Usability Tests – wie du deine Webseite optimieren kannst

0

Mit Hilfe von Usability Tests kannst du prüfen, ob die Besucher deiner Webseite mit dieser klar kommen. Usability Tests decken Fehler in der Konzeption, Grafik oder Programmierung auf, was es ermöglicht an entsprechender Stelle Verbesserungen vorzunehmen.

Gründe für Usability Tests

Usability Tests sind stark mit dem Projektablauf verknüpft. Denn in der Regel entscheiden der Zeit- und Budgetplan über dessen Durchführung. Wichtig ist, den Projektleiter oder auch den Geschäftsführer von der Notwendigkeit der Usability Test Durchführung zu überzeugen. Hier sind die wichtigsten Argumente für Usability Tests im Überblick, die Dir dabei helfen werden auch deinen Chef davon zu überzeugen, dass Usability Tests notwendig sind:

  1. Kein Benutzer möchte die Bedienung der Webseite erst erlernen. Die Webseite muss so konstruiert sein, dass Besucher sie bedienen können ohne über die Bedienung nachzudenken.
  2. Potentielle Benutzer denken anders als Projektführer. Daher sind Perspektivwechsel hilfreich.
  3. Auch in anderen Branchen werden Produkte nicht auf den Markt gebracht bevor sie getestet werden. Denn der Ruf der Firma steht auf dem Spiel!
  4. Eine benutzerfreundliche Webseite steigert Umsätze.

Arten von Usability Tests

Es gibt verschiedene Arten von Usability Tests. Die Tests unterscheiden sich dahingehend, zu welchem Zeitpunkt der Webseitenentwicklung sie eingesetzt werden. Im Folgenden werden sechs der am häufigsten angewendeten Usability Tests vorgestellt.

1.    Der klassische Usability Test

Für die Durchführung des Usability Tests sollte ein Raum für ungestörtes Arbeiten ausgewählt werden. Es sollten bei der Versuchsumgebung möglichst wenig Ablenkungen bestehen, damit sich der Proband auf seine Aufgabe konzentrieren kann. Für den Versuchsaufbau selbst braucht es im Grunde nicht viel: Tisch und Stuhl; Notebook, Maus und Tastatur; sowie Kameras zur Testaufnahme.

Als Testpersonen eignet sich die Zielgruppe des Unternehmens bzw. der Webseite am besten, da diese schlussendlich auch die Webseite benutzen soll. Arbeitskollegen oder Personen, die sehr vertraut mit dem Projekt sind, eignen sich weniger als Testpersonen, weil sie im Gegensatz zu den späteren Webseitennutzern, bereits über viel Vorwissen zur Bedienung der Webseite verfügen. In der Regel reicht es, wenn sich drei bis fünf Personen dem Test unterziehen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erlangen. Wenn mehr Testpersonen befragt werden, dann werden in der Regel weniger neue Erkenntnisse gewonnen. Um eine Vergleichbarkeit der Tests zu gewährleisten, sollten nicht weniger als drei Personen den Test durchführen.

Um Betreuer des Usability Tests zu werden bedarf es keiner spezifischen Qualifikation. Im Grunde eignet sich fast jeder als Betreuer. Wichtig ist einzig ein gepflegtes und höfliches Auftreten. Ferner sollte der Betreuer über etwas Selbstbeherrschung verfügen, da es nervenaufreibend sein kann, wenn Schwachstellen in einem Projekt identifiziert werden, in welche so viel Zeit und Mühe investiert wurden.

Bei den Testaufgaben sollen die Testpersonen entweder Vermutungen darüber anstellen, was sich hinter bestimmten Schaltflächen verbirgt, bestimmten Aktionen durchführen oder Informationen recherchieren. Die Beobachter halten ihre Beobachtungen fest. Beispielsweise vermerken sie, wenn die

Testperson zögert oder ungeduldig wird.

