
von Dr. Markus Schmidiger
Studienleiter und Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ
«Nachhaltigkeit» ist das Schlagwort der Stunde. Wenn wir unsere Umwelt für kommende Generationen in gesundem Zustand erhalten wollen, müssen wir weniger Ressourcen verbrauchen. Im Immobilienbereich scheint das primär «Minergie» zu bedeuten. Aus dem richtigen Bestreben hinaus, Häuser energetisch optimiert zu bauen, wurde das Minergie-Label entwickelt und auf breiter Front vermarktet. Damit wurde eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben: Das Minergie-Label hat sich in der Schweiz zu dem Standard für das Bauen entwickelt.
Banken fördern es mit vergünstigten Hypothekarkonditionen. Unternehmen und Behörden schreiben im Leitbild fest, dass ihre Büroräume Minergie-Standards zu genügen haben, Investoren richten ihre Strategie so aus, dass sie nur noch in Minergie-Neubauten investieren dürfen. Minergie hat sich zu einem Quasistandard, fast schon zu einer fast unantastbaren Quasireligion entwickelt. Das ist angenehm: Statt selber zu denken und kreativ zu sein, kann man dem Standard folgen und macht vermeintlich nichts falsch. Das gute Gewissen ist dabei garantiert.
Aber ist Minergie wirklich gleich Nachhaltigkeit?
Interesse geweckt?
Lesen Sie weiter – die gesamte Kolumne von Dr. Markus Schmidiger aus der Zentralschweiz am Sonntag finden Sie hier
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Am 6. September 2012 bietet das IFZ den Alumnis ihrer bisherigen sechs Lehrgänge Swiss Certified Treasurer den SWISS TREASURY SUMMIT an. Der SWISS TREASURY SUMMIT vernetzt Group Treasurer, Dienstleister und Fachleute, Mitglieder der SwissACT und nicht zuletzt die Absolventen des CAS Swiss Certified Treasury (SCT). Als unabhängiger jährlicher Treffpunkt stärkt und fördert der SWISS TREAUSURY SUMMIT das Berufsbild des Treasurers in der Schweiz. Die Teilnehmer profitieren von ausgewiesenen Experter, Praktikern und Referenten sowie von der Kombination von Ausbildung und Erfahrungsaustausch.
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1 Kommentar vorhanden
1 Franz Beyeler // Jul 19, 2012 at 08:06
Absender: Franz Beyeler, Geschäftsführer Verein Minergie
Die Wahrheit über Minergie
Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, ein paar Fakten über Minergie klarzustellen, die Herrn Schmidiger offensichtlich nicht bekannt sind. Minergie ist kein Quasi-Standard, Minergie IST ein Standard, und zwar der in der Schweiz am meisten verbreitete Standard für Bauten mit tiefem Energieverbrauch und mehr Komfort. Angesichts der Tatsache, dass rund 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in unserem Land auf den Gebäudebereich entfallen, hat ein Standard für energieeffiziente Bauten selbst dann seine Berechtigung, wenn er sich keine weiteren Nachhaltigkeitskomponenten auf die Fahne geschrieben hat. Offenbar ist Herr Schmidiger mit Minergie nicht allzu sehr vertraut, denn sonst wüsste er, dass Minergie nie Anspruch hatte, umfassende Nachhaltigkeit zu garantieren.
Von Anfang an ging es bei Minergie um die Schonung der Ressourcen durch tiefen Energieverbrauch bei gleichzeitiger Steigerung des Komforts. Dass Minergie so erfolgreich ist, liegt unter anderem daran, dass der Produktnutzen (Komfort) den Umweltnutzen enthält, und dass die Mehrkosten im Vergleich zum konventionellen Bauen relativ gering sind. Wir können lange von der Notwendigkeit und vom Nutzen nachhaltiger Gebäude reden, aber die wenigsten Menschen sind bereit, mehr Geld auszugeben oder auf Komfort zu verzichten, damit die Umwelt profitiert. Wer ein Minergie-Haus baut, tut dies in den seltensten Fällen aus Gewissensgründen – und schon gar nicht aus Zwang, denn Minergie ist freiwillig. Menschen bauen nach Minergie, weil sie davon profitieren, unter anderem durch mehr Komfort und Lebensqualität, tiefere Betriebskosten und bessere Werterhaltung des Gebäudes. Wenn das auch der Umwelt zugute kommt – umso besser.
Wie Herr Schmidiger zu der Auffassung kommt, Minergie könnte in eine Sackgasse führen, ist mir schleierhaft. Der Standard wurde und wird laufend weiter entwickelt. So berücksichtigt Minergie-Eco zusätzlich gesundheitliche Aspekte wie schadstoffarme Baumaterialien, optimale Tageslichtverhältnisse und gute Rückbaubarkeit des verbauten Materials. Minergie-A, letztes Jahr lanciert, steht für Gebäude, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Minergie ist ein wichtiger Impulsgeber für die Industrie und inspiriert innovative Planer und Architekten zu cleveren Lösungen in verschiedenen Bereichen. Zudem werden Minergie-P Bauten von der Hochschule Luzern HSLU zertifiziert. Die HSLU ist übrigens für uns ein wichtiger Partner für die Weiterentwicklung unseres anspruchsvollsten Standards! Auf der Basis von Minergie-Eco wird derzeit ein nachhaltiger Baustandard für die Schweiz entwickelt, der umfassende Nachhaltigkeitskriterien wie von Herrn Schmidiger gefordert beinhaltet.
Im Zusammenhang mit Minergie von «unantastbarer Quasi-Religion» zu sprechen und davon, dass diejenigen, die auf Minergie setzen, zu bequem sind um selber zu denken und kreativ zu sein, spiegelt das Bemühen von Herrn Schmidiger, die Diskussion zu emotionalisieren. Damit ist niemandem gedient. Was wir brauchen, ist eine sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik «nachhaltiges Bauen». Alles andere ist quasi kontraproduktiv.