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Private Equity – eine sinnvolle Renditeanlage mit echtem Diversifikationscharakter

Mai 29th, 2010 | ifzblog | Keine Kommentare |

erschienen in Finanz und Wirtschaft vom 29. Mai 2010

Von Maurice Pedergnana

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Private Equity ist eine Anlagemöglichkeit, die in ihrem Kern bis heute noch zu wenig verstanden wird. Dabei bietet sie verschiedene Facetten, auf die ein cleverer Investor allein schon aus strategischen Gründen nicht verzichten sollte. Sie ist alternativ in dem Sinne, als sie gemeinsam mit Rohstoffen und Immobilien zu den drei ältesten Anlageformen zählt und noch immer mehr Rendite abwirft als das blinde Vertrauen des Kleinaktionärs auf börsenkotierte Aktien und Bonds.

Ein Beitrag über Private Equity sollte nicht in einem Magazin über Alternative Anlagen erscheinen, sondern in einer Auseinandersetzung mit den drei verheissungsvollsten Anlageklassen der nächsten 20 Jahre. Allzu oft wird heute der Blick auf das Börsengeschehen gerichtet, mit seinen tagtäglichen Schwankungen, die oftmals nur einen geringsten Zusammenhang mit realwirtschaftlichen Veränderungen aufweisen. Mit Mathematik und Statistik werden Risiken einer Anlage modelliert, letztlich simple Kauf- und Verkauf-Entscheide gefällt und das Management einer Firma unter Druck gesetzt. Immer häufiger werden teure Finanzanalysten durch Computer ersetzt, denn Intelligenz steht einem programmierbaren Algorithmus im Handelsgeschäft höchstens im Wege. Computergestützt können heute bis zu 60 Millionen Transaktionen   von einem einzelnen Desk täglich ausgehen – kein Wunder, stürzt da mal der Dow Jones innert Minuten um 1‘000 Punkte ab. Dagegen wird mit Private Equity mit gesundem Menschenverstand in die reale Volkswirtschaft investiert, werden Innovationen gefördert und Arbeitsplätze geschaffen – stets im Hinblick auf eine von einem zusätzlichen Customer Value überzeugte Kundschaft.

Private Equity sind Investitionen in nicht-kotierte Unternehmen.

Bei börsenkotierten Unternehmen wird vieles gemacht, um in der Finanzwelt Glanz und Gloria zu verbreiten und effektive Schwachstellen zu vertuschen. CEO und CFO sind beide bis zu 50 % oder mehr nicht mit ihren ursprünglichen Kernaufgaben beschäftigt, sondern mit der Finanzmarktkommunikation. Ganz anders verhält es sich mit Private Equity Investitionen, die typischerweise als Beteiligungen an privaten und Investitionen in nicht-kotierte Unternehmen vorgenommen werden. Auch wenn die Absicht der Privatisierung oder Dekotierung besteht, reden wir noch von Private Equity. Damit handelt es sich im Kern um eine Anlageklasse, in der sich – fernab von der Börse – auch das gesamte Top Management sich ausschliesslich auf das Geschäft fokussieren kann, auf das Generieren von Nutzen für die Kunden und auf das Suchen und das Entwickeln von neuen Erfolgspotenzialen. Tatsächlich relevante Veränderungen in der Bewertung werden in der Regel im Halbjahresrhythmus festgehalten, vor allem als gedankliche Meilensteine auf einem langjährigen Zielpfad.

Private Equity steigert den Unternehmenswert durch Unternehmens-Leistung

Private Equity-Investitionen bezwecken eine Wertsteigerung durch Steigerung der unternehmerischen Leistung. Das ist der zentrale Unterschied zu Hedge Fund-Spekulationen und den von ihnen getriebenen Financial Engineering Ansätzen. Wichtig ist, dass die Governance in Private Equity-finanzierten Firmen jene in börsenkotierten Gesellschaften bei weitem überragt. Das zeigen zahlreiche Studien. In einen typischerweise aktiven Verwaltungsrat mit wenigen Mitgliedern, die sich fast rund um die Uhr austauschen, kommt nur, wer substanziell etwas beitragen kann. Zudem weisen mit Private Equity finanzierte Unternehmen traditionellerweise eine hohe Interessenskongruenz zwischen Eigentümer und Management auf. Die operative Führung ist typischerweise massgeblich am langfristigen Unternehmenserfolg beteiligt; der einzelne Jahresabschluss spielt kaum eine Rolle. Dabei ist klar: Investitionen, die primär Finanzmarktdifferenzen ausnützen, sind keine Private Equity-Investitionen. Auch muss nicht quartalsweise auf die Financial Community reagiert werden. Vielmehr steht der Kunde konsequent im Zentrum aller Bemühungen und damit die Weiterentwicklung eines zumeist fokussierten Geschäftsmodells. Typische Private Equity-Investoren verfolgen das Ziel, den Unternehmens-Wert durch Steigerung der Unternehmensleistung (Innovationen, Markt­erschliessung, Optimierung von unternehmerischen Prozessen, Managementleistung) zu erhöhen.

Private Equity leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur volkswirtschaftlichen Entwicklung.