Aufgabenbeispiele von Usability Tests:

  • Legen Sie Produkt X und Produkt Y in den Warenkorb.
  • Entfernen Sie Produkt Y aus dem Warenkorb.
  • Kaufen Sie das Produkt X.
  • Finden Sie heraus unter welchen Umständen das Produkt umgetauscht werden kann.
  • Bestellen Sie den Newsletter.
  • Bestellen Sie den Newsletter wieder ab.
  • Füllen Sie das Kontaktformular aus.

Bei der Auswertung der Tests kann es hilfreich sein, sich an folgenden Leitfragen zu orientieren.

 Leitfragen zur Testbeurteilung:

  • Konnte die Aufgabe erfolgreich abgeschlossen werden?
  • Brauchte die Testperson Hilfe?
  • Hatte die Testperson Probleme mit Begriffen, Funktionen oder Abbildungen?
  • Wie lange hat die Aufgabe gedauert?
  • Gab es technische Probleme?

Doch auch Usability Tests auf ihre Grenzen stossen. So geben sich beispielsweise mache Testpersonen mehr Mühe als im Alltag die Aufgabe zu lösen, weil sie alles richtig machen möchten. Ausserhalb des Versuchs hätte sie vermutlich schon längst aufgegeben. Manche Testpersonen haben wiederum Hemmungen, Kritik zu äussern oder regieren aufgrund der Beobachtung nervös.
Auch auf Seiten der Testdurchführer stossen Usability Tests auf ihre Grenzen. So finden sie nur dort Fehler, wo sie nach diesen suchen, denn sie können nicht alle möglichen Situationen durchspielen. Ferner können sie nur begrenzt testen, wie ein Benutzer nach mehrmaligen Gebrauch mit der Webseite umgeht.

2.    Card Sorting

Bildquelle: flickr

Beim Card Sorting geht es darum, eine benutzerfreundliche Informationsarchitektur bzw. Webseitennavigation zu erstellen. In einem ersten Schritt werden die Bezeichnungen der einzelnen Seiten auf Karteikarten geschrieben und in einem zweiten Schritt werden die Karteikarten, so angeordnet wie sie später auf der Webseite im Menü zu finden sein sollen. Durch das Card Sorting wird zum einen deutlich, wie tief die Navigationsstruktur ist und zum anderen wird aufgezeigt, wie viele Unterseiten eine Webseite hat. So kann das Ausmass der Webseitenerstellung oder des Relaunchs abgeschätzt werden. Doch noch wichtiger ist, dass die Karten-Anordnung die thematische Zugehörigkeit der einzelnen Seiten verdeutlicht und dass das Wording der Menüsektionen diskutiert wird.

3.    Wireframes und Mockups

Bildquelle: powermockup

Wireframes zeigen sowohl die Webseiten-Struktur und –Navigation als auch das Layout auf. Durch Wireframes kann ein früher konzeptioneller Entwurf einer Webseite dargestellt werden. Die Anordnung der Elemente und die Benutzerführung werden visualisiert. Wireframes ermöglichen es, Schwachstellen zu erkennen und schnell zu korrigieren. Auf der Basis von Wireframes können Mockups erstellt werden. Diese sind grafisch ausgestaltet und der Fokus wird zunehmend auf das Design gelegt. Sie stellen eine Art Attrappe der späteren Webseite dar. Während Wireframes oftmals einfach auf Papier skizziert werden, werden für die Erstellung von Mockups Tools benötigt, um die grafischen Elemente darzustellen. Empfehlenswert ist beispielsweise Powermockup, welches eine Erweiterung des weit verbreiteten Programms Power Point darstellt.

4.    Heuristische Evaluation

Verschiedene Regeln der Usability werden nach einer Checkliste analysiert. Mehrere Usability-Experten untersuchen die Webseite und weisen auf Problemstellen hin. Checklisten zur Usability Analyse existieren viele. Beispielsweise haben Keßler, Rabsch, & Mandić (2015) eine Checkliste mit 10 Usability-Geboten erstellt, nach welchen eine heuristische Evaluation durchgeführt werden kann.

