von Prof. Dr. Nils Hafner
Und wieder das Thema Kundenorientierung versus Kosteneffizienz. In diesem Spagat befindet sich zur Zeit fast jede Retail Bank in der Schweiz. Grösstes Problem dabei: Die Banken nutzen Ihre Kundendaten zu wenig. Das habe ich vor einiger Zeit ja schon einmal beschrieben. Jetzt hat dieses Thema die internationale Beratungsfirma CapGemini Consulting erneut aufgegriffen und – wie ich finde – intelligent ergänzt. So definieren die Autoren 5 Kerngebiete, die eine Bank postiv adressieren sollte, um eine langfristig profitable Kundenbeziehung zu entwickeln. Diese sind, ergänzt durch eine Befragung von Bankkunden, ob diese erfüllt sind, unten dargestellt:

So gelingt es den Banken offenbar wieder gut, Vertrauen herzustellen. Dieses zeigt sich durch Beratung im Sinne und Interesse des Kunden. Dies stellt sicher eine Grundlage für eine gute Kundenbeziehung dar. Die Schwierigkeiten liegen jedoch in anderen Bereichen: So wird den Banken attestiert, nach wie vor nicht in der Lage zu sein, auf Basis eines angemessenen Wissens über den Kunden eine nachvollziehbare Beziehung zu führen. Das betrifft vor allem die Häufigkeit der Interaktion und die Wahl des Kommunikationskanals.
Die Berater von CapGemini zeigen auf, dass insbesondere an den Touchpoints Mobile und Internet noch zu wenig getan wird, um dem Kunden einen sinnvollen Produktvorschlag zu machen. Gerade schweizerische Retail Banken setzen dabei nach wie vor auf das Filialgeschäft und die eher zufällige Erkennung von Bedarf durch den Hausberater. Um es anders zu formulieren: Man hat es trotz geringerer Margen immer noch nicht nötig, sich mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen und persönlichen Entscheidungen in der Tiefe zu befassen.
Das erstaunt nicht, denn:
- bisher ging es ja auch ganz gut und
- jede Veränderung kostet ja auch Geld.
Dabei stellen nach wie vor verschiedene Studien, die wir auf diesem Blog beleuchtet haben, fest, dass es der Mehrzahl von Kunden bei ihren Bankinteraktionen vor allem um eine schnelle und effiziente Problemlösung geht, die beispielsweise auch im Internet möglich wäre. Die Banken befinden sich also in einem Zielkonflikt zwischen der Lieferung eines Kundenerlebnisses und einer “reinen” Abwicklung.
Genau diesen Zielkonflikt möchten wir in unserem Seminar “Das 80/20 Retail Banking” am 29. Mai mit Segments- und Marktverantwortlichen, Marketingspezialisten und Geschäftsleitungsmitgliedern von Retail Banken diskutieren. Wir werden uns dabei über neue Ansätze der datengestützten Kundenbearbeitung austauschen und konkrete Lösungsansätze für mehr Prozesseffizienz UND Kundenerlebnis im schweizerischen Retail Banking entwickeln und diskutieren.
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Von Prof. Dr. Andreas Dietrich
Seit Beginn der letzten Woche (28.4.2013) ist die Internetplattform „Viele schaffen mehr“ der Volksbank Bühl freigeschaltet. Die Volksbank Bühl ist eine genossenschaftliche deutsche Regionalbank mit 930 Mio Euro Bilanzsumme, knapp 70‘000 Kunden und 300 Mitarbeitenden. Mit diesem Projekt können Menschen Wünsche von Vereinen und öffentlichen Einrichtungen (wie z.B. Kindergärten, etc.) der Region online über die Bank mitfinanzieren. Die Volksbank Bühl ist damit eine Vorreiterbank im deutschsprachigen Raum bezüglich des Aufbaus eines Crowdfunding-Projekts .
Ob ein neues Klettergerüst für den Kindergarten, neue Duschen für den Fussballverein, oder drei neue Trompeten für das Orchester – an Wünschen mangelt es Vereinen und öffentlichen Einrichtungen nicht, an Geld jedoch häufig schon. Das will die Volksbank Bühl mit ihrem neuen Projekt „Viele schaffen mehr“ ändern. Seit dem 28.4 ist die gleichnamige Internetplattform online. Sie basiert auf dem Finanzierungsmodell Crowdfunding (vgl. auch Blog-Beitrag über die Firma Cashare), und funktioniert so: Bis zum 15. Juni können sich gemeinnützige und öffentliche Einrichtungen sowie Träger der Region auf der Internetseite registrieren. Sie müssen ihr Projekt beschreiben und die Geldsumme nennen, die für die Verwirklichung notwendig ist. „Nach der Registrierung geht es darum, innerhalb von zwei Wochen viele Fans für das Projekt zu sammeln. Denn nur Wünsche, die genug Fans haben, werden für die Finanzierungsphase ab 1. Juli freigeschaltet«, sagte Franz Welter, Bereichsdirektor Unternehmensentwicklung bei der Volksbank Bühl. Die Fans verpflichten sich übrigens nicht dazu, für das Projekt zu spenden. Geld kommt von den Unterstützern, jenen Menschen, die bis Ende August einen bestimmten Betrag für das Vorhaben geben. Als Dankeschön bekommen sie in der Regel einen ideellen Wert, den sich die Projektverantwortlichen ausdenken.
„Mit der Plattform tragen wir den genossenschaftlichen Grundgedanken in die digitale Welt – was einer alleine nicht schaffen kann, das schaffen viele«, sagte Claus Preiss, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bühl. Damit die Wünsche der Vereine und Einrichtungen wahr werden, muss fleissig gespendet werden, denn nur wenn die Summe zu 100 Prozent erreicht wird, wird das Geld ausbezahlt. Ansonsten bekommen die Unterstützer ihre bereits zugesprochenen Euro wieder zurück.
Ein Modell auch für unsere regional verankerten Banken?
