Winter School 2019 – Kreativität lernen und üben

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Autorin: Salome Weiss

Was bedeutet Innovation? Was ist Kreativität? Wie kann diese vollständig ausgeschöpft werden und dabei ein innovatives Ziel, etwas Neues, erzeugen? Wie kann Kreativität gefördert werden, welche Methoden sind besonders geeignet dazu? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns in der Zukunftslabor CreaLab Winterschool 2019.

Tag 1 – Einführung und Theorieblock

Unwissend und gespannt darauf, was auf mich zukommen und mich genau erwarten würde, fand ich mich zu Beginn der Winterschool-Woche im Klassenzimmer der HSLU für Wirtschaft ein. Im ersten Block am Montagmorgen wurde ein Basiswissen über die Bedeutung von Kreativität und Innovation vermittelt. Es ging zudem auch um die Interaktion, Kommunikation und besonders um verschiedene Arten des Zuhörens in Gruppen und unter Menschen im Allgemeinen. Interessant war es auch zu erfahren, wie verschieden die Denkprozesse sein können, und in welche Stufenbereiche sie eingeteilt sind. Bezüglich Kreativität wurden verschiedene Blickwinkel und Theorien von Psychologen, Wissenschaftler und Mediziner besprochen und angeschaut. Edward de Bono, zum Beispiel, bezeichnet Kreativität so: «Ich glaube nicht, dass Kreativität die Gabe einer guten Fee ist. Ich glaube, sie ist eine Fertigkeit, die wie Autofahren geübt und gelernt werden kann. Wir halten die Kreativität nur für eine Gabe, weil wir uns nie bemüht haben, sie als Fertigkeit zu üben.» (Edward de Bono, 1998, Vorlesung Tag 1, Folie 11, nicht veröffentlichtes Unterrichtsmaterial)
Die Ziele der CreaLab Winterschool-Woche 2019 lauteten zum einen das Erlernen von beispielhaften Innovationsmethoden und deren sinnvolle Einsetzung und zum anderen, dass wir als Studierende die Struktur von Innovations- und Kreativitätsprozessen in einem Modellworkshop erleben und später in einem weiteren Schritt dann daraus resultierend, mit den erlernten Fähigkeiten, ein eigener innovativer Workshop planen und umsetzen können.

Am Nachmittag fand dann auch schon der erste Workshop statt. Es handelte sich dabei um einen Modellworkshop, welcher aufzeigen sollte, wie so ein Ablauf überhaupt aussehen könnte, welche Methoden bei welchen Phasen angewendet werden und wie daraus ein ganzer Denk- und Entstehungsprozess generiert wird. Interessant dabei war zu sehen, dass mit Absicht generierte Störungsfaktoren den Kreativitätsprozess beschleunigen und anregen. Zudem haben sich die Gedanken eines jeden Einzelnen in einer grossen Diversität entfaltet, die man am Anfang so nicht hätte erwarten können, was spannend war. Daraus sind zum Teil innovative, realistische und umsetzbare Ideen und Lösungsansätze entstanden, welche hätten weiterentwickelt werden könnten. Der Nachmittag wurde mit einer klaren, reflektiven Feedbackrunde abgeschlossen.

Tag 2 – Theorieblock 2, Konfrontation mit Auftraggeber und Workshop-Vorbereitung beginnen

Im zweiten Theorieblock ging es darum, diverse Lern- und Arbeitsstile kennenzulernen und herauszufinden, welcher Typ auf meine eigene Persönlichkeit zutrifft. Dies wurde in einem für sich selbst durchgeführten Test erkundet. Gesamthaft betrachtet entstanden unzählige Variationen der vier Ursprungstypen: Macher, Denker, Entdecker und Entscheider.
Ich lernte, dass es wichtig oder von Vorteil ist, dass sich in einer Gruppe möglichst viel verschiedene Arten und Charakteren von Menschen befinden, welche sich gegenseitig im Ideenprozess und in der Aufgabenverteilung ergänzen und bereichern können. Eine Theorie von Professor Peter Kruse ist das Kruse-Prinzip. Diese soll als Werkzeug zur Erzeugung von kollektiver Intelligenz dienen und besagt, dass jeder Mensch sich in einer der drei Spalten Owner, Creator und Broker einordnen lässt. Ein Owner ist jemand, der sich ein extremes Fachwissen angeeignet hat und sehr viel theoretisch weiss, jemand der alles fest im Griff hat und meistens den Überblick bewahrt. Der Creator ist der freie Denker. Er entwickelt, denkt und führt zu neuen, vielleicht innovativen Ideen. Ein Mensch, welcher sich in seinem ganzen Dasein auf seine Beziehungen und Kontakte verlassen kann und selbst kein breites Wissen hat, wird von Kruse als Broker bezeichnet. Unterschiedliche Kombinationen dieser drei Typen erzeugen immense Spannungen in Systemen, welche zu unglaublich interessanten, einzigartigen und innovativen Lösungen führen können. Wenn nun ein Creator und ein Owner zusammenkommen, trifft Instabilität und Wissen aufeinander und erzeugt ein Cortex, was bedeutet, dass ein Langzeitspeicher und grosser Ideenpool generiert wird.