Der sympathische, letztlich aber auch unverzichtbare Beitrag zur volkswirtschaftlichen Entwicklung liegt darin, dass Private Equity auch Kapital in Unternehmensphasen zur Verfügung stellt, in denen es typischerweise keine Bankkreditfinanzierung gibt (z.B. nach dem Zusammenbruch von SAir Group oder in den Gründungsjahren).

 In diesem Sachverhalt liegt auch die besondere Rolle von Private Equity, weil es die Innovation fördert, innovativen Produkt- und Marktentwicklungen zum Durchbruch verhilft und dem unternehmerischen Wachstums­potenzial den Durchbruch ermöglicht. Private Equity schafft Arbeitsplätze, häufig auch besonders qualifizierte Arbeitsplätze. Es trägt bei Nachfolgeregelungen zu unternehmerisch tragfähigen Lösungen und zum Erhalt von qualifizierten Arbeitsplätzen bei. Damit fördert Private Equity wettbewerbsfähige, unternehmerische Strukturen und beschleunigt die Anpassungsfähigkeit (und damit auch der schweizerischen Volkswirtschaft). Und es schafft selbst im Schweizer Finanzsektor neue, starke, erfolgreiche Unternehmen (Partners Group, Capital Dynamics, Index Venture, Capvis, Zurmont Madison, BV Group usw.).

Private Equity unterstützt die Unternehmensentwicklung mit unternehmerischen Mitteln.

Private Equity-Investoren unterstützen das Unternehmenswachstum nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern mit unternehmerischen Leistungen. Sie unterstützen beispielsweise das Management, beraten bei der Strategie-Entwicklung oder eröffnen Marktzugänge, indem sie ihre Branchenkenntnisse und Beziehungs-Netzwerke zur Verfügung stellen. 

Private Equity-Investments haben längerfristigen Charakter.

Weil mit Private Equity-Investitionen die Unternehmensleistung gesteigert werden soll, sind finanziellen und personellen Ressourceneinsätze mittel- und langfristig ausgelegt, derweil die durchschnittliche Verweildauer eines Publikumsaktionärs viel kürzer ist und sich auf die finanzielle Seite reduzieren lässt. Der lange Atem zeigt sich auch darin, als dass Private Equity-Investments in allen Phasen des Unternehmenszyklus erfolgen können.

 Private Equity als eine etablierte und sichere Anlageklasse.

Private Equity-Investitionen sind Investitionen in Aktien, ausgestattet mit effektiven Mitwirkungsrechten, die ungleich grösser sind als jene des Kleinaktionärs in einer Publikumsgesellschaft. Zudem sind die Private Equity-Risiken durch institutionelle Mitwirkungsrechte steuerbar. Ausserdem ist es die einzige etablierte Anlageklasse, die Pensionskassen, anderen institutionellen Anlegern und Privaten die Möglichkeit bietet, in verheissungsvolle, wachstumsträchtige nicht-kotierte Unternehmen zu investieren. Bis heute haben die Kapitalmarkttheoretiker Mühe damit zu verstehen, dass in nicht-kotierten Unternehmen historisch mehr Wert geschaffen wurde als an allen weltweiten Börsen zusammen.

 Private Equity fördert die Transparenz.

 Um die Vorteile dieser strategisch bedeutsamen Anlageklasse herauszustreichen, hat der Schweizer Verband SECA die transparente Darstellung von Private Equity-Investoren in der Öffentlichkeit und das transparente Geschäftsverhalten ihrer Mitglieder gefördert. Zudem unterstützt der Verband sämtliche Transparenzvorhaben auf internationaler Ebene (die Private Equity Standards der Institutional Limited Partners Association ILPA, die International Private Equity and Venture Capital Valuation Guidelines der IPEV   und jene der IOSCO als internationale Vereinigung nationaler Börsenaufsichtsbehörden). Ausserdem ist sie Mitglied der transparenzfördernden European Venture Capital Association EVCA.

Private Equity-Funds sind nicht zu verwechseln mit Hedge Funds.

Bedeutsam ist, dass Private Equity-Investitionen sich von Hedge Funds klar unterscheiden:

Hedge Funds investieren meist in Aktien und Bonds börsenkotierter Unternehmen. Sie übernehmen in der Regel keine unternehmerische Verantwortung, erzielen ihren allfälligen Gewinn durch ein aktives Management der Wertpapiere und unter Ausnützung von Marktdifferenzen. Hedge Funds haben in der Regel ein kurzfristiges Interesse insbesondere an aktiven Finanztransaktionen und erzeugen keinen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Praktisch bedeutet dies, dass kein bedeutsamer Private Equity-Investor parallel auch Hedge-Funds managen kann; die beiden Anlagekategorien haben schon von ihrer Philosophie her sehr wenig miteinander gemeinsam, auch wenn sie fälschlicherweise in den gemeinsamen Topf „Alternative Anlagen“ geworfen werden. Private Equity Investments stehen primär im Substitutions-Wettbewerb mit Public Equity, mit börsenkotierten Aktienengagements: Wer strategisch ausgewogen und nachhaltig langfristig investieren will, tut gut daran, den Anteil Public Equity um rund 10 % zu reduzieren und dies – über direkte und indirekte Anlagemöglichkeiten – in Private Equity zu investieren.

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