Die Plattform ist als Ergänzung der bisherigen Möglichkeiten staatlicher und privater Förderung, besonders für kleinere und für private Initiativen, zu verstehen. Die Unterstützung kommt dabei Projekten in der unmittelbaren Nachbarschaft zugute. Gemeinsam mit den Menschen der Region möchte die Bank damit Vereine und andere gemeinnützige Einrichtungen stärken und – wohl nicht zuletzt – auch ihre regionale Verankerung betonen resp. ihr Image weiter aufpolieren. Entsprechend ist eine solche Idee auch in der Schweiz für regional verankerte Banken oder Banken mit einem genossenschaftlichen Gedanken interessant und weiter zu beobachten. Die Idee von Crowdfunding und der Gedanke hinter den Genossenschaften passen ja ebenso gut zusammen, wie die immer wieder postulierte regionale Verankerung von Banken mit solchen Initiativen. Dadurch können Banken Gutes für die eigene Region tun und gleichzeitig, zu einem nicht allzuhohen Preis, Marketing betreiben.
Das Konzept von „viele-schaffen-mehr.de“:

Artikel in Baden Online
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29. April 2013 | retailbanking | Kommentare deaktiviert
Von Prof. Dr. Andreas Dietrich
Das Vermögenszentrum VZ vermittelte 1994 als erstes Institut in der Schweiz Hypothekarkredite. Es zeigte sich gemäss Lorenz Heim, CEO der Hypothekenzentrum AG und Mitglied der VZ Gruppengeschäftsleitung, allerdings schnell, dass nur mit dem Vermitteln von Hypotheken kein nachhaltiges Geschäftsmodell betrieben werden kann. Die Margen in diesem Geschäft seien zu eng und der Hypothekarnehmer nach der Vermittlung zu fest an die vermittelte Bank gebunden, als dass er für die Anschlussfinanzierung erneut vermittelt werden könnte. Heim ist daher grundsätzlich skeptisch gegenüber dem Geschäftsmodell „Hypothekenvermittler“ (vgl. Blog-Beiträge von MyMoneyPark, HypoPlus oder Homegate). Deshalb – und weil sich das VZ im Jahr 2000 grundsätzlich vom Provisionsgeschäft verabschiedet hat – hat die im Jahr 2001 gegründete HypothekenZentrum AG des VZ einen neuen Weg mit einem geänderten Geschäftsmodell eingeschlagen. Bisher war diese Strategie ziemlich erfolgreich – das HypothekenZentrum hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem wichtigen Player mit einem Hypothekarvolumen von rund 3 Mrd CHF, ähnlich einer kleineren Kantonalbank (z.B. der Glarner Kantonalbank), entwickelt.
So funktioniert das Geschäftsmodell vom HypothekenZentrum:
Die HypothekenZentrum AG des VZ schliesst mit ihren (End-)Kunden Hypothekarkredite ab. Diese Hypotheken verkauft sie danach weiter an Dritte (Banken, Versicherungen oder Pensionskassen; sogenannte „Risk Carriers“), welche zusätzlich auch für die Refinanzierung verantwortlich sind. Die Risiken im Zusammenhang mit diesen Hypothekarforderungen werden vollständig vom HypothekenZentrum auf den Risk Carrier übertragen und deshalb bei der HypothekenZentrum AG nicht bilanziert. Die verliehenen Hypothekarkredite sind in den Bilanzen der entsprechenden Banken oder Versicherungen zu finden. Die HypothekenZentrum AG hat somit nur die Verantwortung über die Verwaltung und Servicing-Dienstleistungen wie beispielsweise die Kundenbetreuung und das Zinsinkasso. Das Zentrale aus der Sicht des HypothekenZentrums ist dabei, dass die Kundenbeziehung nicht an einen Dritten weggegeben wird, sondern die Kunden weiterhin selbst betreut werden. Aus der Sicht des Risk Carriers ist dieses Geschäftsmodell aus zwei Gründen interessant: Einerseits hat das VZ tendenziell Kunden mit hoher Bonität, was für Banken attraktiv ist. Andererseits steigt durch den Kauf von Hypotheken der Diversifikationsgrad des Hypothekarportfolios.

Abbildung: Vereinfachte Darstellung Hypothekarkreditprozess Hypothekenzentrum/VZ
Der Verkauf der Hypotheken an die Risk Carriers wird gemäss der Bedürfnisse dieser Carriers zu Vertragsbeginn definiert. Die Bedürfnisse unterscheiden sich natürlich je nach Carrier stark. Während Versicherungen beispielsweise vor allem an langfristigen Hypotheken interessiert sind, sind Banken derzeit infolge der stark ausgeprägten Fristentransformationsstruktur eher an kurzfristigeren Hypotheken oder Libor-Hypotheken interessiert. Rund 70 Prozent der Hypotheken des HypothekenZentrums sind im Moment in Bankbüchern, die restlichen ca. 30 Prozent in Versicherungs- oder Pensionskassenbüchern zu finden.
So wird Geld verdient:
Geld verdient das HypothekenZentrum, indem sie einen Teil der Kreditmarge als Ertrag einbehält. Davon ausgehend, dass eine durchschnittliche Kreditmarge bei den Banken heute um die 0.8 Prozentpunkte beträgt und das HypothekenZentrum nur einen Teil davon für sich behalten kann wird schnell ersichtlich, dass auch das HypothekenZentrum mit diesem Geschäftsmodell sehr engmargig rechnen muss und sehr stark an einer Volumenausdehung resp. einem Kreditwachstum interessiert ist.
Die Hypothekenservicing-Dienstleistung des HypothekenZentrums hat momentan keine Bedeutung. Vor allem für Versicherungsunternehmen oder möglicherweise kleinere Regionalbanken könnte es aus Kostengründen aber interessant sein, die Kreditadministration zukünftig an einen Partner outzusourcen. Dieser – allerdings nicht sonderlich lukrative – Markt ist gemäss Lorenz Heim derzeit aber noch wenig in Bewegung. Eine Ausnahme hierfür ist die Swiss Life. Die Administration der Swiss Life-Hypotheken erfolgt durch die Hypotheken Servicing Schweiz AG.
Quo Vadis Hypothekenvermittler?