  • Gebot 1: Du sollst alle Benutzer bedienen
  • Gebot 2: Du sollst eine einfache Orientierung ermöglichen
  • Gebot 3: Du sollst den Benutzern Inhalte optimal präsentieren
  • Gebot 4: Du sollst eine angenehme Atmosphäre schaffen
  • Gebot 5: Du sollst den Benutzer nicht stören oder irritieren
  • Gebot 6: Du sollst Benutzer nicht warten lassen
  • Gebot 7: Du sollst deine Benutzer nicht aufdringlich ausfragen
  • Gebot 8: Du sollst mit dem Benutzer kommunizieren
  • Gebot 9: Du sollst vertrauen schaffen
  • Gebot 10: Du sollst deine Benutzer wieder bedienen

5.    Eye & Mouse Tracking

Bildquelle: eyegaze.

Während beim Mouse Tracking der Klickverlauf eines Nutzers sichtbar gemacht wird, wird beim Eye Tracking der Blickverlauf des Nutzers aufgezeichnet. In beiden Fällen wird durch sogenannte Heatmaps visualisiert, wo der Nutzer sich am längsten aufgehalten hat. Auf roten Flächen hat die Maus lange verweilt, während die Maus nicht auf den weissen Flächen geruht hat. Beim Mouse Tracking wird evaluiert, wohin die Nutzer am häufigsten klicken; wo der Nutzer klickt, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen; und wie lange ein Nutzer benötigt, bis er das entsprechende Element gefunden hat. Mouse Tracking kann kostenlos mit Tools wie beispielsweise Hotjar durchgeführt werden. Durch das Eye Tracking kann hingegen festgestellt werden, auf welche Elemente des Bildschirms der Nutzer seine Aufmerksamkeit richtet; welche Elemente er wahrnimmt und welche nicht; ob ein Text durchgelesen wird; und ob ein Nutzer orientiert oder desorientiert ist. Auf Grundlage der Testergebnisse kann entschieden werden, wo besonders wichtiger Inhalt positioniert werden soll.

6.    A/B Tests

Bildquelle: Wikipedia

Beim A/B Test werden zwei verschiedene Versionen einer Webseite erstellt. Für einen bestimmten Zeitraum wird der Traffic je zur Hälfte auf eine der Versionen verteilt. A/B Versionen sollten immer gleichzeitig und nicht nacheinander getestet werden, da externe Faktoren die Ergebnisse beeinflussen. Ziel der A/B Tests ist herauszufinden, welche Version mehr Conversions erzielt. Getestet werden zum Beispiel Modifikationen von Formularfeldern, Design/Layout, Preise/Rabatte, Bilder/Videos und Text (Länge und Wording). Achtung: Wenn Online-Shops überoptimiert werden, dann steigt die Retourquote! Denn bei einer Überoptimierung kaufen sogar die Nutzer, die das Produkt eigentlich gar nicht kaufen wollten. Sobald das Produkt geliefert wurde kommen die Kunden zur Besinnung und schicken dieses zurück.

Literatur

Fischer, M. (2009). Website Boosting 2.0. Suchmaschinen-Optimierung, Usability, Online-Marketing (2 Aufl.). München: Mitp.

Jacobsen, J. (2011). Webseite Konzeption. Erfolgreiche Webseiten planen, umsetzen und betreiben. München: Addison-Wesley Verlag.

Keßler, E., Rabsch, S., & Mandić, M. (2015). Erfolgreiche Websites: SEO, SEM, Online-Marketing, Usability. Rheinwerk Computing (3. Aufl.). Bonn: Rheinwerk.

 

Teilen in

About Author

Esther Schmitt

Studierte Buchwissenschaftlerin und Philosophin mit fundierten Know-how und Praxiserfahrung in SEO und SEA.

Leave A Reply