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Hybride Lehre – der Fünfer und das Weggli? ZLLFtalk mit Sarah Hauser und Simon Züst

Wer gleichzeitig den Fünfer und das Weggli in der Tasche hat, besitzt gemäss einer schweizerdeutschen Redensart zwei Dinge, die sich normalerweise ausschliessen. Während der Corona-Pandemie bildete sich ein Lehrformat heraus, das ebenfalls zwei Dinge verbindet, die sich auf den ersten Blick ausschliessen: Präsenzunterricht vor Ort am Campus und Online-Unterricht im digitalen Raum. Nach den positiven Erfahrungen mit Online-Formaten stellte sich die Frage, ob sich deren Vorteile nicht auch mit den Vorteilen des Präsenzunterrichts kombinieren liessen. Studierende sollten demnach wahlweise den Unterricht onsite am Campus und gleichzeitig online im Netz besuchen können. Das Format wird im deutschsprachigen Raum oft als hybrider Unterricht, im englischsprachigen Diskurs u. a. als Blended Synchronous Learning oder als Hyflex Teaching bezeichnet.

An der HSLU werden hybride Lehrsettings seit den Coronasemstern ebenfalls genutzt und diskutiert. Das ZLLF wollte wissen, welche Erfahrungen Lehrende und Studierende mit dem Format sammeln konnten. Wir haben deshalb Prof. Dr. Sarah Hauser, Vizedirektorin Ausbildung der HSLU – Informatik, und Dr. Simon Züst, Dozent an der HSLU – Technik & Architektur, zu einem ZLLFtalk über hybride Lehre eingeladen. Parallel dazu haben wir, ausgehend von einschlägigen Modellen und Forschungsergebnissen, ein Working Paper zur hybriden Lehre erstellt, das die weitere Diskussion des Lehrformates rahmen kann.

ZLLFtalk mit Sarah Hauser und Simon Züst


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Mit den neuen ZLLFtalks möchte das ZLLF Ideen und Erfahrungen zur Lehre an der HSLU sichtbar machen und einen Austausch über die Lehre inner- und ausserhalb der Hochschule fördern. Ausgangspunkt für den ersten Talk zur hybriden Lehre waren Voten von Studierenden, die ihre Erfahrungen mit hybrider Lehre schildern. Sarah Hauser, die am Departement Informatik der HSLU die Bachelor- und Masterstudiengänge verantwortet, und Simon Züst, der am Departement Technik & Architektur in unterschiedlichen Modulen unterrichtet, greifen im Talk die Perspektiven der Studierenden auf und nehmen aus hochschulstrategischer und didaktischer Sicht zu hybrider Lehre Stellung. Sarah Hauser betont unter anderem, dass hybride Lehre auch die Anforderungen und Arbeitsrealitäten ausserhalb der Hochschule spiegelt. Simon Züst berichtet von anderen Herausforderungen, denen Dozierende in hybriden Settings begegnen: So nehme man die Stimmung von Studierenden, die online am Unterricht teilnehmen, als Dozent beispielsweise nicht mehr automatisch wahr. Im Talk gehen die beiden auch darauf ein, bis zu welchem Grad Hochschulen und Lehrende auch für die Lernprozesse der Studierenden verantwortlich sind und diese didaktisch und technisch unterstützen müssen.

Working Paper zu Hybrider Lehre

Als Leitplanke und Orientierung für die Diskussion von hybriden Settings an der HSLU hat das ZLLF ein Working Paper verfasst, das neben terminologischen Klärungen auch eine Systematisierung von hybriden Lehrformaten vorschlägt und entsprechende Gelingensbedingungen formuliert. Das Working Paper beschreibt zunächst unterschiedliche Ausprägungen der hybriden Lehre: In ihrer einfachsten Ausprägung nehmen die physisch abwesenden Remote-Studierenden lediglich als passive Zuhörer:innen teil; der Unterricht wird also als Präsenzveranstaltung konzipiert und dann gestreamt (Level 1). In einem mittleren Szenario wird der Unterricht entweder konzeptionell auf die Studierenden vor Ort oder auf die abwesenden Remote-Studierenden ausgerichtet; die jeweils andere Gruppe kann zwar teilhaben, muss dabei aber gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen, und Interaktion zwischen den beiden Gruppen bleibt gering (Level 2). Bei einem voll ausgebauten Hybridunterricht nehmen Studierende vor Ort und Remote-Studierende gleichberechtigt und gleichwertig am Unterricht teil (Level 3). Je nach Level erhalten die Studierenden also nur den Fünfer und kaum etwas vom Weggli, entweder den Fünfer und ein paar Krumen oder tatsächlich den Fünfer und das Weggli. Eine detaillierte Beschreibung der Ausprägungen und weitere Erläuterungen zur hybriden Lehre haben wir übrigens kürzlich in einem separaten Blogbeitrag zusammengefasst.