Insgesamt ist dieses interessante Geschäftsmodell des HypothekenZentrums sehr ähnlich wie dasjenige der Postfinance, die zwei Jahre nach dem HypothekenZentrum in das Hypothekargeschäft eingestiegen ist. Der Unterschied: Während Postfinance derzeit mit der Valiant Bank und der Münchner Hypothekenbank „nur“ zwei Partner hat, greift das HypothekenZentrum auf mehrere Partner zurück. Zudem möchte die Postfinance langfristig wohl alles selber anbieten können.
Aus Sicht des VZ hat sich das Geschäftsmodell des Hypothekenvermittlers in der Schweiz nicht bewährt. Allerdings haben sich die Zeiten und damit der Markt etwas geändert. Man kann daher sicherlich gespannt sein, ob sich die Geschäftsmodelle von Vermittlern wie MyMoneyPark, HypoPlus oder Comparis langfristig durchsetzen werden oder ob Anpassungen dieser Geschäftsmodelle, ähnlich wie beim Hypothekenzentrum des VZ, gemacht werden müssen.
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22. April 2013 | retailbanking | Kommentare deaktiviert
von Prof. Dr. Nils Hafner
Es erstaunt wohl alle von uns, wie wenig die schweizerischen Retail Banken sich in der Lage sehen, auf intelligente Online Angebote zu reagieren. Schon, dass Comparis als unabhängiger Vergleichsdienst im Hypothekenbereich eine hohe Bedeutung erlangen konnte, überraschte. Jetzt aber wird die Branche mit einem weiteren Player im Markt der Vergleichsdienste konfrontiert. Vor einiger Zeit hat der Suchmaschinengigant Google den britischen Vergleichsanbieter “Beat that quote” übernommen. Unter der Kategorie “Money” können britische Kunden nun seit einem halben Jahr auf “google.co.uk” nach dem günstigsten Anbieter für eine Auto- oder Reiseversicherung suchen. Google greift dabei auf die Angebote von über 170 Versicherungsanbietern zurück.
Na gut, mag man argumentieren, bei diesem Angebot handelt es sich um Versicherungslösungen und um den Markt UK, aber: Google hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie Lösungen auf einer weltweiten Basis anbieten wollen, um Skalierungseffekte zu realisieren. Der eigentliche Grund, warum sich schweizerische Retail Banken mit diesem Thema beschäftigen sollten, liegt aber vor allem in der Auffindbarkeit der eigenen Angebote im Internet. Schon heute recherchieren zwei Drittel aller Kunden online nach Finanzdienstleistungen. Wenn Google sich entschieden hat, mit dem Vergleich von Finanzdienstleistungen Geld zu verdienen und diese Dienstleistung im Internet anbietet, was glauben Sie, lieber Leser, wessen Lösung dann zuerst von der Suchmaschine Google gefunden wird, wenn dort bspw. nach Hypotheken gesucht wird? Genau!
Ein zweiter Aspekt, weswegen es sich lohnt, über dieses Thema nachzudenken: Es fehlt verschiedenen Schweizer Finanzdienstleistern an der Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse des im Internet recherchierenden Kunden hinein zu versetzen. Diese Kunden verlangen zunächst einfache Lösungen. Und zwar so einfach, wie sie es vor allem von sämtlichen Google-Angeboten gewohnt sind. Muss man erst einmal seitenweise Informationen über sich und seine Bedürfnisse preisgeben, bevor man auch nur die Indikation eines Angebots bekommt, fragt sich der Kunde schon, ob er dazu bereit ist. Vor allem, im Vergleich dazu, was er dafür bekommt. Denn auch das Sammeln von Informationen wird von Kunden im Zeitalter eines immer wichtiger werden Themas “Privatsphäre” als ein “Geben und Nehmen” verstanden. Solch ein “Geben und Nehmen” muss aber bei der Fülle von Daten, die notwendig sind, um ein Angebot für manche Finanzdienstleistungen zu erarbeiten sukzessive, also Zug um Zug geschehen. Wie so etwas funktionieren kann, haben wir ja mehrfach ausgeführt.
Zusammenfassend muss man feststellen, dass der Eintritt von Google in den Vergleich und damit indirekt auch in die Vermittlung von Finanzdienstleistungen spannende Perspektiven mit sich bringt und den Markt bewegt. Wahrscheinlich auch in der Schweiz. Comparis beispielsweise ist sich der Bedrohung bewusst und ist zurzeit daran, das Geschäftsmodell im Hypothekarbereich anzupassen. Dazu laufen zurzeit mehrere Pilotprojekte. Momentan gibt man sich dort noch etwas bedeckt, aber die Stossrichtungen seien bald klar – dann könne man auch konkrete Aussagen machen. Wir werden Sie auf diesem Blog darüber informieren.
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15. April 2013 | retailbanking | 5 Kommentare
Von Prof. Dr. Andreas Dietrich
Schweizer Retail Banken stehen angesichts der hohen Wettbewerbsdynamik, den steigenden regulatorischen Anforderungen und der sinkender Profitabilität vor bedeutenden Herausforderungen. Gleichzeitig müssen sie sich auf die wachsende Nachfrage nach onlinebasierten Bankdienstleistungen einstellen (vgl. auch Blogbeiträge zum Thema der Online Hypotheken von Swissquote oder Hypomat). Die entsprechende Entwicklung im Online-Bereich beruht einerseits auf den technologischen Innovationen in jüngerer Zeit, der ausgedehnten Netzabdeckung und den fallenden Kosten für mobile Datendienste. Andererseits begünstigen wirtschaftliche und demografische Veränderungen den Wandel der Kundenbedürfnisse und des Kundenverhaltens.
Mobile Banking mit grossem Wachstumspotenzial
Die sich verändernden Rahmenbedingungen akzentuieren insbesondere das Potenzial, welches Mobile Banking aufweist. Unter Mobile Banking werden die mobile Abwicklung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen sowie vor allem die Kontoführung (Mobile-Accounting), das Depotgeschäft (Mobile-Brokerage) sowie das Einholen von Finanzinformationen (Mobile Financial Information Services) als Dienstleistungen verstanden. Für die Nutzung von Mobile Banking sind mobile Endgeräte wie Smartphones oder andere vergleichbare Geräte notwendig, welche die Bedingung der Ubiquität erfüllen. Laptops werden aus der Kategorie der mobilen Endgeräte ausgeschlossen, da diese mehrheitlich den Charakter eines stationären Arbeitsplatzes aufweisen.