Wie wird ein innovativer Workshop geplant und durchgeführt? Die Einführung in die Workshop Planung war für mich äusserst lehrreich und spannend. Obwohl ich schon einige Workshops in anderen Themenbereichen durchgeführt habe, lernte ich doch ziemlich viel Neues dazu. Mit Hilfe des uns gezeigten und vorgeführten Web-based-Trainings kann vermehrtes Wissen ermittelt und sogar ein gesamter Workshop übersichtlich mit Zeitplanung erstellt werden. Als Hilfestellung sind bereits verschiedenste Methoden vorgegeben, welche aber auf eine einfache Art und Weise bearbeitet, ergänzt oder sogar neu kreiert werden können.

Dann endlich, kurz vor Mittag, sind alle Geheimnisse gelüftet worden und die Auftraggeberinnen haben ihre Challenges vor den halbierten Klassen präsentiert. Der gestellte Auftrag wurde bis auf das Knochenmark geprüft, besprochen und diskutiert, bis er schlussendlich von allen zu 100 Prozent verstanden war.

Der Auftrag in meinem Teil der Klasse lautete: Das Generieren eines analogen Spieles, welches den Benutzern auf eine spassige Art und Weise Wissen über das Leben von Bienen, das Entstehen von Honig oder anderen Bienen-Produkten oder sogar über Imkerei vermittelt. Das Spiel soll für Jung, Alt und Laien sein, die sich für dieses vielseitige und aktuelle Thema interessieren. Seit dem Film «More Than Honey» ist nämlich ein grosses Interesse am Thema vorhanden. Um dieses Interesse zu stillen, sollten in unseren Gruppen Ideen und Lösungsansätze für Bienen-Spiele entstehen und weiterentwickelt werden. Zuerst musste eine ganze Menge an Wissen über Bienen angeeignet werden, damit überhaupt in diese Richtung geplant werden konnte.

Nun war es an den Gruppen, innovative Workshops zu planen und gestalten, mit der Hoffnung, dass wertvolle und brauchbare Lösungsansätze daraus resultieren. Dies zu erreichen war jedoch nicht das Hauptziel, das Wichtigste sollte dabei sein, dass die Teilnehmenden des Moduls erlernen wie man einen solchen Workshop auf die Beine stellt und durchführt. Den gesamten Nachmittag lang wurde gruppenintern gearbeitet, diskutiert und neue Methoden erschaffen. Der Auftrag wurde in drei Teilbereiche aufgeteilt, sodass in den Gruppen drei im Kernthema unterschiedliche Workshops erarbeitet werden können.

In meiner Gruppe liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, jeder war auf seine Art daran beteiligt und es hat zudem sehr Spass gemacht. Natürlich gab es auch herausfordernde Momente. Es entstanden unzählige neue Methodenideen, die wir umsetzen wollten. Die Aufgabenteilung haben wir klar strukturiert, was auch mit der Erfüllung sehr gut geklappt hat. Zeitpläne und Materiallisten wurden erstellt sowie diverse Materialien und Vorlagen zeitgemäss bereitgestellt.

Tag 3 – Beendung der Workshop Vorbereitung und erster Workshop

Der Mittwochmorgen startete mit einem Input über das Moderieren eines Workshops. Wie soll der Ablauf aussehen? Welche Materialien werden wann benötigt? Ist der Workshop klar strukturiert? Wie trete ich auf und wie kann ich in heiklen Situationen die Aufmerksamkeit auf mich lenken? Spreche ich genügend laut und deutlich? Mit diesen und noch vielen anderen Fragen im Kopf umherschwirrend muss sich eine präsentierende Person auseinandersetzen. Ich erhielt wertvolle und wichtige Antworten und Informationen in Bezug auf diese Fragen und konnte mich im Bereich der Moderation extrem weiterbilden und stärken.
Bei der Planung und Moderation müssen wichtige Punkte beachtet werden wie der Zeitfaktor, Umgang mit Methoden, Materialien, Kostenfaktor, Funktion und Aufgabenverteilung im Team und Raumaufteilung. Der Ablauf soll Szenenwechsel, Freiraum und Interaktion beinhalten.

