23 Digital Things – Vielseitiges Lernangebot im Kurzformat

Der Aufbau digitaler Kompetenzen ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Das ZLLF hat mit dem „23 Digital Things“ Programm ein online Selbstlernangebot zur Entwicklung digitaler Lehrkompetenz geschaffen. Mit kurzen Online-Einheiten wird individuelles und arbeitsintegriertes Lernen unterstützt. Der Beitrag wirft einen Blick auf die Konzeption.

Was ist 23 Digital Things?

Das Programm umfasst 23 kurze Online-Einheiten zu ausgewählten Themen und Werkzeugen (Things) der digitalen Lehre. Jede Online-Einheit beinhaltet eine kurze thematische Einführung, ein bis zwei Aktivitäten und Reflexionsfragen sowie weiterführende Ressourcen zur Vertiefung. Die «Things» können nach persönlichem Interesse und Bedarf bearbeitet werden.

Das Programm basiert auf dem Original Konzept aus dem Jahr 2006, das von Helene Blowers an der Public Library of Charlotte & Mecklenburg Country entwickelt wurde, als ein Lernangebot zum Erkunden webbasierter Werkzeuge für Hochschulangehörige. Das Original 23 Things Programm finden Sie hier. Für eine sanfte Einführung in neue Technologien wählte Blowers (2010) eine zweistufige Herangehensweise; das Lernen beginnt zunächst mit der Erkundung der Tools, mit Überlegungen zu deren Einsatzmöglichkeiten und nicht direkt mit dem Aufbau der Skills. Das Programm begeisterte durch den innovativen Ansatz und der einfachen Umsetzung mithilfe Social Media Tools. Zahlreiche Bibliotheken und Hochschulen weltweit haben das Programm übernommen und angepasst. (vgl. Blowers, 2010). Wesentlich für die Verbreitung war die Veröffentlichung unter einer offenen Lizenz. Auch für unser Selbstlernangebot haben wir «Things» aus zwei Programmen übernommen, für unseren Kontext angepasst und übersetzt sowie einige neue Online-Einheiten erstellt.

Didaktischer Ansatz des Microlearning

Die Konzeption ist eng mit der Web 2.0 Kultur verbunden. Die interaktive und partizipative Mediennutzung begünstigt Lernangebote im Kurzformat, auch als Microlearning bekannt. Dies ist eine Lernform, die kurze, feingliedrige und lose verbundene Lernaktivitäten mit Mikroinhalten, meist internetbasierte Ressourcen sowie auch partizipative Formen der Inhaltsproduktion als Lernergebnis beinhaltet. Microlearning eignet sich besonders, um selbstgesteuerte und situative Lerngelegenheiten zu schaffen, die arbeitsintegriert auf verschiedenen Stufen eingebettet sein können, z.B. Wissensaneignung, Lösungssuche, Text- bzw. Medienproduktion oder Reflexion. (vgl. Buchem & Hamelmann 2010). Wissen wird bei Bedarf aktualisiert und angewendet, was gerade bei schnelllebigen Themen im Technologieumfeld essentiell ist.

Jedoch können solche kurze Lernaktivitäten zu isolierten Lernprozessen führen. Die Wissensanwendung bzw. der Kompetenzaufbau kann erschwert werden, weil das Wissen nicht in einem grösseren Zusammenhang erworben wird. Nach Auffassung von Ertl und Mandel (2007) braucht es eine Makrostruktur, in welcher diese kurzen Lernaktivitäten eingebettet sind. Zur Strukturierung schlagen sie zwei Ansätze vor, Sequenzierung und Vielfalt. Mit Sequenzierung werden Lernaktivitäten nacheinander strukturiert. Dadurch lassen sich kooperative Lerngelegenheiten schaffen, Teilnehmende können gemeinsam arbeiten oder sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Mit Vielfalt werden die Lernaktivitäten gleichzeitig geboten. Damit soll das inhaltsbezogene Lernen und Arbeiten gefördert werden. Unterschiedliche Ressourcen und Aktivitäten werden angeboten, mit denen Lernende sich auseinandersetzen können. Besonders die Kombination beider Ansätze erweist sich als effektiv, wobei der Lernerfolg sehr von Vorwissen, kognitiven Fähigkeiten und Motivation eines Einzelnen abhängt (vgl. Ertl Mandel 2007).

Das 23 Things Programm beinhaltet beide Strukturierungsansätze. Durch seine flexible Grundstruktur kann das Programm vielseitig eingesetzt werden. Für eine Durchführung als begleiteten Online-Kurs bieten sich ein themen- und kompetenzorientierter Ansatz an.

Eine themenorientierte Gestaltung sieht eine Sequenzierung im Wochentakt vor, bei der wöchentlich 1-3 Online-Einheiten (Things) präsentiert werden. Diese Variation ermöglicht den Teilnehmenden, sich mit dem gleichen Thema zu befassen, damit wird nicht nur der Austausch untereinander, sondern auch die Unterstützung durch die Begleitung erleichtert.

Das ZLLF hat einen kompetenzorientierten Ansatz gewählt. Es wurde eine grobe Sequenzierung in drei Monatsthemen vorgenommen, welche jeweils 6-8 Online-Einheiten beinhalten. Diese Flexibilität bei der Wahl der Inhalte ermöglicht den Teilnehmenden, für sie relevante Themen individuell und kompetenzorientiert zu bearbeiten. Um den Austausch zu fördern wurden thematische Aktionswochen und Webinare angeboten.

Zum Schluss: Das Programm 23 Digital Things steht auch als reines Selbstlernangebot zur Verfügung, die Ressourcen sind öffentlich zugänglich.

 

Quellen:

Buchem, I. & Hamelmann, H. (2010): Microlearning: a strategy for ongoing professional development. eLearning Papers, No 21, September 2010.

Ertl, B. & Mandl, H. (2007): Providing Macrostructure for Microlearning. In: Hug, T. (Hrsg.): Didactics of microlearning: concepts, discourses and examples. Münster: Waxmann.

Blowers, H. (2010): Ten Tips About 23 Things. School Library Journal.

 

«23 Digital Things» wurde im Rahmen der Projektförderung P-8 «Stärkung von Digital Skills in der Lehre» für die Periode 2019-2020 durch swiss universities unterstützt.

 

Image: Eigene Darstellung

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