Das Thema „Mobile Banking“ ist für viele Banken hochaktuell. Jedoch gehen viele Banken dieses Thema nur zögerlich an. Ich werde in meinem Blog in Zukunft vermehrt verschiedene Aspekte rund um das Thema Mobile Banking behandeln. Einleitend möchte ich mit diesem ersten Artikel einen Überblick über die wichtigsten Marktplayer im Retail Banking geben und aufzeigen welche Funktionen im Mobile Banking sie heute anbieten. Anders als etliche europäische Finanzdienstleister haben sich Schweizer Retail Banken bis heute dieses Potenzial erst in einem eher bescheidenen Ausmass zu Nutzen gemacht. Eine mögliche Erklärung dafür liegt in den unübersichtlichen Chancen und Gefahren, die dieser zusätzliche Distributionskanal mit sich bringt. Wie die untenstehende Tabelle aufzeigt, haben dennoch bereits mehrere Retail Banken Initiativen lanciert und ein entsprechendes Mobile Banking für ihre Kunden bereitgestellt.
In die Analyse wurden nur diejenigen Schweizer Retail Banken integriert, die eine Bilanzsumme von CHF 10 Mrd. und mehr ausweisen. Die Übersicht bzw. deren Überprüfung datiert auf Ende Dezember 2012 und wurde im Rahmen einer Semesterarbeit im Masterstudium von M. Fallegger und P. Rüedi erstellt (Anmerkung: Durck Klick auf die Tabelle, wird diese etwas grösser resp. übersichtlicher)

Tabelle 1: Angebotsübersicht Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken I – Kantonalbanken (Stand: Dezember 2012)

Tabelle 2: Angebotsübersicht Mobile Banking bei Schweizer Retail Banken II – Übrige Banken (Stand: Dezember 2012)
Das Angebot an Applikationen und Funktionen für moderne Mobiltelefone (Smartphones) unterscheidet sich sowohl im Allgemeinen als auch zwischen Bankengruppen beachtlich. Während einige Retail Banken umfangreiche Funktionen in den Bereichen Mobile-Kontoführung, Mobile-Depotführung und Mobile-Finanzinformationen offerieren, haben andere lediglich rudimentäre Finanzinformationen ohne personalisierte Dienstleistungen anzubieten. Innerhalb des Bereichs Mobile-Kontoführung stellen derzeit einige Kantonalbanken sowie die Raiffeisenbank und die Postfinance einen grossen Funktionsumfang zur Verfügung.
Generell lässt sich sagen, dass Retail Banken mit einer First-Mover oder Smart-Follower-Strategie in der Tendenz bereits einige umfangreiche Applikationen für das Mobile Banking auf dem Markt haben. Ebenso lässt sich feststellen, dass grössere Banken (gemessen an der Bilanzsumme) ein in der Regel umfangreicheres Mobile Banking anbieten. Der Vertriebskanal Mobile Banking und das damit verbundene Angebot befindet sich allerdings in einem raschen Wandel. Einerseits führen die Retail Banken neue Funktionen wie das Scan&Pay oder die E-Rechnungen ein, andererseits ermöglichen sie den Zugriff auf ihre Applikationen über verschiedene Plattformen.
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8. April 2013 | retailbanking | 1 Kommentar
Von Dr. Yvonne Seiler Zimmermann
Seit dem 1. Juli 2012 ist die neue Selbstregulierung der Schweizerischen Bankiervereinigung betreffend Mindestanforderungen bei der Hypothekarfinanzierung in Kraft und von der FINMA anerkannt. Sie gilt neu als aufsichtsrechtlicher Mindeststandard. Die neuen Richtlinien sehen vor, dass mindestens 10% der eingebrachten Eigenmittel nicht aus dem Guthaben der 2. Säule stammen dürfen; diese werden nachfolgend als „harte Eigenmittel“ bezeichnet. Wird davon ausgegangen, dass die Hypotheken gemäss der goldenen Regel vergeben werden, dürfen somit nur noch 10% der insgesamt 20% geforderten Eigenmittel mit vorbezogenen Vorsorgegeldern der 2. Säule finanziert werden. Zudem muss die Hypothekarschuld innert maximal 20 Jahren auf 2/3 des Wertes des Wohnobjekts amortisiert werden. Ein Wohneigentumserwerb ohne zusätzliches Vermögen ist somit nicht mehr möglich. Allerdings sind Vorbezüge und Verpfändungen aus der Säule 3a nicht von der neuen Regulierung betroffen. Die neuen Richtlinien gelten zudem nur für Neugeschäfte und Krediterhöhungen.
In einem ersten Blog-Artikel hat Andreas Dietrich darüber geschrieben, ob die neuen Regeln im Hypothekarmarkt bereits greifen. Dieser Artikel versucht, die möglichen langfristigen Auswirkungen auf das Hypothekarvolumen zu schätzen.
Schätzung der Auswirkungen auf das Hypothekarvolumen
Welche Auswirkungen die neuen Regulierungen auf das zukünftige Hypothekarvolumen der Banken haben werden, ist derzeit noch unklar. Eine Analyse der bereits bestehenden Hypothekarfinanzierungen bezüglich der Eigenmittelausgestaltung würde Anhaltspunkte liefern. Da aber die meisten Banken die Information des Anteils an vorbezogenen Vorsorgegeldern am eingebrachten Eigenkapital bei den bestehenden Hypothekarfinanzierungen, nicht zentral in ihren Datenbanken gespeichert haben, ist eine solche Analyse für die Banken nur mit hohem Aufwand möglich.