Das ZLLF empfiehlt, sich bei der Umsetzung von hybridem Unterricht auf Studiengang- oder Modulebene bewusst zu entscheiden, welche Ausprägung der hybriden Lehre man realisieren möchte und kann, und dies den Studierenden auch transparent darzulegen. Für das ZLLF ist zudem klar, dass ein umfassender Hybridunterricht (Level 3) nur dann möglich ist, wenn dafür entsprechende Räume mit hochwertiger technischer Installation zur Verfügung stehen, wenn die Lehrenden mit dem Setting technisch und didaktisch vertraut sind und wenn ihnen während des Unterrichts ein Classroom Assistant zur Seite steht, der technisch und kommunikativ eine Schnittstelle zu den Remote-Studierenden sicherstellt. Nur dann, so ist das ZLLF überzeugt, bezahlt nicht der einzelne Dozent/Dozentin den Preis dafür, dass die Studierenden den Fünfer und das Weggli erhalten.

Hybride Räume

Die HSLU möchte deshalb auch aus in technischer Hinsicht Voraussetzungen für hybriden Unterricht schaffen. Gewisse Unterrichtsräume sind inzwischen so ausgestattet worden, dass sie einen Hybridunterricht mit einer eingeschränkten Beteiligung von Remote-Studierenden (Level 2) möglich machen. Daneben rüstet die HSLU einzelne Unterrichts- und Sitzungsräume so aus, dass sie auch einen voll ausgebauten Hybridunterricht (Level 3) resp. professionell durchgeführte hybride Sitzungen zulassen. Das Facility Management der HSLU begleitet die Ausrüstung und die Nutzung der Räume (Ansprechperson: Tobias Ernst), wobei die weltweit eingeschränkten Lieferketten bei zentralen Teilen der Infrastruktur eine grosse Herausforderung darstellen. Entsprechende Räume bestehen bereits an der Werftestrasse 4 (Rektorat & Services), weitere werden in Horw (Technik & Architektur), Luzern Zentralstrasse 9 (Wirtschaft) und in Rotkreuz Suurstoffi (Informatik) in der Sommerpause 2022 eingerichtet.

Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen

Welche Erfahrungen haben Sie mit hybridem Unterricht als Lehrende oder Lernende gemacht? Schildern Sie uns Ihre Einschätzungen unten als Kommentar oder per E-Mail an email hidden; JavaScript is required. So können wir am ZLLF unterschiedliche Perspektiven in die weitere Arbeit einfliessen lassen.

 

Dokumente und Literatur

ZLLFtalk

Working des ZLLF zu Paper Hybrider Lehre

Beatty, Brian J. 2019. Hybrid-Flexible Course Design. EdTech Books. https://edtechbooks.org/hyflex.

Bower, Matt et al. 2014. «Patterns and Principles for Blended Synchronous Learning: Engaging Remote and Face-to-Face Learners in Rich-Media Real-Time Collaborative Activities». Australasian Journal of Educational Technology 30 (3). https://doi.org/10.14742/ajet.1697.

Müller, Claude & Mildenberger, Thoralf. 2021. «Facilitating Flexible Learning by Replacing Classroom Time with an Online Learning Environment: A Systematic Review of Blended Learning in Higher Education». Educational Research Review 34 (November): 100394. https://doi.org/10/gnvvj4

Raes, Annelies & Detienne, Loulou & Windey, Ine & Depaepe, Fien. 2020. «A Systematic Literature Review on Synchronous Hybrid Learning: Gaps Identified». Learning Environments Research 23 (3): 269–90. https://doi.org/10/gg84hk

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