Gig Economy: Wie Uber & Co. die Arbeitswelt verändern

0

Die Digitalisierung greift in den Arbeitsmarkt ein und gestaltet unseren Arbeitsalltag on- und offline entscheidend mit.

Plattformbasierte Geschäftsmodelle beeinflussen die Art, wie wir eine Unterkunft buchen, Beziehungen knüpfen, bezahlen, uns fortbewegen und arbeiten. Letzteres ist weder offensichtlich noch gründlich erforscht. Im Grunde vermitteln diese Plattformen lediglich einen Auftragnehmer und einen Auftraggeber. Daher bezeichnet sich beispielsweise Uber nicht als Fahrdienst-Plattform, sondern als reine Vermittlungsplattform. Die Plattformen bewegen sich in mehrseitigen Märkten und verbinden Peer- mit Peer-Gruppen wie zum Beispiel Fahrgast mit Fahrer oder Käufer mit Verkäufer. Typischerweise hat dies zur Folge, dass ein Uber-Fahrer sein Privatauto und ein Airbnb-Vermieter seine eigene Wohnung zur Ausführung eines Auftrags verwendet. Die Besonderheit dabei ist, dass die Auftragnehmer Teil der Gig Economy sind, da sie nach Auftrag und damit «gig-basiert» bezahlt werden.

Aufstieg des Gig(anten)

Die Gig Economy bezeichnet ein Umfeld, in dem temporäre Stellen üblich sind und Organisationen unabhängige Arbeiter für kurzfristige Aufträge engagieren. Bekannter ist diese Arbeitsform unter dem Begriff «Freelancing». In den Vereinigten Staaten arbeiten bereits 34% der arbeitstätigen Bevölkerung unabhängig. Bis 2020 sollen es nach neusten Prognosen sogar 40% sein. Zu diesen aktuell 34% zählen auch 14.3 Millionen «Moonlighters», die eigentlich Vollzeit arbeiten, zusätzlich aber einer weiteren, unabhängigen Tätigkeit nachgehen. In der Schweiz liegen die Zahlen erwartungsgemäss etwas tiefer: Gemäss Deloitte Research (2016) gehen 25% aller Personen im erwerbsfähigen Alter temporären, zusätzlichen oder projektbasierten Arbeiten nach. Von den restlichen 75% hat zudem jeder Dritte vor, dies in den nächsten zwölf Monaten zu tun.


Abb. 1: Anteil Freelancer in der Schweiz, Quelle: Deloitte Research

Organisationskultur 2.0

Schnell wachsende Unternehmen wie Uber oder TaskRabbit bringen ihre Arbeitnehmer während der Ausführung des Auftrags in direkten Kontakt mit Kunden. Die Freelancer sind dabei zwar als unabhängige Auftragnehmer klassifiziert, ihre Arbeit wird jedoch von den auftraggebenden Unternehmen genau kontrolliert, da der Service für den Kunden in starkem Zusammenhang mit der Marke steht und so den Unternehmenserfolg direkt beeinflusst. Es steht fest, dass das Image der Unternehmen im Rahmen dieser Geschäftsmodelle von grosser Bedeutung ist. Analog zur Organisationskultur in herkömmlichen Unternehmen entsteht daher eine Art «Plattform-Kultur», die gewisse Werte und Normen mit sich bringt und auch Arbeitnehmer, die nicht festangestellt sind, entscheidend in ihrer Arbeitshaltung beeinflusst. Durch die enge Verzahnung des eigentlich unabhängigen Arbeitnehmers und Unternehmenserfolg stellt sich jedoch immer mehr die Frage, ob die Bezeichnung des Freelancers als unabhängiger Arbeitnehmer in diesem Zusammenhang überhaupt noch gerechtfertigt ist.

Chancen und Gefahren der Gig Economy

Für viele Personen stellt die Arbeit als Freelancer eine Möglichkeit dar, ihr finanzielles Risiko durch verschiedene Einkünfte zu minimieren. Dabei erfordert diese oftmals keine formale Qualifikation und bietet so jedem einen Einstieg in die Gig Economy. Hinzu kommt, dass die Arbeit innerhalb der Gig Economy Unabhängigkeit, Flexibilität, Selbstbestimmung sowie die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung mit sich bringt und so im Vergleich zu Festanstellungen eine verbesserte Work-Life-Balance bietet. Für Unternehmen in der Gig Economy minimieren sich wiederum viele Kosten im Bereich Büroflächen, Weiterbildungen und Benefits. Ausserdem können sie Aufgaben schnell und effizient ausführen lassen und Experten für Projekte engagieren, die als Festangestellte zu teuer wären.