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern hat im Zeitraum zwischen Dezember 2011 und Januar 2012 zusammen mit weiteren Wirtschaftspartnern und finanziell unterstützt durch die KTI eine Umfrage bezüglich der Finanzierung von Wohneigentum bei Eigenheimbesitzern durchgeführt. Basierend auf den erhobenen Daten können Rückschlüsse auf den Anteil derjenigen Hypothekarfinanzierungen gezogen werden, bei denen die Restriktion der 10% harten Eigenmittel nicht erfüllt würde. Von Interesse ist dabei insbesondere, welchen Anteil die Vorbezüger der 2. Säule ausmachen, welche diese Mittel für den Erwerb des Wohneigentums eingesetzt haben. Zudem kann die Frage beantwortet werden, in welcher finanziellen Verfassung die Personen sind, welche unter den neuen Richtlinien keine Hypothek mehr erhalten würden und inwieweit sich diese von den übrigen Hypothekarschuldnern unterscheiden.
Ergebnisse
Von den knapp 8‘300 befragten Wohneigentumsbesitzern geben beachtliche 58% an, Vorsorgegelder für die Finanzierung von Wohneigentum verwendet zu haben. 76% dieser haben dabei die 2. Säule beansprucht. Davon sind 83% in Form eines Vorbezugs getätigt worden. Aus diesen drei Prozentsätzen ergibt sich, dass schätzungsweise 36% aller Eigenheime mit vorbezogenen Geldern aus der 2. Säule finanziert wurden.
Von diesen 36% wiederum haben rund 85% die Vorbezüge für den Erwerb des Wohneigentums beansprucht. Davon haben 39% weniger als 10% hartes Eigenmittel für das Wohneigentum eingebracht und würden damit die neue Mindestanforderung bezüglich des Eigenkapitals nicht mehr erfüllen. Auf die gesamte Anzahl aller Hypothekarkredite machen diese Finanzierungen einen Anteil von 12% aus. Gewichtet mit dem Hypothekarvolumen beträgt der Anteil ebenfalls 12%.
Die Umfrageergebnisse lassen somit den Schluss zu, dass die Mindestanforderung in Zukunft eine erhebliche Reduktion des Hypothekarvolumens von über 10% erwartet werden muss.
Die Analyse bestätigt zudem die allgemeine Vermutung, dass Personen, welche weniger als 10% harte Eigenmittel für den Kauf eingebracht haben, finanziell schlechter positioniert sind als die übrigen Eigenheimbesitzer. Ihr Einkommen und Vermögen ist signifikant tiefer als bei den übrigen (siehe Abbildung).

Abbildung 1: Einkommensverteilung des Hauptverdieners
Ebenfalls haben diese Personen, welche die 10%-Regulierung nicht erfüllen, eine höhere Hypothekarbelastung bezüglich ihres Einkommens. Bei einem Zinsanstieg sind diese Personen somit eher gefährdet, in finanzielle Not zu kommen. Interessant ist zudem, dass die neue Regulierung hauptsächlich Personen im Alter zwischen 35 und 54 jährig betrifft. Junge Familien unter 35, welche insbesondere durch die Wohneigentumsförderung gefördert werden sollen, sind weniger betroffen.
Quelle: Seiler Zimmermann, Yvonne (2012): „Auswirkungen der neuen Eigenmittel-Mindestanforderung auf den Hypothekarmarkt“, Die Volkswirtschaft, Nr. 10, S. 28-30.
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2. April 2013 | retailbanking | 3 Kommentare
Von Prof. Dr. Andreas Dietrich
In Zusammenarbeit mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) bietet die Swissquote, mit mehr als 200‘000 Kunden die grösste Online-Bank der Schweiz, seit Juni 2011 (als damals erste Bank in der Schweiz) Online-Hypotheken zu in der Regel sehr attraktiven Konditionen an. Mit diesem Angebot erweiterte Swissquote ihr Dienstleistungsangebot um eine weitere Dimension. Aus der Sicht der BLKB eröffnen sich durch diese Zusammenarbeit Wachstums- und Diversifikationspotenziale. Zeit für ein Zwischenfazit.
Konzept
Die Hypotheken werden von den beiden Banken gemeinsam angeboten. Während die Kundenbeziehungen über Swissquote laufen, gehen die Hypotheken auf das Buch der BLKB. Die Tragbarkeitsberechnungen für die Kunden entsprechen den normalen Standards von Schweizer Banken. Da die Objekte bei schweizweit angebotenen Online-Hypotheken nicht im gleichen Ausmass begutachtet werden können wie bei lokalen Hypothekarkrediten, wird das Risiko als etwas höher eingeschätzt und wurde die Belehnungshöhe für einen Kunde einer Swissquote-Hypothek auf maximal 75% (üblich: maximal 80% Belehnung) festgelegt. Die erhaltenen Margen werden zwischen den beiden Banken aufgeteilt. Um die strategische Kooperation zu festigen, besitzt die die BLKB zusätzlich eine Beteiligung von 5% an der Swissquote.
Positiv am Angebot der Swissquote ist, dass die Dienstleistung gratis, der Zins in der Regel tief und die Bedienung einfach ist. Bei der Swissquote erhält der Kunde – im Gegensatz zu Hypothekenvermittlern – jedoch keinen repräsentativen Marktüberblick, sondern lediglich die Offerte einer einzigen Bank, der BLKB. Die Swissquote möchte sich aber ganz bewusst von den Hypothekenvermittlern abgrenzen.
Nutzen für die Swissquote
Aus der Sicht von Swissquote ist dieses Angebot durchaus eine sinnvolle Ergänzung der Produktpalette. Der Online Broker möchte vor allem bestehende Kunden halten. Zuvor verlor die Swissquote einige Kunden, weil diese ihre komplette Bankbeziehung zum neuen Hypothekarinstitut transferierten. Gemäss Jürg Schwab von der Swissquote wurden dank dem Online Hypotheken-Angebot tatsächlich weniger solcher Kundenabgänge verzeichnet. Es konnten sogar auch einige zusätzliche Kunden gewonnen werden. Ebenfalls wird damit ein neues Ertrags-Standbein im möglicherweise rasch wachsenden Markt der Online-Hypotheken erschlossen.
