Plastik – das omnipräsente, untötbare Bakterium

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Unmerklich schleicht er sich seit Jahrzehnten langsam in unseren Alltag ein. Stück für Stück immer etwas mehr, bis er sich heute in all unseren Lebensbereichen scheinbar unumstösslich etabliert hat: Plastik.

Untötbar? Nicht wegzudenken? Ist das so? Dem möchte ich nicht so wirklich Glauben schenken. Deshalb schnappe ich mir kurzerhand zwei Freunde und begebe mich ins Neubad, um an der zweiten Gesprächsrunde “PlasticTalks: Zirkluär O Plastik” teilzunehmen. Die Eventreihe wird im Rahmen des Horizon 2020 Forschungsprojekts PlasticTwist präsentiert, im März und April folgen der dritte und vierte Teil.

Gleich zu Beginn erfährt das Publikum einen traurigen Fakt: Wir Schweizer, die achso hochgelobte Recyclingnation, wir sind Meister im Abfall produzieren. Wir konsumieren gerne und dies mit ganz schön viel Plastik. Die Moderatorin Julie Harboe liefert beeindruckende Zahlen zum Thema Plastikabfall: pro Jahr verbrauchen wir in der Schweiz 90kg Plastik pro Einwohner – drei Viertel davon besteht aus Einwegverpackungen . Aber wir sind ja nicht hier, um über die Probleme, sondern vielmehr um über spannende Lösungen zu sprechen.

Die Gesprächsrunde verläuft sehr interaktiv, das Publikum ist Teil der Diskussion. Nach dem sich alle geladenen Gäste vorgestellt haben, schwirren sie aus ins Publikum, um sich in kleinen Gesprächsgruppen über ihr Projekt auszutauschen. Es sind spannende, vielversprechende Projekte.

Da sind Helene Wiesinger und Magdalena Klotz, die sich an der ETH im Rahmen ihres PHD mit den Plastik-Abfallströmen in der Schweiz befassen und sich fragen, wie man diese zirkulärer gestalten könnten. Sie setzen sich mit den Chemikalien im Plastik auseinander. Das Problem? Rezyklierter Plastik ist oftmals nicht hochwertig genug, um für Alltagsgegenstände gebraucht zu werden. Das wollen die beiden ändern.

Ein anderer Ansatz hat Albin Kälin, der CEO von EPEA, eine Organisation, die in der internationalen Umweltforschung tätig ist und Cradle to Cradle Zertifizierungen vergibt. Er erklärt, dass einen Wandel nur Hand in Hand mit den Big Playern der Industrie vonstatten gehen kann – es muss wirtschaftlich sein, einen anderen Weg gibt es nicht.

Und dann ist da noch Mike Camastra der mit seinem Unternehmen ReCircle der Ressourcenverschwendung den Kampf ansagt. Wie macht er das? Mit einem Mehrweggeschirr für Restaurants integriert in einem ausgeklügelten Recyclingservice. Als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie dient Peter Troxler, ein Professor der Hochschule Rotterdam.

Die Zeit vergeht im Flug, am Schluss bleiben wir noch etwas sitzen, mit dem etwas resignierten Gefühl, dass man noch Stunden, Tage, ja Wochen weiter diskutieren könnte. Das Problem Plastik ist weit vielschichtiger als man im ersten Moment denkt. Gut gibt es einen nächsten Talk am 19. März. Da können wir die vom internationalen EU Projekt PlasticTwist lancierte digitale Plattform austesten. Denn es braucht globale Lösungen, das wissen wir nun.

Trotz all dem geschürten Unmut besteht doch Optimismus in mir – wenn fünf solch intelligente Denker unserer Zeit sich dem Thema annehmen und dabei ein Publikum von etwa 30+ Nasen meiner Generation begeistern können, dann besteht doch noch Hoffnung, dass wir zusammen dem Plastik an den Kragen gehen können.

 

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