Freelancer haben jedoch im Gegensatz zu Vollzeitangestellten mit einigen Problemen zu kämpfen: Sie werden oftmals zu spät oder gar nicht bezahlt, es fehlen Beiträge zur Krankenversicherung oder der Altersvorsorge und im Fall von Krankheit oder Unfall werden sie nicht bezahlt. Des Weiteren werden Büroutensilien und Weiterbildungen nicht vom Auftraggeber übernommen. Die Kombination von ökonomischer Abhängigkeit von der Plattform und erzwungener Risikobereitschaft kann für einige Gig-Arbeiter eine Gefahr darstellen. Des Weiteren ist die Chance von Unterbezahlung in der Gig Economy hoch: Die Bezahlung ist je nach Auftrag individuell festgelegt, orientiert sich aber aufgrund des hohen Angebots an Auftragnehmer am gesetzlichen Minimum.

Damit die Gig Economy weiterhin wachsen kann, müssen die Vermittlungsplattformen zunehmend Verantwortung für ihre Arbeitskräfte übernehmen. Dazu braucht es keine direkte Festanstellung der Freelancer. Vielmehr würden bereits Fortbildungen, höhere Löhne oder Beiträge zur Krankenversicherung oder Altersvorsorge gute Möglichkeiten darstellen, die Mitarbeiter zufriedener zu stimmen. Schliesslich liegt es im Interesse der Plattformen, glücklichere Mitarbeiter zu haben, da sie oft der einzig echte Kontakt der Plattform zum Kunden sind und dadurch einen direkten Einfluss auf den Erfolg haben. Nicht zu vergessen ist, dass die Arbeitnehmer die Vermittlungsplattformen frei wählen und bewerten können, da unter den Vermittlungsplattformen eine direkte Konkurrenz und volle Transparenz auf dem Markt herrscht. Neben dem moralischen Anreiz haben die Plattform dadurch auch eine finanzielle Motivation, ihren «Gig-Arbeitern» entgegenzukommen.

____________________________________________________________________________________

Quellen:

Deloitte Research 2016: Der Arbeitsplatz der Zukunft, Wie digitale Technologie und Sharing Economy die Schweizer Arbeitswelt verändern. Online (24.3.17): https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/ch/Documents/consumer-business/ch-cb-de-der-arbeitsplatz-der-zukunft.pdf

Frankfurter Allgemeine Wirtschaft, Britta Beeger: Die Chancen der „Gig-Economy“. Online (24.3.17): http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/vor-und-nachteile-der-gig-economy-14357206.html

Fusion, Rob Wile: There are probably way more people in the ‘gig economy’ than we realize. Online (24.3.17): http://fusion.net/there-are-probably-way-more-people-in-the-gig-economy-t-1793849482

Harward Business Review, Arun Sundararajan, What Airbnb Gets About Culture that Uber Doesn’t. Online (24.3.17): https://hbr.org/2014/11/what-airbnb-gets-about-culture-that-uber-doesnt

Harward Business Review, Diane Mulcahy: Will the Gig Economy Make the Office Obsolete?. Online (24.3.17): https://hbr.org/2017/03/will-the-gig-economy-make-the-office-obsolete#comment-section

Kuhn, Kristine M. „The Rise of the “Gig Economy” and Implications for Understanding Work and Workers.“ Industrial and Organizational Psychology 9.01 (2016): 157-162.

Xing, Prof. Dr. Matthes Fleck: Gig Economy die neue Form der Sklaverei?. Online (24.3.17): www.xing.com/news/insiders/articles/gig-economy-die-neue-form-der-sklaverei-660131?xng_share_origin=web

Teilen in

About Author

Catherine Cornaz

Master-Studentin Business Administration, Major in Online Business und Marketing

Leave A Reply