Die bisherige Entwicklung
Die Nachfrage nach Online-Hypotheken bei der Swissquote nimmt bisher stetig zu und hat im Januar den Wert von 160 Mio CHF erreicht. Gemäss Aussage von Christoph Loeb von der Basellandschaftlichen Kantonalbank hat das starke Wachstum im Online-Hypothekenbereich im Jahr 2012 die Erwartungen deutlich übertroffen. Im Verhältnis zur Gesamtsumme der Hypotheken der BLKB (rund 14.9 Mrd CHF) ist der Anteil an „Swissquote-Hypotheken“ zwar mit etwa 1% noch gering. Die Wachstumsentwicklung bisher ist jedoch sicherlich positiv. Die Basellandschaftliche Kantonalbank sieht das Kundenbedürfnis nach elektronischen Standardhypotheken durch das anhaltende Wachstum bestätigt.

Abbildung: Entwicklung des Hypothekarvolumens und der Erträge von Swissquote (Quelle: Präsentation Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2012, Swissquote)
Dank der Zusammenarbeit mit Swissquote konnte die BLKB ihr Kreditportfolio auch geografisch besser diversifizieren. Die Swissquote eHypothek wird in allen Regionen der Schweiz ohne Einschränkungen vergeben, wenn die Kreditgewährungskriterien eingehalten sind. 81% der bisher abgeschlossenen Swissquote eHypotheken liegen ausserhalb der Nordwestschweiz (BS/BL/SO/AG). Tendenziell kann man hier ein Übergewicht von Kunden aus urbanen Gegenden feststellen. Ebenso interessant: Bei den bisher abgeschlossenen Swissquote eHypotheken handelt es sich bei 77% um Ablösungen der Hypotheken von Drittbanken und lediglich bei 23% um Neugeschäfte.
Eine berechtigte Frage ist, ob die BLKB in Zukunft nicht selber Online-Hypotheken anbieten möchte. Ebenso wird sich zeigen, wie sich die Swissquote mittelfristig gegenüber den verschiedenen Hypothekenvermittlern (vgl. frühere Blog-Einträge zu MyMoneyPark, homegate.ch oder HypoPlus) und gegenüber den Banken mit Online Hypothekarangeboten positionieren kann. Gemäss Jürg Schwab von Swissquote hat die derzeitige Entwicklung mit den Markteintritten der Glarner Kantonalbank (hypomat, siehe Blogbeitrag) oder der Migros Bank bisher aber sogar positive Auswirkungen auf das Interesse von Online-Hypotheken. Das Interesse an den Online-Hypotheken der Swissquote sei „progressiv gewachsen“ durch den Eintritt neuer Konkurrenten.
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25. März 2013 | retailbanking | Kommentare deaktiviert
Von Dr. Yvonne Seiler Zimmermann
Bei privaten Hypothekarschuldnern wird das Risiko eines Zahlungsausfalls für die finanzierende Bank durch zwei Risikofaktoren massgeblich beeinflusst: Einkommenseinbussen resp. Einkommensausfälle sowie Zinsschocks. Bei einem Verkauf oder einer Verwertung der Liegenschaft ist die Wertentwicklung des Wohneigentums ein weiterer Risikofaktor.
Bei der Hypothekarvergabe gilt die bezüglich der Risikoeinschätzung konservative goldene Faustregel, dass die finanzielle Belastung durch die Wohnkosten einen Drittel des Einkommens nicht überschreiten sollte (Tragbarkeit) und die Belehnungshöhe nicht grösser als 80% sein darf. Tragbarkeit und Belehnung sind die wichtigsten Risikoindikatoren. Bei der Hypothekarvergabe sind diese Grössen einfach zu ermitteln. Sie können sich jedoch aufgrund von makroökonomischen und soziodemografischen Schocks stark verändern. So lange der Kunde die Zinsen pünktlich bezahlt, werden die kundenspezifischen Daten während der Laufzeit des Kreditvertrages im Normalfall jedoch nicht aktualisiert. Eine Beurteilung des Risikos des gesamten Hypothekarportfolios auf der Basis aktueller Daten ist daher nicht möglich.
Im Rahmen eines IFZ-Projekts wurde untersucht, wie die fehlenden Informationen bezüglich der kundenspezifischen Risikofaktoren geschätzt werden können. Konkret wurden folgende Fragen beantwortet:
- Wie hoch ist die Einkommensmigration über die einzelnen Einkommensklassen in der Schweiz?
- Inwieweit hängt die Einkommensentwicklung von den soziodemografischen Faktoren ab und welche Rolle spielt dabei die persönliche und wirtschaftliche Ausgangslage, in der sich jemand bei Kreditabschluss befindet
- Gibt es Zusammenhänge zwischen den soziodemografischen Profilen der Kunden mit den finanz- und objektspezifischen Faktoren? Wenn ja, inwieweit können diese zur Identifikation von Risikopositionen im Portfolio ausgenutzt werden?
Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Einkommensmigration, d.h. ob jemand eine Einkommenserhöhung erfährt oder nicht, über alle Einkommensklassen mit mindestens 20% beachtlich ist (vgl. Abbildung). Dabei zeigt sich, dass die Ausgangslage für die Einkommensmigration eine entscheidende Rolle spielt. Von Relevanz sind dabei sowohl soziodemografische als auch makroökonomische Faktoren. Bei den soziodemografischen sind es die Faktoren Nationalität, Kinder und Nebenerwerb. Bei den makroökonomischen Faktoren sind es die Veränderung des realen BIPs sowie der Term Spread. Einkommensmigrationen sind somit nicht zufällig.

