15. April 2013

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Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken – ein Vergleich

Von Prof. Dr. Andreas Dietrich

Schweizer Retail Banken stehen angesichts der hohen Wettbewerbsdynamik, den steigenden regulatorischen Anforderungen und der sinkender Profitabilität vor bedeutenden Herausforderungen. Gleichzeitig müssen sie sich auf die wachsende Nachfrage nach onlinebasierten Bankdienstleistungen einstellen (vgl. auch Blogbeiträge zum Thema der Online Hypotheken von Swissquote oder Hypomat). Die entsprechende Entwicklung im Online-Bereich beruht einerseits auf den technologischen Innovationen in jüngerer Zeit, der ausgedehnten Netzabdeckung und den fallenden Kosten für mobile Datendienste. Andererseits begünstigen wirtschaftliche und demografische Veränderungen den Wandel der Kundenbedürfnisse und des Kundenverhaltens.

Mobile Banking mit grossem Wachstumspotenzial

Die sich verändernden Rahmenbedingungen akzentuieren insbesondere das Potenzial, welches Mobile Banking aufweist. Unter Mobile Banking werden die mobile Abwicklung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen sowie  vor allem die Kontoführung (Mobile-Accounting), das Depotgeschäft (Mobile-Brokerage) sowie das Einholen von Finanzinformationen (Mobile Financial Information Services) als Dienstleistungen verstanden. Für die Nutzung von Mobile Banking sind mobile Endgeräte wie Smartphones oder andere vergleichbare Geräte notwendig, welche die Bedingung der Ubiquität erfüllen. Laptops werden aus der Kategorie der mobilen Endgeräte ausgeschlossen, da diese mehrheitlich den Charakter eines stationären Arbeitsplatzes aufweisen.

Das Thema „Mobile Banking“ ist für viele Banken hochaktuell. Jedoch gehen viele Banken dieses Thema nur zögerlich an. Ich werde in meinem Blog in Zukunft vermehrt verschiedene Aspekte rund um das Thema Mobile Banking behandeln. Einleitend möchte ich mit diesem ersten Artikel einen Überblick über die wichtigsten Marktplayer im Retail Banking geben und aufzeigen welche Funktionen im Mobile Banking sie heute anbieten. Anders als etliche europäische Finanzdienstleister haben sich Schweizer Retail Banken bis heute dieses Potenzial erst in einem eher bescheidenen Ausmass zu Nutzen gemacht. Eine mögliche Erklärung dafür liegt in den unübersichtlichen Chancen und Gefahren, die dieser zusätzliche Distributionskanal mit sich bringt. Wie die untenstehende Tabelle aufzeigt, haben dennoch bereits mehrere Retail Banken Initiativen lanciert und ein entsprechendes Mobile Banking für ihre Kunden bereitgestellt.

In die Analyse wurden nur diejenigen Schweizer Retail Banken integriert, die eine Bilanzsumme von CHF 10 Mrd. und mehr ausweisen. Die Übersicht bzw. deren Überprüfung datiert auf Ende Dezember 2012 und wurde im Rahmen einer Semesterarbeit im Masterstudium von M. Fallegger und P. Rüedi erstellt (Anmerkung: Durck Klick auf die Tabelle, wird diese etwas grösser resp. übersichtlicher)

kbs mobile banking
Tabelle 1: Angebotsübersicht Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken I – Kantonalbanken (Stand: Dezember 2012)
Tabelle 2: Angebotsübersicht Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken II – Übrige Banken (Stand: Dezember 2012)

Das Angebot an Applikationen und Funktionen für moderne Mobiltelefone (Smartphones) unterscheidet sich sowohl im Allgemeinen als auch zwischen Bankengruppen beachtlich. Während einige Retail Banken umfangreiche Funktionen in den Bereichen Mobile-Kontoführung, Mobile-Depotführung und Mobile-Finanzinformationen offerieren, haben andere lediglich rudimentäre Finanzinformationen ohne personalisierte Dienstleistungen anzubieten. Innerhalb des Bereichs Mobile-Kontoführung stellen derzeit einige Kantonalbanken sowie die Raiffeisenbank und die Postfinance einen grossen Funktionsumfang zur Verfügung.

Generell lässt sich sagen, dass Retail Banken mit einer First-Mover oder Smart-Follower-Strategie in der Tendenz bereits einige umfangreiche Applikationen für das Mobile Banking auf dem Markt haben. Ebenso lässt sich feststellen, dass grössere Banken (gemessen an der Bilanzsumme) ein in der Regel umfangreicheres Mobile Banking anbieten. Der Vertriebskanal Mobile Banking und das damit verbundene Angebot befindet sich allerdings in einem raschen Wandel. Einerseits führen die Retail Banken neue Funktionen wie das Scan&Pay oder die E-Rechnungen ein, andererseits ermöglichen sie den Zugriff auf ihre Applikationen über verschiedene Plattformen.

Kommentare

5 Kommentare

Tobi

24. April 2013

spannende übersicht, danke. seit gestern ist aber meiner meinung nach ein neues zeitalter eingeläutet worden. nämlich der verkauf von produkten direkt aus einer app. pf ist mit dem itunes deal hier der vorreiter - offenbar weltweit. bin sehr gespannt wo dies noch hinführt und welche leistungen inskünftig direkt von einer mobilen finanzapplikation direkt gekauft werden könnnen, siehe hierzu auch die wallet diskussionen in verschiedenen blogs und medien.

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mkoch

18. April 2013

ein reiner "featurevergleich" auf oberster ebene alleine ist nicht ausreichend. mit dieser vergleichslogik würde jedes billig-tablet ggü. einem ipad gewinnen. es geht auch darum "wie" (integriert, kundenfreundlich, ...) etwas umgesetzt und nicht nur ob "was" umgesetzt wurde.

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Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken – ein Vergleich der Hochschule Luzern | Der Finanzprodukt Blog

15. April 2013

[...] Artikel wurde im IFZ Blog der Hochschule Luzern [...]

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Andi

15. April 2013

Solche Vergleiche sind sicher interessant, aber bei diesem Thema eben auch schnell überholt. Die Angaben zur Zürcher Kantonalbank waren schon per Dezember 12 (!) nicht mehr aktuell (z.B. Scan&Pay, Android App, ...)!

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Jolanda Felder

15. April 2013

Eine Ergänzung: Ich besitze ein BlackBerry und habe die App zur Mobilen Plattform von Swissquote. Und diese schon lange, war also bereits im Dezember 2012 verfügbar.

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