Noch vor kurzem schien die Refinanzierung der südlichen Eurostaaten zu einem Fiasko zu werden. Nun scheint eine einfache und nachvollziehbare Wende – vorübergehend – eingetroffen zu sein. Die EZB leiht europäischen Geschäftsbanken rund 600 Mrd. Euro für drei Jahre, zu einem sehr tiefen Zins notabene, und diese investieren das Geld in Staatsanleihen mit einer Frist von höchstens drei Jahren. Und so werden Anleihen von Italien, Spanien usw. wieder stark überzeichnet, denn diese werfen 3 bis 4 Prozent Zins ab. Die Zinsdifferenz behalten sie natürlich, die Bankmanager brüsten sich ob ihrer tollkühnen Taten und staatstragenden Funktion, legen „beeindruckende Ergebnisse angesichts der schwelenden Finanzkrise“ vor … und lassen einen nicht unerheblichen Teil der Marge als Bonus in die eigenen Taschen fliessen. Manchmal erscheint mir das als Hauptnutzen des 31.12. im Banking. Selbstverständlich kollern ihnen Krokodilstränen die Wangen runter, wenn sie beim nächsten Anklopfen an der EZB-Tür nicht wieder frisches Geld erhalten, möglichst umfangreich. Die Stabilität des gesamten Finanzsystems der europäischen Währungsunion sei in Gefahr, schrieb die EZB kurz vor Weihnachten in ihrem halbjährlichen Bericht zur Finanzmarktstabilität. Ist ja selbst blöd, wer angesichts solcher Analysen nicht wieder anklopft, nur beim nächsten Mal etwas heftiger…
In diesem Zusammenhang gefällt mir die Entscheidung der EU-Kommission: Die grosse, traditionelle und einst erfolgreiche Landesbank WestLB habe kein
Geschäftsmodell und sei daher ein Risiko für die Finanzmarktstabilität. Nun wird sie in drei Teile zerlegt, faktisch zerschlagen. Die EU-Kommission hat grünes Licht für diesen drastischen Umbauplan gegeben. Das Interessantere daran ist, dass mir gleich ein paar Schweizer Banken in den Sinn kommen, deren
Geschäftsmodell zunehmend in Frage gestellt werden muss. Und was machen diese im Jahr 2012?
Interesse geweckt?
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