Abbildung: Schätzung der Einkommensmigration, in Prozenten
Des Weiteren vermögen die folgenden Faktoren die Einkommensmigration ex ante erklären: Einkommen, Anstellungsgrad, Berufserfahrung, Alter und Geschlecht. Bezüglich Ausbildung haben Personen mit einem Universitäts- oder ETH-Abschluss die besten Einkommensaussichten. Sie können mit höheren Einkommenszunahmen rechnen, dagegen erfahren Personen mit einem Ausbildungshintergrund einer höheren Fachhochschule, HTL oder HWV weniger hohe Einkommenseinbussen als Personen mit anderem Ausbildungshintergrund. Ebenfalls haben Personen im Kredit- und Versicherungsbereich höhere Einkommenszunahmen als Personen der übrigen Wirtschaftsbereiche. Zudem ist der Lohnzuwachs im Tessin tiefer als in den übrigen Grossregionen. In grösseren Unternehmungen fallen die Einkommenserhöhungen generell höher und Einkommenseinbussen tiefer aus. Bezüglich der Einkommensentwicklung sind somit Personen, welche in grösseren Unternehmungen arbeiten, besser gestellt als die übrigen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Zusammenhänge zwischen soziodemografischen Faktoren und finanzierungs- bzw. objektspezifischen Faktoren bestehen. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge können einerseits genutzt werden, um bestehende Kredite als Risikopositionen im Portfolio zu identifizieren, andererseits können die Erkenntnisse bei der Hypothekarvergabe genutzt werden – beispielsweise zur besseren Portfoliodiversifikation.
Weiterführende Literatur: Zimmermann, Y. „Schätzung der Einkommensmigration als Herausforderung im Risikomanagement privater Hypothekarportfolios, in: C. Lengwiler, L. Nadig, M. Pedergnana (Hg): Management in der Finanzbranche – Finanzmanagement im Unternehmen, Zug: IFZ – Hochschule Luzern, 2012, S. 344.
Abgelegt unter: Allgemein · Hypothekargeschäft
18. März 2013 | retailbanking | Kommentare deaktiviert
Von Prof. Dr. Marco Passardi
Im Verlaufe der seit 2007 andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise haben mehr als zwei Drittel der hundert weltweit grössten Banken staatliche Unterstützung beansprucht. Davon betroffen waren als Erstes die USA, rasch aber auch viele europäische Länder, unter anderen auch die Schweiz mit dem Rettungspaket für die UBS im Oktober 2008. Retailbanken waren weder Auslöser noch direkt betroffen von der Krise, können aber durch die krisenbedingt ausgelösten Regulierungen von Basel III davon betroffen sein.
Das Regelwerk Basel III
Das Regelwerk Basel II wurde von den Zentralbank-Gouverneuren und den Vorsitzenden der nationalen Bankenaufsichtsbehörden (GHOS, Governors and Heads of Supervision) der Zehnergruppe angenommen, im Jahr 2004 veröffentlicht und ab Anfang 2007 in Kraft gesetzt. Die im Zug der Finanzkrise erarbeiteten Regeln von Basel II.5 wurden im Juli 2009 verabschiedet, jene von Basel III im Dezember 2010, wobei die neuen Anforderungen an das Eigenkapital bis Anfang 2019 vollständig zu erfüllen sind.

Abbildung: Vergleich Kapitalanforderungen gemäss Basel II und III (in % der risikogewichteten Aktiven [RWA])
Basel III definiert bezüglich Eigenmittelanforderungen vier Komponenten:
(1) Die Vorgaben an die dauernd zu haltenden Eigenmitteln von mindestens 8% der risikogewichteten Aktiven (RWA) bleiben bestehen. Basel III verlangt, dass 4.5% der RWA in Form von hartem Kernkapital (Common Equity Tier 1 = CET1) vorgehalten werden.
(2) Neu wird ein zusätzlicher Eigenmittelpuffer („Kapitalerhaltungspuffer“) in Form von hartem Kernkapital (CET1) in der Höhe von 2.5% der RWA verlangt.
(3) Neu ist zudem ein antizyklischer Eigenmittelpuffer in Form von hartem Kernkapital (CET1) von maximal 2.5% der RWA. Die Schweizer FINMA hat diesen unlängst partiell aktiviert, um einer „Blasenbildung“ im Hypothekarmarkt entgegen zu wirken.
(4) Im Weiteren wird, entsprechend den Basler Mindeststandards, weiterhin von den Banken erwartet, dass sie zusätzliche Eigenmittel halten.
Insgesamt ergeben sich daraus Eigenmittelanforderungen von 10.5% (exkl. antizyklischer Kapitalpuffer) bis 13% (inkl. antizyklischer Kapitalpuffer) der RWA, wovon maximal 3.5% der RWA nicht aus hartem Kernkapital bestehen darf. Während die Mindestanforderungen permanent zu erfüllen sind, dürfen die Pufferanforderungen unter besonderen, nicht planbaren Umständen zeitweilig unerfüllt bleiben. Dies kann z.B. in Zeiten wie einer Finanzkrise, von der die Bank direkt betroffen ist, der Fall sein.
Umsetzung ins nationale Recht
In der Eingemittlverodnung (ERV) wurden die Eigenkapitalvorgaben von Basel III, wie sie in der Abbildung beschrieben sind, unverändert übernommen. Mit ihrem Rundschreiben 2011/2 hat die Finma die Eigenkapitalvorschriften konkretisiert. Zu diesem Zweck hat sie die Banken aufgrund der Kriterien Bilanzsumme, verwalteten Vermögen, privilegierten Einlagen und erforderlichen Eigenmitteln in fünf Kategorien eingeteilt. Kategorie 1 umfasst die beiden Grossbanken, für welche sep. Regeln gelten. Die Ansätze für die Kategorien 2-5 ohne den antizyklischen Puffer, der zusätzlich maximal 2.5% der RWA in Form von hartem Kernkapital beträgt, sind aus der Tabelle ersichtlich. Sie zeigen die bis Ende 2016 einzuhaltenden Minimalanforderungen bezüglich des permanent zu haltenden Gesamtkapitals inklusive dem permanenten Kapitalerhaltungspuffer. Davon sind mindestens 7% der RWA in Form von hartem Kernkapital (CET1) zu halten. Der für eine grosse Zahl von Retailbanken relevante Ansatz für Kategorie 5 entspricht genau dem Wert der Basel III Bestimmungen, d.h. erfordert keine spezifischen Zuschläge. Alle Banken haben jährlich zuhanden der FINMA eine mehrjährige Kapitalplanung zu erstellen, welche aufzuzeigen hat, wie diese Ansätze eingehalten werden können.

