Aktivierende Methoden III

Abschluss einer Lehrveranstaltung

Dieser Beitrag schliesst die dreiteilige Serie zu «Aktivierende Methoden» in der Online-Lehre ab. Der erste Beitrag erarbeitete den Einstieg in eine Lehrveranstaltung mit dem Kennenlernen und der Aktivierung von Vorwissen. Während der zweite Teil die Wissensaneignung und -vertiefung fokussierte, befasst sich der letzte Teil mit dem Abschluss der Lehrveranstaltung.

Der Abschluss einer Lehrveranstaltung lässt sich als Abschluss einer Lektion, eines Themenblocks, eines Moduls oder auch eines ganzen Semesters ansehen. Der Umfang des damit verbundenen Lern- und Arbeitsprozesses beeinflusst neben der Ausrichtung die methodische Umsetzung des Abschlusses. Gleichzeitig bedeutet Abschluss aber auch Wiedereinstieg, Neuanfang oder auch Brücke hin zu einer weiteren Lernveranstaltung oder dem Selbststudium zwischen zwei Veranstaltungen. Auch diese Überlegung beeinflusst die Gestaltung des Abschlusses.

Wahl (2006, S. 184ff) unterscheidet beim Abschluss die vier Aspekte Inhaltsorientierter Abschluss, Anbahnen von Transfer, zur Reflexion anregen und bei der emotionalen Verarbeitung unterstützten.

  • Der Inhaltsorientierte Abschluss meint ein Zusammenfassen der Inhalte, die Integration dieser in die subjektiven Strukturen der einzelnen Studierenden/Teilnehmenden, das Schliessen von Lernlücken oder Klären von Fragen. Dazu eigenen sich verschiedene Methoden zur Visualisierung von Wissensstrukturen wie Concept Mapping, Abschluss-Organizer oder die Struktur-Lege-Technik, mit der man die wichtigsten Begriffe des Themas in eine Struktur bringt. Die Methode des moderierten Netzwerkes bietet sich für Abschluss eines umfassenden, komplexen Themenbereiches an. Mit der Methode Marktspaziergang wiederholen die Studierenden Inhalte z.B. eines Moduls, decken Lücken auf und stellen klärende Fragen. Als Dozent*in erhält man Einblick in den Wissensstand der Studierenden.
  • Der Transferorientierten Abschluss bahnt den Transfer der Inhalte auf Anwendungssituation der Praxis an, um anstelle von trägem Wissen kompetentes Handeln entstehen zu lassen. Die Möglichkeiten reichen vom Start einer Simulation über Micro-Action, als Handlungsumsetzung im kleinen Rahmen, hin zur Vorsatzbildung oder Erinnerungshilfen oder die praktische Weiterarbeit in Praxis-Tandems. Bei der Umsetzung gilt es zu bedenken, wie die Anregungen zum oder Ergebnisse des Transfers in folgende Lehrsituationen zurück gekoppelt werden.
  • Ein kommunikationsorientierter Abschluss trägt zur emotionalen Verarbeitung bei und ist insbesondere dann sinnvoll, wenn durch die Lehrveranstaltung emotionale Bindungen entstanden sind und die Zusammenarbeit in Kürze endet.
  • Ein Reflexionsorientierter Ausstieg regt die beteiligten Personen an über Verlauf und Ergebnisse des allgemeinen und individuellen Lern- und Arbeitsprozesses nachzudenken. Analog dem Feedbackansatz kann Reflexion auf der Ebene der Aufgabe das Arbeitsergebnis betrachten, auf der Prozessebene den Lern-, Arbeits-, Denkprozess hinterfragen und sich auf der Selbstregulationsebene kritisch mit dem eigenen Anteil, was habe ich verstanden, wie überprüfe ich mein Verständnis, beschäftigen. Entsprechend breit sind die methodischen Möglichkeiten von einem schnellen Blitzlicht, hin zu differenzierten Fragebögen oder Reflexionsanleitungen an.

Die Classroom Assessment Techniques (CAT) sind ein strukturiertes methodisches Vorgehen für eine solche Reflexion. «Classroom Assesment helps teachers obtain useful feedback on what, how much and how well students are learning” (Angelo & Cross, 1993, S.3). CATs fördern das Lernen als einfaches, anonymes, formatives Instrument durch Reflexion des Lehrens und Lernens. CAT kann in Form von Blitzlicht oder Stop/Start/Continue sowohl auf eine ganze Lernveranstaltung oder über die Abfrage des «schwammigsten» Inhaltspunktes oder eine dynamische Frageliste auf den Lehr-Lernprozess angewendet werden. Ebenso können damit Lernergebnisse, Lernziele oder Lernerfolg abgefragt werden.

