Verhinderung der sozialen Isolation: Bieten die Sozialen Medien einen Ausweg für Arbeitssuchende?

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Soziale Medien ermöglichen das Knüpfen und Aufrechterhalten von Kontakten. Aus theoretischer Sicht bieten sie deshalb ein grosses Potenzial für Arbeitssuchende, die mit Gefühlen der sozialen Isolation konfrontiert sind. Doch ist dies auch in der Realität der Fall? Der nachfolgende Blogbeitrag gibt einen Überblick über den Einfluss der sozialen Medien auf das Gefühl der sozialen Isolation nicht nur bei Arbeitssuchenden.

Die sozialen Medien erlauben es uns immer und überall mit unseren Mitmenschen in Kontakt zu bleiben. Was früher unvorstellbar war, ist heute Realität. Auch wenn diese Entwicklung zahlreiche Vorteile mit sich bringt, so hat man ebenso festgestellt, dass die ständige Nutzung der sozialen Medien zu einem Gefühl der Einsamkeit und sozialen Isolation führen kann. Paradox wenn man bedenkt, dass gerade soziale Medien wie Facebook, Instagram und ähnliche, die die Interaktion zwischen Leuten begünstigen, das Gefühl der sozialen Isolation fördern. Es stellt sich hier aber auch die Frage der Henne-Ei-Problematik: Verbringen Menschen viel Zeit in sozialen Netzwerken und fühlen sich dadurch einsam oder fühlen sich Menschen einsam und verbringen deshalb viel Zeit auf Facebook, Instagram oder dergleichen?

Gemäss einer kürzlich veröffentlichen Studie, in welcher die Social-Media-Nutzung von 1787 US-Bürgern zwischen 19 und 32 Jahren analysiert wurde, mildert die Nutzung der sozialen Medien die Einsamkeit nicht ab.

Soziale Isolation im Zusammenhang mit sozialen Medien kennt verschiedene Auslöser. In der virtuellen Welt scheint alles besser und einfacher zu sein, sodass vielfach eine Flucht in diese Welt beobachtet werden kann. Hat man eine negative Erfahrung in der nicht-virtuellen Welt gemacht oder ein Problem mit einem Freund, wechseln wir kurzerhand in die sozialen Netzwerke. Dort hat man viele „virtuelle“ Freunde und das Gefühl der Gemeinschaft wird vorgetäuscht. Dies ist leider nicht die einzige Täuschung, denn, wenn man andere Profile in sozialen Netzwerken betrachtet, so kommt man rasch zur Auffassung, dass alle anderen ein supererfolgreiches, wunderschönes und problemloses Leben haben. Hier spielt die positive Selbstdarstellung im Internet natürlich ein grosse Rolle, denn die Mehrheit möchte nichts negatives von sich selbst in einem sozialen Netzwerk preisgeben.

Wie einleitend erwähnt, wird vermutet, dass die sozialen Medien die Interaktion mit anderen Menschen fördern und so kein Gefühl von Einsamkeit oder sozialer Isolation hervorgerufen wird. Eine Studie untersuchte deshalb, ob die Nutzung von sozialen Medien während Arbeitslosigkeit das Gefühl der sozialen Isolation minimiert. Einer geregelten Arbeit nachzugehen ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern gibt dem Leben auch eine gewisse Struktur und erleichtert den Kontakt zu anderen Menschen. Wird man arbeitslos und findet man während längerer Zeit keinen Job mehr, so ist dies häufig mit sozialem Rückzug und Isolation verbunden. Natürlich kann die soziale Isolation jeden treffen, doch gerade als arbeitssuchende Person fällt es einem noch schwerer eine Tagesstruktur aufrechtzuerhalten und den sozialen Anschluss nicht zu verlieren.

Aus diesem Grund wurde untersucht, ob die sozialen Medien das Gefühl der sozialen Isolation während Arbeitslosigkeit reduzieren oder sogar verhindern, da man über soziale Netzwerke die Möglichkeit hat, mit Mitmenschen zu interagieren, Erlebnisse mit Freunden zu teilen oder sich sogar mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Auch wenn vermutet wird, dass die sozialen Netzwerke einen positiven Einfluss auf das Gefühl der sozialen Isolation bei Arbeitslosen haben, so kam die Studie zum Schluss, dass dies sehr individuell ist und von der Persönlichkeit jedes einzelnen abhängt. Natürlich können durch die Nutzung der sozialen Medien soziale Kontakte, zum Beispiel zu ehemaligen Arbeitskollegen, einfacher aufrechterhalten werden. Die Nutzung von sozialen Medien kann von Vorteil sein, um das soziale Netzwerk von arbeitssuchenden aufrecht zu erhalten, doch es gilt ebenso zu berücksichtigen, dass das Risiko besteht, ständig auf den sozialen Medien zu verweilen, anstatt sich um eine neue Stelle zu bemühen. Online-Interaktionen können nicht den Offline-Kontakt zu Menschen ersetzen, aber ergänzen. Der Online-Austausch kann aber genauso dazu führen, dass Menschen sich noch mehr aus der Realität zurückziehen und die Einsamkeit sich weiter verstärkt.

Ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit Stellensuche und sozialen Medien darf nicht ausser Acht gelassen werden: Die Online-Welt bietet den Arbeitslosen durch die sozialen Netzwerke eine weitere Möglichkeit mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen. Hierfür gibt es diverse Plattformen wie beispielsweise XING oder LinkedIn auf welchen ein persönliches Profil mit Informationen zum beruflichen Hintergrund erstellt werden kann.

In der heutigen Zeit kontaktieren Unternehmen potenzielle Mitarbeiter auch direkt über soziale Netzwerke. Dieses Phänomen wird Social Recruiting genannt. Deshalb gilt es bei Veröffentlichungen auf dem privaten Profil, stets zu berücksichtigen, ob man diese auch seinem potenziellen Arbeitgeber zeigen würde. Fotos der letzten Partynacht sind da wohl eher schädlich als förderlich.


Quellen:

A social net? Internet and social media use during unemployment. Online (15.03.2017): https://brage.bibsys.no/xmlui/bitstream/handle/11250/278790/Fieseler_WES_2014.pdf?sequence=6

Gartner. Can Social Networks Help Fight Unemployment?. Online (20.03.2017):
http://blogs.gartner.com/andrea_dimaio/2009/03/13/can-social-networks-help-fight-unemployment/

activebeat. 5 Ways Social Media Contributes To Social Isolation. Online (17.03.2017):
http://www.activebeat.com/your-health/women/5-ways-social-media-contributes-to-social-isolation/4/

Welt. Soziale Medien können Einsamkeitsgefühl verstärken. Online (21.03.2017): https://www.welt.de/gesundheit/article162663805/Soziale-Medien-koennen-Einsamkeitsgefuehl-verstaerken.html

 

 

 

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