Tabelle: Eigenkapitalquoten für CH-Banken nach Kategorien
(einzuhalten ab Ende 2016; ohne antizyklischen Puffer)
* Gesamtkapital in % der risikogewichteten Aktiven
Wie die Tabelle zeigt, wird allen Kategorien eine Eigenmittelzielgrösse und eine Interventionsstufe zugewiesen. Die Höhe des Kapitalerhaltungspuffers soll damit gemäss Art und Umfang der Geschäftstätigkeit, Komplexität und systemischen Bedeutung der Banken und ihrem wirtschaftlichen Risikoprofil bemessen werden. Es dürfte spannend sein zu beobachten, wie die Banken diese Anforderungen erfüllen: Werden eine Vielzahl von Institutionen die Zielgrösse überschreiten, oder wird sich eine Mehrzahl mit dem Minium begnügen?
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11. März 2013 | retailbanking | Kommentare deaktiviert
Von Prof. Dr. Andreas Dietrich
Seit einiger Zeit wird die Frage diskutiert, mit welchen Bezahltechnologien zukünftig an den Ladenkassen bezahlt wird. Dazu gibt es immer mehr Anzeichen, dass in Zukunft Zahlungen – auf Kosten der Banken – vermehrt auch über Internet-Giganten wie Google oder Technologiekonzerne wie Apple abgewickelt werden. Interessante Studien der Deutschen Bank oder von Life Sreda beleuchten verschiedene mögliche Entwicklungen im Bereich dieser mobilen Bezahlsysteme.
Apple und Google bald im Markt?
Die rasante technologische Entwicklung stellt die klassischen (Retail) Banken in verschiedenen Bereichen vor grössere Herausforderungen. Inbesondere Entwicklungen im Bereich der Zahlungsdienstleistungen – derzeit eine wichtige und zentrale Quelle stabiler Erträge in Form von Transaktions- und/oder Kontoführungsgebühren – ist in jüngster Vergangenheit vermehrt in den Fokus der Banken gerückt.
Der Markt für digitale (mobile) Bezahlsysteme steckt derzeit zwar noch in den Kinderschuhen. Digitale Bezahlmobilität mit internetfähigen Endgeräten ist aber die nächste logische Evolutionsstufe. Smartphones oder Tablets werden nicht nur den Retailhandel, sondern auch Finanzdienstleistungen, insbesondere die (mobilen) Bezahlsysteme in den nächsten Jahren fundamental verändern.
Die Strategien und Investitionen im Bereich des Marktes für mobile Bezahlsysteme von neuen Wettbewerbern wie Apple („Apple Passbook“), Google („Google Wallet“) oder auch PayPal sollte die (Retail) Banken entsprechend warnen. Reagieren Retail Banken nicht rechtzeitig oder gar nicht auf diese Veränderungen, könnten sie einen beträchtlichen Marktanteil im Zahlungsverkehr an die „Bank Google“ oder die „Apple Bank“ verlieren. Derzeit bieten zwar weder Apple noch Google einen eigenen Bezahldienst an. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass diese ihr bisheriges Dienstleistungsangebot ausweiten und in den Markt für standardisierte Finanzdienstleistungen eintreten werden. Ihr entscheidender Vorteil: Ein loyaler Kundenstamm in dreistelliger Millionenhöhe (Apple beispielsweise besitzt rund 400 Millionen Kunden mit einem Apple-Konto).
Banken sind daher gut beraten, den digitalen Strukturwandel in ihren Geschäftsmodellen und -strategien zu berücksichtigen. Nur so können sie dem Kunden auch in Zukunft die gewünschte, sichere und bequeme mobile Finanzdienstleistung anbieten.
Was können Retail Banken machen?
Ob traditionelle Finanzinstitute in den Markt für innovative (mobile) Bezahlsysteme einsteigen oder gar in erheblichem Umfang Marktanteile erringen können, hängt u.a. davon ab, ob es ihnen gelingt, ihre eigenen webbasierten (mobilen) Lösungen – unter der Betrachtung und Berücksichtigung von Kosten und Nutzen – rechtzeitig anzubieten. Wie immer in Phasen, die von hohem Innovationstempo geprägt sind, mag es für die Retail Banken sinnvoll sein, eine Multitechnologie zu verfolgen. Da die künftige Marktentwicklung noch sehr ungewiss ist, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, in Zukunft der „richtigen“ Allianz anzugehören. Ebenso ist wichtig, dass es den Banken gelingt, ihre primären Wettbewerbsvorteile in Bezug auf ihre langjährige Erfahrung im Bereich der Datensicherheit und Betrugsabwehr aufzuzeigen. Klassische Finanzinstitute haben aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit Sicherheits- und Datenschutzaspekten derzeit noch einen komparativen Vorteil gegenüber den möglichen neuen Wettbewerbern. Kunden wie Händler vertrauen diesen Systemen, was insgesamt die Akzeptanz erhöht und ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.
Quo vadis?
Die Banken stehen im Bereich des mobilen Zahlungsverkehr vor ernstzunehmenden Herausforderungen, die aber gleichzeitig lukrative Chancen und Wachstumspotenziale bieten. Ein passives Verhalten der Banken im Zeitalter des digitalen Strukturwandels und vermehrter webbasierter (mobiler) Technologien wird mittelfristig zu sinkenden Marktanteilen sowie Kundenzahlen im Bereich mobiler Finanzdienstleistungen und/oder (digitaler) Bezahlverfahren führen. Der spürbare Verdrängungswettbewerb wird in diesem Falle zu einer Entkoppelung des Zahlungsprozesses vom Konto führen sowie einer zunehmenden Lockerung der Kunde-Bank-Beziehung. Zudem werden möglicherweise vor allem Erträge aus Transaktionen mit Beträgen in geringer bis mittlerer Höhe sinken. Sollte es den Banken aber gelingen, dem onlineaffinen Kunden attraktive Finanzlösungen anzubieten, die den steigenden Konsumentenansprüchen entsprechen, wird der drohende Verdrängungswettbewerb eher moderat ausfallen. Das entscheidende: Noch ist es nicht zu spät, die Weichen zu stellen.
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