Beispiel darf der Internetverkehr generell nur anonym ausgewertet werden. Erst bei wiederholten Missbräuchen und nachdem klar kommuniziert wurde, welches Surfverhalten erlaubt ist, dürfen die Vorgesetzten personenbezogen auswerten.

Nachfolgend aufgelistet sind 5 Gründe für eine offenere Social Media-Kultur am Arbeitsplatz:

  1. Privates und Geschäftliches verschmilzt: Ehemalige, aktuelle und künftige Teamkolleginnen tauschen sich über verschiedene Kanäle aus. Ein Verbot unterläuft diese grosse Chance. Darum ist es besser, die Vernetzung zu fördern anstatt zu unterbinden.
  1. Multiplikatoren sollen belohnt und nicht bestraft werden: Jeder soll die Botschaften des Unternehmens nach Aussen tragen und dazu stehen. Eine Online-Barriere ist die eine denkbar schlechteste Ausgangslage dazu.
  1. Motivation per Mausklick: Social-Media-Kanäle von Unternehmen leben durch die Interaktion mit den eigenen Mitarbeitenden. Und steigern umgekehrt das Gefühl des Dazugehörens.
  1. Vertrauen bringt Vertrauen: Eine Online-Barriere fördert ein Klima des Misstrauens.
  1. Produktivität lässt sich nicht befehlen: Produktivität ist ausschliesslich eine Motivations- und Führungsfrage.

Privatsphäre

Das Privatsphären-Bewusstsein im Social Media Bereich ist in den letzten Jahren, aufgrund einiger Vorkommnisse und Skandale, angestiegen. Mehr als die Hälfte aller Befragten einer AVG-Studie haben das Gefühl Social-Media verschlechtern die Privatsphäre am Arbeitsplatz und wollen bei Social-Media Posts künftig vorsichtiger sein. Und ganze 37 Prozent der Deutschen vermeiden als Konsequenz aus der Gefahr von Cyber-Schikanen konsequent gleich sämtliche Social Media-Aktivitäten am Arbeitsplatz. Damit belegen sie nach Frankreich mit 40 Prozent im weltweiten Vergleich den zweiten Platz. Knapp ein Viertel aller Befragten schränken weltweit deswegen ihre Aktivitäten wenigstens ein, in Deutschland sind dies dagegen nur 13 Prozent – weltweit die niedrigste Zahl.

AVG Social-Media Studie. Quelle: Socialcommunitybanking

Ein Blick in die Zukunft

Die Rolle von Social Media im Berufsleben wächst und wächst. 50% der amerikanischen Berufstägigen denken, dass Social Media das Bild eines Arbeitgebers beeinflusst und fast genauso viele glauben, dass Social Media im Arbeitsalltag ihre Produktivität positiv beeinflusst. Doch können die Arbeitgeber diesen wachsenden Anforderungen standhalten? Denn auch die Wichtigkeit von Social Media gegen aussen steigt. Viele potenzielle Arbeitnehmer sind sich über den sozialen Auftritt eines Unternehmens bewusst, bevor sie sich bei diesem bewerben. Ein verpasster guter Auftritt gegen aussen heisst also auch verpasste potenzielle Anwärter auf Jobangebote. Auch E-Mails, welche die interne Kommunikation lange dominiert haben, sollen Prognosen zufolge langsam aber sicher aussterben. Denn auch die internen Social Media-Plattformen sind auf dem Vormarsch. Die nächsten Jahren bringen sicherlich einige Veränderungen mit sich.


Quellen:

Alleman, Dominik. Offene Social Media Kanäle am Arbeitsplatz: 5 starke Argumente. Online (08.04.17): http://bernetblog.ch/2015/06/08/offene-social-media-kanaele-am-arbeitsplatz-5-starke-argumente/

arbeitssicherheit.de. Social Media – Privatsphäre am Arbeitsplatz gefährdet. Online (08.04.17): http://www.arbeitssicherheit.de/de/html/nachrichten/anzeigen/848/social-media—privatsphäre-gefährdet/

Banks on Social Media. Studie: Social Media beeinträchtigt die Privatsphäre am Arbeitsplatz. Online (08.04.17): (https://socialcommunitybanking.wordpress.com/2013/02/28/studie-social-media-beeintrachtigt-die-privatsphare-am-arbeitsplatz/

Dagliano Amy. The Pros and Cons of Social Media in the Workplace. Online (10.04.17):  http://www.egroupengage.com/blog/the-pros-and-cons-of-social-media-in-the-workplace

HR Cloud. The Benefits of Social Media Networking at Work. Online (08.04.17): https://blog.hrcloud.com/the-benefits-of-social-media-networking-at-work/

Karriere-Thurgau. Privatsphäre am Arbeitsplatz – Wie viel Überwachung ist erlaubt? Online (10.04.17): http://www.karriere-thurgau.ch/werkplatz-thurgau/news/allgemein-7/privatsphaere-am-arbeitsplatz-wie-viel-ueberwachung-ist-erlaubt–332.html

Olmstead Kenneth, Lampe Cliff, Ellison Nicole B. Social Media and the Workplace. Online (10.04.17): http://www.pewinternet.org/2016/06/22/social-media-and-the-workplace/

Xiongfei Cao, Xitong Guo, Douglas Vogel, Xi Zhang, (2016). Exploring the influence of social media on employee work performance. Internet Research,  26 (2), 529-545.

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Hallo Flurina,

    interessanter Beitrag.
    Ich selber neige auch immer wieder dazu, bei der Arbeit auf Facebook zu stöbern.
    Ich finde es als Ablenkung und entspannend.

    Es gibt natürlich Lebenssiuationen wie Trennung, Liebeskummer und co. Da sollte man bei bei der Arbeit wohl lieber die Finger von den Social Media Accounts lassen, gerade wenn der/die Ex Partner/in noch in den Kontakten ist.

    Es sei denn man verdient Online sein Geld, dann ist Social Media wohl unabkömmlich.

    Gruß

    Jens

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