Für die Gestaltung des Abschlusses einer Lernveranstaltung helfen u.a. folgende didaktische Fragen:

  • Was schliesse ich ab, eine Lektion, einen Themenblock, ein Modul…?
  • Welche Ebene des Abschlusses möchte ich umsetzen? Was macht bezogen auf den abzuschliessenden Teil am Meisten Sinn?
  • Welches didaktische Arrangement habe ich für den Lernprozess verwendet und wie beeinflusst dieses den Abschluss (z.B. forschendes Lernen)?
  • Wie stark steuere ich den Abschluss, z.B. durch Fokus der Fragestellung, der methodischen Umsetzung?
  • Welchen Fokus setze ich beim inhaltlichen Abschluss?
  • In welcher Form möchte ich eine Ergebnissicherung machen (EA/PA/Gruppe/Plenum)?
  • Wer «macht» die Ergebnissicherung (Dozent*in und/oder Studierende/Teilnehmende)?
  • Wie kann ich mit dem Abschluss den Übergang zu einem anderen Thema, einer Selbstlernaufgabe herstellen?
  • Wie rege ich mit der Gestaltung des Abschlusses den Transfer an, unterstütze diesen oder gleise ihn explizit auf?
  • Was möchte ich mit dem Abschluss reflektieren (Veranstaltung, Lernvoraussetzungen, Lehr-Lernprozess, Lernergebnisse, Lernziele, Lernerfolg, Zusammenarbeit…)?
  • Was bezwecke ich mit der Reflexion z.B. Lernstand einschätzen (als Rückmeldung für mich als Dozent*in vs. Förderung metakogitiver Kompetenzen?
  • Wie rege ich die Reflexion an und verhindere eine Reflexionsmüdigkeit?
  • Welche Form eines Abschlusses unterstützt diese Lerngruppe bei der emotionalen und inhaltlichen Verarbeitung?

 

Um einer Reflexionsmüdigkeit und damit Widerstand vorzubeugen, hilft auch beim Abschluss einer Lehrveranstaltung die Variation der verschiedenen Möglichkeiten einerseits auf den Ebenen, andererseits bei der methodischen Umsetzung. Eine Reflexion des Lern- und Arbeitsprozesses kann mit einer Ergebnissicherung, einer Diskussion über eine arbeitsprozessförderliche Kommunikation oder mit schriftlichen Transferüberlegungen zum Abschluss des Vortrags aus der Praxis abgewechselt werden. Je nach Fokussierung benötigt der Abschluss einer Lehrveranstaltung mehr oder weniger Zeit, sollte aber immer bewusst umgesetzt sein.

Erst mit der bewussten Gestaltung des Abschlusses wird eine Lernveranstaltung rund. Um der dreischrittigen Grundstruktur von Unterricht gerecht zu werden braucht es nach Jank & Meyer neben dem Einstieg, der Erarbeitung auch die Ergebnissicherung. Städeli bezeichnet den Abschluss als die explizite Rückschau auf Was haben wir wozu, womit und wann bei diesem Thema geleistet; Abschluss macht die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sichtbar. Rückschau sollte die Aspekte Motivation, Metakognitive Strategien und Kognitive Strategien bedenken. Lernen ist nicht nur ein höchst individueller Prozess, der Zeit für Reflexion braucht, sondern auch ein zielgerichteter Prozess. Klarheit über die Ziele zu Beginn bedeutet, am Ende auch zu überprüfen, wie weit man gekommen ist (Lernintention hat die Effektstärke d=0.56).

 

Literatur

Angelo, T. A., & Cross, P. (1993). Classroom assessment techniques: A handbook for college teachers. San Franciso: CA: Jossey-Bass.

Hattie, J. (2014). Lernen sichtbar machen. Baltmannsweiler: Schneiderverlag Hohengehren

Städeli, Ch., Grassi, A., Rhiner, K. &, Obrist, W. (2010). Kompetenzorientiert unterrichten. Das AVIVA-Modell. Bern: hep

Wahl, D. (2006). Lernumgebunden erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

 

Links

Walzik, S. (2019). Was Lernen Studierende in meiner Lehrveranstaltung wirklich?

 

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