Danach war noch Zeit vorhanden um die Workshop Vorbereitungen abzuschliessen. Am Nachmittag fand dann der erste Workshop statt.

Tag 4 – Workshop 2 und 3

Die letzten beiden Workshops wurden am Donnerstag abgehalten. Diese zu erleben hat Spass bereitet und ist äusserst interessant und amüsant gewesen. Gleichzeitig hat es mir – und ich denke auch allen anderen Teilnehmenden – Kräfte und die Energie geraubt, jedoch auf eine positive Art. Tolle Lösungsansätze und Ideen sind entstanden. Teilweise fehlte noch der letzte Schliff der Geschichten oder Erfindungen, aber alles in allem sind überraschende Gedankenschlösser ans Licht gekommen. Beim allerletzen Workshop war bei den meisten jedoch kaum mehr Energie vorhanden. An Kreativität hat es überhaupt nicht gemangelt, sondern an Innovation. Der Ausbau der Spiele ist in den Schlussphasen nicht sehr innovativ abgelaufen, was jedoch zum einen verständlich und zum anderen sehr schade war.
Gesamthaft gesehen sind spannende Spielansätze mit Vermittlung von Wissen über Bienen entstanden, welche so weiterentwickelt werden könnten. Als Beispiel dafür: Ein Activity-Gebäude in Form eines ausgeklügelten Waben-Labyrinths. Dieses soll mit Rätseln, Verstecken und Informationen über das Leben von Bienen ausgestattet sein, ein Abenteuerspass für Jung und Alt. Das Wissen wird zudem mit Fragen vermittelt, die beantwortet werden müssen, um Hinweise für den weiteren Verlauf des Weges freizuschalten und zu sammeln.

Tag 5 – Schlusspräsentationen und Feedback der AuftraggeberInnen

Zum Schluss mussten die beiden Teilklassen nur noch die Ergebnisse den Auftraggebenden präsentieren. Um diese Präsentationen vorzubereiten war am Morgen Zeit vorhanden. In den Teilklassen wurde jeweils abgesprochen wie dabei vorgegangen werden soll, um auf eine einfache Art dem Auftraggeber die Resultate vor zu demonstrieren. Nach den Präsentationen am Nachmittag bekamen wir von den entsprechenden Personen ein Feedback und sie konnten den Gruppen auch Fragen stellen. In meinem Fall hat sich die Auftraggeberin riesig über die entstandenen Lösungsansätze und Ideen gefreut. Sie hat sich bedankt und macht sich Gedanken darüber, vielleicht einige Ideen weiterentwickeln und kombinieren zu können. Jedenfalls hat sie etwas damit anfangen können und hofft, dass daraus ein innovatives und kreatives Spiel über Bienen entstehen kann, welches die Menschen in diesem Bereich auf eine spassige Art und Weise weiterbildet.

Reflexion der Winterschool-Woche

Mir hat die Blockwoche vom Crea-Lab extrem gut gefallen, sie hat mir geholfen zu verstehen, auf wie vielen Wegen man kreativ sein kann oder auch, wie Kreativität im Gehirn abgerufen werden kann. Für mich hat bis jetzt fast nur meine Kreativität in Bezug auf Gestaltung existiert. Mein bisheriges Verständnis hat das Kreativ-Sein immer automatisch mit den Begriffen Kunst, Gestaltung, Grafik und Design etc. in Verbindung gebracht. In dieser Woche wurde mir klar, dass dies ein viel breiteres Spektrum umfasst als ich bisher angenommen habe. Es war zudem äusserst spannend theoretisch wie auch praktisch zu erlernen, wie ein innovativer Workshop geplant und umgesetzt wird. Am allerwichtigsten und lernreichsten hierbei, so denke ich, war sicherlich das eigene Engagement, dass man in einer Gruppe selber hatte aktiv werden müssen um einen Workshop auf die Beine zu stellen. Natürlich lief nicht immer alles rund in den Gruppen, beim Vorbereiten sowie bei der Umsetzung nicht, doch trotzdem war der Lerneffekt vorhanden und durch interessante Gedankenanstösse und Inputs wurde man immer wieder weiter vorangetrieben. Also, alles in allem eine erfolgreiche und lehrreiche Woche mit spannenden Lösungen. Man knüpfte neue Kontakte und hatte immer auch Spass dabei.

Autorin: Salome Weiss

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